Nina Hoss in Hedda Gabler
Nina Hoss in Hedda Gabler

30.04.2013

Reigen der Theater-Festivals in NRW beginnt Saison der Theatertreffen an Rhein und Ruhr

Traditionell am 1. Mai beginnt auch in diesem Jahr wieder mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen der Reigen der bedeutenden Theater-Festivals in Nordrhein-Westfalen.

In seiner 67. Spielzeit greift das Festival auf Autoren der Moderne zurück und zeigt, dass die Themen von vor hundert Jahren heute wieder da sind. "Die sozialen Unterschiede, die überwunden schienen, die Angst, aber auch wieder der eitle Glamour der Satten", formulierte es der Intendant der Ruhrfestspiele, Frank Hoffmann, vor dem Start des bis zum 16. Juni dauernden Festivals.

"Aufbruch und Utopie" lautet das Motto der diesjährigen Ruhrfestspiele, und sie präsentieren wegweisende Autoren aus der Zeit der Moderne: Unter anderem Henrik Ibsen, Gerhart Hauptmann und Ödön von Horváth. Zum Auftakt ist die Schauspielerin Nina Hoss in der Produktion des Deutschen Theaters Berlin Ibsens "Hedda Gabler" zu sehen.

Das Festival glänzt mit großen Mimen wie Birgit Minichmayr, Angela Winkler, Hannelore Hoger, Wolfram Koch, Josef Bierbichler, Samuel Finzi, Constanze Becker und die international berühmte Charlotte Rampling. Sie spielen in Stücken wie "Rose Bernd" von Hauptmann, "Frühlings Erwachen" von Frank Wedekind, "Geschichten aus dem Wienerwald" von Horváth oder "Der Tod in Venedig" nach Thomas Mann.

Ruhrfestspiele: Zahllose Theater-Juwelen

Zahllose Theater-Juwelen finden sich im diesjährigen Programm der Ruhrfestspiele. Vom 11. bis 31. Mai finden in Mülheim an der Ruhr die 38. Mülheimer Theatertage als Festival der deutschsprachigen Gegenwartsdramatik statt. Insgesamt acht aktuelle Stücke konkurrieren um den mit 15.000 Euro dotierten Mülheimer Dramatikerpreis 2013.

Elfriede Jelineks Stück "FaustIn and out" in der Version des Schauspielhauses Zürich und das Stück "Du hast gewackelt. Requiem für ein liebes Kind" von Franz Xaver Kroetz in der Fassung des Münchner Residenztheaters zählen zu den nominierten Stücken. Beide beschäftigen sich mit dem Thema Kindesmissbrauch. Auch Katja Brunners Stück "Von den Beinen zu kurz" in der Version des Schauspiels Hannover zählt zu den Stücken, in denen es um Kindesmissbrauch geht.

Bewertet werden die neuen Stücke, nicht die Inszenierungen. Eingerahmt wird das Festival von einem Fest, einer internationalen Übersetzerwerkstatt, den mit 10.000 Euro dotierten "Kinderstücken", einem Symposium, Publikumsgesprächen und einem undotierten Publikumspreis. Um den Mülheimer Kinderstücke-Preis 2013 konkurrieren fünf Autoren. Die "Kinder-Stücke" finden vom 13. bis 17. Mai statt.

Die Jury nominierte unter anderem "Die Geschichte vom Löwen, der nicht bis 3 zählen konnte" von Martin Baltscheit und "Nach Toronto! oder Meine Mutter heiratet deinen Vater" von Heike Falkenberg.

Shakespeare-Festival in Neuss

Zum diesjährigen Internationalen Shakespeare-Festival im rheinischen Neuss reist sogar ein Ensemble aus Georgien an. Wie Kulturreferent Rainer Wiertz als Festivalleiter erklärt, bringt das staatliche Schauspieltheater Kote Marjanishvili aus der georgischen Hauptstadt Tiflis am 15. und 16. Juni das Stück "As you like it" im Nachbau des Londoner Globe-Theaters auf die Bühne. Vom 13. Juni bis zum 13. Juli gibt es in Neuss insgesamt zwölf Stücke zu sehen.

Zum Auftakt kommt die Schauspielerin Senta Berger ins Globe-Theater. Sie wird unter dem Titel "With Shakespeare in Love" von Musikern begleitet eine Auswahl der geheimnisvollen Sonette vortragen, in denen William Shakespeare die "Dark Lady" besingt.

Außerdem reisen zur inzwischen 23. Ausgabe des Festivals Theatergruppen aus China, England und mehreren deutschen Städten an. Das NRW-Theatertreffen ist ebenfalls seit Jahren ein Klassiker im Festival-Bühnen-Programm. In diesem Jahr findet es vom 26. bis zum 30. Juni am Theater Bielefeld statt. Zu sehen sind herausragende Inszenierungen der laufenden Spielzeit an den Bühnen von Rhein und Ruhr, wie Theaterintendant Michael Heicks erklärt. Jedes der 19 nordrhein-westfälischen Stadt- und Landestheater hat eine Inszenierung vorgeschlagen.

Unter dem Titel "Ostwärts" gibt es unter anderem die Produktionen "Der zerbrochene Krug" des Düsseldorfer Schauspielhauses, "Rote Erde" vom Schauspielhaus Essen, "Hiob" vom Rheinischen Landestheater Neuss und "Draußen vor der Tür" vom Bochumer Schauspielhaus zu sehen.

Impulse Theater Biennale

Das Festival freier Produktionen, die "Impulse Theater Biennale 2013", findet vom 27. Juni bis zum 7. Juli in Bochum, Düsseldorf, Köln und Mülheim/Ruhr statt. Präsentiert werden diesmal herausragende freie Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Gesamtetat für das Festival liegt bei etwa 750.000 Euro. Erstmals wird es einen thematischen Fokus geben, wie die Veranstalter ankündigten. Unter dem Titel "Under the Influence" (Unter dem Einfluss) wird die Bedeutung von kulturellen Identitäten untersucht. Schließlich präsentiert sich vom 23. August bis zum 6. Oktober die diesjährige Ruhrtriennale als "Gipfeltreffen der Künste". Tanz und Bildende Kunst stehen im Fokus des diesjährigen, international renommierten Festivals, das insgesamt mehr als 150 Veranstaltungen an Orte der Industriekultur in Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen und Gladbeck bringt. Sowohl zur Eröffnung als auch zum Abschluss setzt Triennale-Intendant Heiner Goebbels Akzente durch Musiktheater-Produktionen.

Zum Auftakt inszeniert er Harry Partchs "Delusion of the Fury", etwa "Wahn des Zorns", in der Bochumer Jahrhunderthalle. Das Finale bildet Romeo Casteluccis Version von Igor Strawinskys "Le Sacre du Printemps" (Frühlingsopfer), ebenfalls in der Jahrhunderthalle.

Insgesamt sind rund 800 internationale Künstler und Künstlerinnen unter anderem aus Deutschland, Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Estland, Frankreich, Spanien und den Vereinigten Staaten eingeladen.

 

Andreas Rehnolt
(epd)

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