So soll die Klosterstadt Meßkirch aussehen
So soll die Klosterstadt Meßkirch aussehen

22.06.2013

Baubeginn für die Klosterstadt Meßkirch Zeitreise ins Mittelalter

Nach jahrelangen Planungen öffnet der "Campus Galli" - die Karolingische Klosterstadt Meßkirch. Auf einem 24 Hektar großen Waldgelände bei Meßkirch im Landkreis Sigmaringen können Besucher auf Zeitreise ins Mittelalter gehen.

Zwei, drei präzise Hammerschläge, dann passt der Holznagel. Jens Lautenschläger und Michael Straub versuchen mit Hunderten Schindeln das Dach der aus Holzbalken gezimmerten Waldhütte abzudichten. "Seit drei Tagen plagen wir uns hier, damit alles richtig sitzt. Mit Teerpappe wär's schnell erledigt", sagt Zimmermann Straub. Aber Baumarkt gilt nicht. Und Geduld dürfte eine der wichtigsten Tugenden werden, wenn das in Deutschland einzigartige Projekt Klosterstadt gelingen soll: Nach jahrelangen Planungen öffnete am Samstag der "Campus Galli", die Karolingische Klosterstadt Meßkirch, ihre Pforten für mittelalterbegeisterte Besucher.

"Wir bauen mit den Arbeitsweisen und Werkzeugen des neunten Jahrhunderts eine Klosterstadt mit Kirchen und Wirtschaftsgebäuden. Und wollen dabei eine Mittelalterbaustelle zum Anfassen und Mitmachen bieten", sagt Bert Geurten, Initiator und Kopf des Projekts. Eine Mischung aus Abenteuerspielplatz, Mittelalterschauspiel und Freilichtmuseum. Geplante Bauzeit: 40 Jahre. Eine verrückte Idee, wie der 63-jährige Rheinländer und Karl-der-Große-Fan freimütig einräumt. Eine Idee aber, die zugleich begeistert.

"Wir wollen mit dem Klosterstadt-Projekt mal etwas Außergewöhnliches für unsere Region anpacken, um für Touristen attraktiver zu werden", sagt Meßkirchs Bürgermeister Arno Zwick. Er hat sich in den vergangenen drei Jahren von Geurtens Feuereifer anstecken lassen und geholfen, Bedenken und Widerstände gegen das als "Mittelalter-Disneyland" gegeißelte Projekt zu überwinden. Die Kleinstadt - idyllisch rund 30 Kilometer nördlich vom Bodensee gelegen und bislang vor allem als Geburtsort von Martin Heidegger bekannt - verpachtet das 24 Hektar große Klosterstadt-Grundstück an den Trägerverein des Projekts und tritt mit nicht unerheblichen Mitteln für Planung, Genehmigung und Infrastruktur in Vorleistung. "Risikokapital" nennt das der Bürgermeister.

Das Ziel: 120.000 Besucher pro Saison

Spätestens in drei bis vier Jahren soll sich die Mittelalterbaustelle durch die Besuchereinnahmen finanzieren. Der Businessplan sieht 120.000 Besucher pro Saison von April bis November vor. Ein ähnliches Projekt im französischen Guedelon lockt jährlich mehr als 300.000 an. "Wenn wir das erste Jahr überstehen, wird der Campus Galli ein Erfolg", ist Geurten überzeugt. Zum Start werden zunächst rund 20 Handwerker versuchen, den Wald nach Vorbild ihrer mittelalterlichen Vorgänger urbar zu machen. "Als erstes bauen wir wie die Mönche damals eine Holzkirche, später wird an der Stelle die große Kathedrale entstehen", so Straub.

Ein Forstweg erschließt das Klosterstadtgelände. Über den Rundweg passieren die Besucher die verschiedenen Handwerksstationen des Parks. Schmied Dany Ludwig werkelt kurz vor Eröffnung noch am Lehmdach seines künftigen Arbeitsplatzes. Schräg gegenüber ist die Hütte für Töpfer Andy Ollinger fast fertig. Inklusive handbetriebener Töpferscheibe und Lehmgrube, wo er sein Arbeitsmaterial selbst abbauen will. Am Holzgestell für den Brennofen wird noch gearbeitet. "Für mich ist die Klosterstadt der beste Job, den ich mir vorstellen kann, die ganz große Herausforderung", erzählt Straub

"Dem Mittelalter so nah wie möglich kommen"

Doch das Experiment kann nur gelingen, wenn Besucher kommen. Familien, Schulklassen, die von der Tourismusbranche besonders umworbenen "Bestager" im Wohnmobil, Kulturinteressierte. Doch die Macher sind überzeugt, dass ihr Konzept, den Handwerkern beim Bauen über die Schulter schauen zu können oder als Besucher gar mal selbst den Hammer schwingen zu können, den entscheidenden Unterschied zu klassischen Freilichtmuseen machen wird.

Wichtig ist Geurten, "dem Mittelalter so nah wie möglich zu kommen". Alle Handwerker sollen Kleider nach historischem Vorbild tragen. Strom gibt es nur fürs Toilettenlicht. Rauchen und Radiomusik sind verboten. Kompromisse gibt es dann, wenn Sicherheitsvorschriften des 21. Jahrhunderts erfüllt werden müssen. "Es gibt keine Diskussion, dass wir zum Beispiel beim Bauen unseres Krans Stahlseile verwenden werden", sagt Geurten.

Volker Hasenauer
(KNA)

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