Volkstrauertag
Volkstrauertag

14.11.2014

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Wandel "Soldatenfriedhöfe als Lernorte"

75 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs steckt der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Reformprozess. Präsident Markus Meckel erklärt der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), weshalb Soldatenfriedhöfe künftig als Gedenkstätten dienen.

KNA: Herr Meckel, 2014 ist ein besonderes Gedenkjahr, das mit runden Daten an den Beginn der beiden Weltkriege erinnert. Das müsste doch für den Volksbund eine große Chance sein...

Meckel: In der Tat ist das eine gute Gelegenheit, die Öffentlichkeit nochmals auf unsere Arbeit hinzuweisen. Der Volksbund ist 1919 in der Zeit der tiefen Depression nach dem Ersten Weltkrieg gegründet worden. Nach dem verbrecherischen Zweiten Weltkrieg haben die Deutschen sich schwergetan mit dem Gedenken. Dabei gerät schnell in Vergessenheit, dass der Volksbund keine staatlich Einrichtung ist, sondern eine bürgerschaftliche Organisation.

KNA: Die Generation, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt hat, stirbt langsam aus. Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Meckel: Unsere Mitgliederzahlen gehen rasant zurück. Ein Großteil unserer Mitglieder ist um die 80 Jahre alt. Das bedeutet, dass wir uns völlig neu aufstellen müssen. Von unserem Jahresetat von 41 Millionen Euro sind derzeit lediglich 13 Millionen Euro, die wir vom Auswärtigen Amt für die Pflege von Soldatenfriedhöfen im Ausland bekommen.

70 Prozent kommen aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen, die ebenfalls rückläufig sind. Da stellt sich dann die Frage, was der Politik und der Gesellschaft unsere Arbeit Wert ist - schließlich erreichen wir mit unserer internationalen Bildungs- und Jugendarbeit jedes Jahr mehr als 20.000 junge Leute, die sich europaweit mit jungen Menschen anderer Länder neben der Arbeit auf Kriegsgräberstätten mit den Fragen der Folgen der Kriege und der Arbeit für den Frieden beschäftigen. Das ist seit Jahrzehnten gelebte Versöhnungsarbeit.

KNA: In welche Richtung denken Sie beim Thema Neuaufstellung?

Meckel: Lassen Sie mich erstmal darauf hinweisen, dass unsere eigentliche Aufgabe, Soldatenfriedhöfe im Ausland zu pflegen, noch nicht vollständig erfüllt ist. Erst nach dem Fall der Mauer konnte der Volksbund seine Arbeit in Osteuropa und der früheren Sowjetunion aufnehmen - wo im Zweiten Weltkrieg mehr als drei Millionen deutsche Soldaten ums Leben kamen, mehr als doppelt so viele wie im Westen.

Seit 1991 hat der Volksbund 330 Friedhöfe des Zweiten Weltkrieges und 188 Anlagen aus dem Ersten Weltkrieg in Ost-, Mittel- und Südosteuropa wieder hergerichtet oder neu angelegt. 796.053 Kriegstote wurden auf 82 Kriegsgräberstätten umgebettet. So manche Familie hat erst dadurch erfahren, wo Angehörige gefallen sind - da gibt es also immer noch sehr persönliche Bezüge.

KNA: Trotzdem: In welche Richtung gehen Ihre Reformideen?

Meckel: Wir sind schon länger in einem Reformprozess. Zuletzt haben wir eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die ein neues Leitbild entwerfen und unsere Ideen auf den Punkt bringen soll. Im nächsten Jahr wollen wir dieses Leitbild verabschieden. Fest steht ja, dass es bald niemanden mehr gibt, der einen konkreten persönlichen Bezug zum Krieg herstellen kann. Spätestens dann sind auch die Soldatenfriedhöfe nicht mehr Orte persönlicher Trauer, sondern wie alle Gedenkstätten Lernorte und Bildungsorte.

KNA: Was heißt das konkret?

Meckel: Dass wir etwa verstärkt Jugendliche aus ganz Europa zu Workcamps einladen, die sich mit Themen wie Versöhnung und Frieden auseinandersetzen. Das hat aber auch Auswirkungen auf die Gestaltung der Friedhöfe: Sie sind ja ästhetisch meist eindrucksvoll. Aber es muss auch Tafeln oder Ausstellungen geben, die über die Toten informieren, ihre Schicksale darstellen und auch Verbrechen ehrlich benennen.

Es ist ja häufig so, dass Täter und Opfer auf diesen Friedhöfen nebeneinander begraben sind - oder die gleichen Personen Täter und Opfer sind. Das muss man offen darstellen, ohne aber vorschnell zu verurteilen. Es geht hier um ein besseres Verständnis für historische Zusammenhänge, um ethische Urteilsbildung und damit um die Erkenntnis, dass Gewalt ? im Kleinen wie im Großen ? immer das Scheitern menschlichen Handelns offenbart. Daraus erwächst dann oft ein engagiertes Eintreten für friedliche Konfliktlösung, für Dialog ? eben: für den Frieden.

KNA: Ist nicht auch der Name Volksbund eher abschreckend?

Meckel: In der Tat können gerade junge Leute, die wir ja verstärkt ansprechen wollen, mit dem Namen wenig anfangen. Dennoch wollen wir nichts übers Knie brechen und zunächst mal das Leitbild verabschieden. Dann kann man bis 2019, zum 100-jährigen Jubiläum des Volksbundes, über einen neuen Namen nachdenken. Allerdings sollte man sich auch davor hüten, seine eigenen Wurzeln abzuschneiden.

KNA: Erhält Ihre Arbeit angesichts der derzeitigen Vielzahl von Konflikten - Irak, Syrien, Ukraine - nochmals eine neue Begründung?

Meckel: Gerade der nicht-erklärte Krieg in der Ostukraine macht ja deutlich, wie brüchig auch der Frieden in Europa sein kann und wie langlebig Strukturen sind, die zu Gewalt und Krieg führen können. Da kann der Volksbund sicher zum Nachdenken anregen. Natürlich auch über die Frage, wie weit Deutschland wieder zu militärischen Mitteln greifen darf.

Meiner Meinung dürfen die Verbrechen der Wehrmacht, die einen ideologisch begründeten, rassistischen Angriffskrieg im Osten geführt hat, nicht dazu führen, dass wir uns überall raushalten. Zumindest dann nicht, wenn es um die Verhinderung von Völkermord geht und die militärischen Maßnahmen völkerrechtlich legitimiert sind. Das ist im Irak gerade ganz akut. Wir dürfen hier nicht nur zuschauen, sondern müssen helfen, der Gefahr durch die IS zu wehren und müssen auch verstärkt bereit sein, Flüchtlinge aufzunehmen.

Christoph Arens
(KNA)

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