Zeichnungen aus Theresienstadt
Zeichnungen aus Theresienstadt

17.05.2013

Jüdisches Museum Berlin zeigt Zeichnungen aus Theresienstadt Einblicke in die Hölle des Ghettos

Aus den Zeichnungen, für die Bedrich Fritta sterben musste, kriecht der Tod auf einen zu. Abgemagerte Gestalten, mehr Gespenster als Menschen, stieren dem Betrachter entgegen. Szenen aus dem nationalsozialistischen Ghetto Theresienstadt.

Um Juden logistisch effizient per Güterzug in Vernichtungslager wie Auschwitz zu bringen, hatten die deutschen Besatzer 1941 das nördlich von Prag gelegene Ghetto eingerichtet. Frittas Zeichnungen zeigen eine Welt des Leids und der Verzweiflung, aber auch Momente der Menschlichkeit und Wunschbilder für seinen kleinen Sohn. Fast sieben Jahrzehnte nach dem Tod des tschechisch-jüdischen Karikaturisten in Auschwitz werden seine Arbeiten aus dem Ghetto nun erstmals in Deutschland in einer Einzelschau ausgestellt.

"Dunkelheit herrschte im Keller, als wir am Abend das Knarren der Bremsen hörten und gleich darauf das charakteristische Gebrüll der SS, die in den Keller stürmte und uns mit Knüffen und Schlägen in die verdeckten Lastautos hineintrieben. Dort fanden wir unsere Frauen, weinend, aber glücklich bei unserem Anblick. Frittas Frau war da mit dem dreijährigen Sohn Tomas." So erinnerte sich Frittas Künstlerkollege Leo Haas, der den Krieg überlebte, später an den Abtransport ins Gestapogefängnis der Festung von Theresienstadt.

Kurz zuvor waren die heimlichen Zeichnungen aufgeflogen. Verhört wurde Fritta vom Organisator des Holocaust, Adolf Eichmann, persönlich. Das Urteil: Wegen "Greuelpropaganda" ins Vernichtungslager nach Auschwitz. Der Künstler und seine Frau fanden bald darauf den Tod. Zwar überdauerten Frittas Bilder, wurden aber bis heute selten im Original gezeigt. Dem Jüdischen Museum hatte Frittas Sohn Tomas, der das Ghetto als Kleinkind überlebte, die über 100 großformatigen Tuschezeichnungen und Skizzen vor rund zehn Jahren als Dauerleihgabe anvertraut. Allerdings zeigte das Museum davon nur einige ausgewählte Skizzen in seiner Dauerausstellung. Vor kurzem wurden die großformatigen Tuschezeichnungen restauriert und sind nun Gegenstand der Ausstellung.

Die meisten werden ermordet

Nach der Einweisung ins Ghetto Theresienstadt hatte die Kommandantur Frittas Talent erkannt. Sie machte ihn zum Leiter des Zeichenbüros. Der Auftrag: Propaganda-Bilder und Baupläne von Aufbauarbeiten zeichnen, die das Ghetto als reibungslos funktionierende und unter Selbstverwaltung stehende Siedlung präsentierten. Die SS wollte der Weltöffentlichkeit vorgaukeln, dass zwischen den Festungsmauern der alten Garnisonsstadt eine jüdische Mustersiedlung entstünde.

Doch heimlich hielten Fritta und seine Künstlerkollegen wie der deutsche Jude Leo Haas fest, was sie tatsächlich sahen: Hungernde, Todestransporte, Hoffnungslosigkeit. Theresienstadt war entgegen der NS-Propaganda wie andere Ghettos und Lager auch eine Hölle. Ursprünglich angelegt für 7.500 Bewohner, kämpften hier bald bis zu 60.000 Juden aus vielen Teilen Europas gleichzeitig ums Überleben. Historiker schätzen, dass zwischen 1941 und 1945 über 150.000 Menschen interniert waren. Den Großteil ermordete die SS in Vernichtungslagern. Viele andere verhungerten im Ghetto oder starben an Krankheit und Gewalt.

Das Ghetto als Triumph des Todes

Zwischen all dem Elend zeigt Fritta immer wieder Momente der Menschlichkeit. So auch Ghetto-Bewohner, die sich eine Variete-Aufführung von Akrobaten anschauen. Denn in das "Vorzeigeghetto" Theresienstadt verschleppten die Deutschen zahlreiche jüdische Künstler, die ein vielfältiges Kulturleben aufrechterhielten.

"Fritta nutzte Stilmittel der Karikatur, des Expressionismus und des Symbolismus, um die groteske Scheinwirklichkeit einer angeblichen jüdischen Mustersiedlung in aller Schärfe bloß zu stellen", erklärt Ausstellungskurator Denis Grünemeier. Statt als Mustersiedlung zeigt Fritta das Ghetto als Triumph des Todes. Schlaglichter und Schatten setzen filmartig die gespensterhaften Gestalten in Szene. Kein anderer Künstler, so der Kurator, brachte einen derart intensiven künstlerischen Willen mitten im Grauen des Ghettos zum Ausdruck.

Die Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin ist bis zum 25. August täglich von 10.00 bis 20.00 Uhr, montags auch bis 22.00 Uhr, zu besichtigen.

Markus Huth
(KNA)

Mit Willibert in die Heilige Stadt

Im November 2019 ist es soweit: Erkunden Sie das ehrwürdige Rom auf dieser Pilgereise mit dem Rom-Kenner Willibert Pauels, Karnevalsfreunden und DOMRADIO.DE Besuchern auch bekannt als "ne Bergische Jung"!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 21.08.
06:00 - 06:30 Uhr

DOMRADIO Morgenimpuls

06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Nachgefragt: Wie bereitet man eine Messe vor?
  • Weltfamilientreffen in Dublin: "Das Evangelium der Familie – Freude für die Welt"
  • DOMRADIO.DE macht Lust auf Urlaub: Allein auf Weltreise
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Dramatischer Lehrermangel - Was nun?
  • Neues Buch: Die Frauen im Markusevangelium
  • Hornissen - Wie gefährlich sind sie wirklich?
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Dramatischer Lehrermangel - Was nun?
  • Neues Buch: Die Frauen im Markusevangelium
  • Hornissen - Wie gefährlich sind sie wirklich?
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Kirche auf der 10. Gamescom
  • "Youcat for Kids" - Neuer Kinder- und Elternkatechismus
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Kirche auf der 10. Gamescom
  • "Youcat for Kids" - Neuer Kinder- und Elternkatechismus
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Programmtipps

  • Matthäusevangelium
    22.08.2018 07:50
    Evangelium

    Mt 20,1-16a

  • Am 22. August 1864 wird die erste Genfer Konvention unterzeichnet
    22.08.2018 09:20
    Anno Domini

    Anno Domini: Verabschiedung de...

  • Matthäusevangelium
    23.08.2018 07:50
    Evangelium

    Mt 22,1-14

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag ab 8 Uhr!

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen