Chor
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10.07.2013

Studie: Chorsingen ist gesund Ein Herz und eine Seele

Singen im Chor macht nicht nur Spaß, sondern ist auch gesund. Es hat eine ähnliche Wirkung wie Atemübungen und stärkt die mentale Verfassung. Sogar die Herzen schlagen bei Chorsängern im Takt. Ein Chorleiter bestätigt die positiven Effekte.

domradio.de: Schlägt denn Ihr Herz als Chorleiter auch im Takt, wenn Ihr Chor singt?

Volker Gerland (Chorleiter und Vorsitzender des Landesverbands der Musikschulen in NRW): Das Herz schlägt dann auf jeden Fall ganz kräftig, denn Singen ist etwas Emotionales und berührt und deswegen finde ich es schön, wenn man herausfindet, dass es gesundheitliche Effekte gibt.

domradio.de: Die Überschrift der Studie lautet "Singen macht gesund". Wie erklären Sie sich den Zusammenhang von Singen im Chor und einem gesunden Körper und Herzen?

Gerland: Das Musizieren gehört eben ganz deutlich zum Menschen mit dazu und wenn das nicht zum Menschen dazugehören würde, dann hätte es auch diese gesundheitliche Wirkung nicht. Beim Singen kommen sicherlich spezifische Sachen dazu, physiologisch betrachtet, was die Stimmbänder angeht, die Nebenhöhlen, den Kehlkopf und die Atmung. Beim Musizieren insgesamt stellt man ja sehr ähnliche Effekte auf die Psyche des Menschen fest wie beim Singen. Ich glaube, das hängt eben damit zusammen: Singen gehört zum Menschen und Singen ist deshalb gesund.

domradio.de: Gibt es denn einen Unterschied bei der Gesundheit, ob ich als Chorsänger oder als Solist auftrete?

Gerland: Das weiß ich nicht, aber ich glaube, dass für viele Menschen, die positive Effekte beim Singen erfahren, die Gemeinschaft eine große Rolle spielt.  Einmal ist das so, dass gemeinsames Musizieren auch ein soziales Leben strukturiert und Leute, die sich gut aufgehoben fühlen und die auch etwas Schönes mit anderen zusammen machen und das so empfinden, die empfinden sich sicherlich auch als gesünder und bleiben unanfälliger für viele Arten von Zivilisationskrankheiten. Zum zweiten denke ich auch, dass der Einzelne in einem Chor oder in einem Orchester nicht individuell so hochleistungsfähig sein muss, damit es ein gutes Ergebnis gibt. Also das müssen nicht alles tolle ausgebildete Opernsänger sein, sie können ein schönes künstlerisches Ergebnis und auch eine innere Befriedigung daraus beziehen und darum glaube ich, dass es einfach ist, diesen gesunden Weg in der Gemeinschaft zu finden.

domradio.de: Welche positiven Nebeneffekte hat das Singen noch?

Gerland: Es geht so weit, dass man im Speichel von Sängern, die aktiv gesungen haben, Immunglobulin A nachweisen konnte. Das ist ein Immunstoff, der hilft Infektionskrankheiten zu vermeiden. Es geht so weit, dass man sagen kann, dass sich Stimmungsschwankungen durch Singen bisher gut ausgleichen lassen. Ich glaube, Singen ist auch eine Begegnung mit sich selbst. Das kann, wenn man merkt, wie schön man in so einem Chor singen kann, positive Selbstwahrnehmung fördern. Das ist meines Erachtens eine ganz wichtige Sache für einen gesunden Menschen.

domradio.de: Die Forscher wollen jetzt erforschen, ob Chorsingen auch in Schulen die Zusammenarbeit verbessern kann. Können Sie sich das vorstellen?

Gerland: Als Musikschule Dortmund, das ist ja einfach eine große Bildungseinrichtung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, sind wir ja auch viel in Schulen unterwegs und betreiben auch Schulchören gemeinsam mit den Schulen. Sie tun das natürlich auch, weil gemeinsames Singen in der Schule Identität und Zusammenhalt stiftet. Ich glaube, dass die Wissenschaftler sicherlich Effekte finden werden. Aber ich glaube, dass allen, die selbst singen durchaus bewusst ist, dass wenn man gemeinsam singt, man sich auch von einer gemeinsamen Welle getragen fühlt. Insofern finde ich das schön, wenn man das wissenschaftlich beweisen kann, aber eigentlich hätte meine Großmutter dafür gar keinen Beweis gebraucht.

Das Interview führte Hilde Regeniter

(DR)

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