07.07.2013

Der deutsche Ägyptologe Jan Assmann wird 75 Sonnengesang

Wann fängt die Alte Geschichte an? Bei Homer und dem alten Griechenland? Doch was ist mit dem alten Ägypten? Hat es nicht ebenso stark die europäische Geistesgeschichte geprägt? Einer, der die Erinnerung daran stets wach hält, ist Jan Assmann.

28 Jahre lang hatte er den Lehrstuhl für Ägyptologie an der Universität Heidelberg inne und gilt mittlerweile als einer der einflussreichsten Vertreter seines Fachs in Europa. Vor 75 Jahren, am 7. Juli 1938, wurde Assmann im niedersächsischen Langelsheim geboren.

Jan Assmann studierte Ägyptologie, Klassische Archäologe und Gräzistik in München, Heidelberg, Paris und Göttingen. Er untersuchte wesentliche Aspekte des gesellschaftlichen Lebens im alten Ägypten, angefangen bei dem Zeitverständnis über die Vorstellung von Tod und Jenseits bis hin zu zwischenmenschlichen Beziehungen und dem Gottesbild.

Er widmete sich auch der Ägyptenrezeption in Europa. Besonders bei den Ägyptenforschungen des 19. Jahrhunderts bemerkte er, wie fremd Ägypten den Europäern geworden war. «Je mehr das 19. Jahrhundert über Ägypten wusste, desto weniger vermochte Ägypten ihm zu sagen. Nachdem es den Schleier der Hieroglyphen von dem Bilde Ägyptens gezogen hatte, stand es beziehungslos vor dem, was sich ihm zeigte.» Diese Beziehungslosigkeit möchte Assmann überwinden - etwa mit der Erforschung des Monotheismus.

Eine erste monotheistische Religion entstand im 14. Jahrhundert v.Chr. in der ägyptischen Stadt Amarna östlich des Nils. Pharao Amenophis IV., später Echnaton genannt, gründete dort einen Sonnenkult, der mit Gewalt alle polytheistischen Strömungen unterband. Später machten die Juden die «mosaische Unterscheidung», unterschieden also zwischen wahrem Gott und falschen Göttern. Ebenso die Christen und die Muslime. Assmann zeichnet aber nicht eine monokausale Entwicklung des Monotheismus von Echnaton über Moses zu Christus nach, sondern sieht jede Religion in ihrem ganz eigenen historischen Kontext.

«Kulturelles Gedächtnis»

Dieses Verständnis von Geschichte nennt Assmann «Kulturelles Gedächtnis». Zwar ist Geschichte nur aus ihrem zeitlichen Kontext heraus zu verstehen, andererseits nehmen die Menschen stets neu Bezug darauf, erinnern sich, interpretieren, lesen und deuten. Das kulturelle Gedächtnis ist also mehr als nur starre Tradition, sondern der Umgang mit Geschichte ist auch wandelbar.

Das zeigt sich am Umgang der Europäer mit der ägyptischen Geschichte. Wurde Ägypten im Mittelalter noch als polytheistischer Gegenpol zum monotheistischen Europa abgelehnt, fanden die Europäer später, mit der Wiederentdeckung der monotheistischen Amarna-Religion, wieder Zugang zu Ägypten - etwa in Bezug auf den Sonnen-Hymnus des Echnaton, der im 104. Psalm auftaucht.

Auch heute ist nach Assmann die Rückbesinnung auf Europas Wurzeln im alten Orient von großer Bedeutung: Erst, wenn sich die Europäer mit dem «exotischen Wissen» wieder vertraut machten, könnten sie ein besseres Gefühl für die eigene Kultur entwickeln. Die Ägyptologie sei dabei «ein unverzichtbares Organ unseres Geschichtsbewusstseins, das uns hilft, nicht von Tag zu Tag zu leben und unerfahren im Dunkeln zu bleiben».

Seit 1967 arbeitete Assmann in Theben-West bei archäologischen Feldarbeiten zur Untersuchung der Ramessidenzeit. Unter anderem erhielt er 1996 den Max-Planck-Forschungspreis und 1998 den Deutschen Historikerpreis. Er ist mit der Anglistin Aleida Assmann verheiratet und hat fünf Kinder. Vincent, David, Marlene und Valerie arbeiten in der Medien- und Filmbranche, Tochter Corinna ist Anglistin an der Universität Heidelberg.

Claudia Zeisel
(KNA)

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