Die roten Schuhe von Papst em. Benedikt XVI.
Für eine Kolpingaktion: Die roten Schuhe von Papst em. Benedikt XVI.
Thomas Dörflinger
Thomas Dörflinger
Kolpingtag 2015
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Kolping-Tag
Kolping-Tag 2015
Porträt von Adolph Kolping
Porträt von Adolph Kolping

16.11.2018 - 00:00

Bundesvorsitzender des Kolpingwerks zieht Bilanz der Amtszeit Und dann waren die Schuhe des Fischers da...

Nach 14 Jahren hört der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Dörflinger als Kolping-Bundesvorsitzender auf. Im Interview spricht er über Gründer Adolph Kolping, seine Erfahrungen mit der Kolpingfamilie und ein Paar rote Schuhe.

DOMRADIO.DE: Warum wollen Sie Ihr als Bundesvorstand nicht weitermachen?

Thomas Dörflinger (Bundesvorsitzender des Kolpingwerks Deutschland): Zwischen wollen, dürfen und können gibt es einen kleinen Unterschied. Das Kolpingwerk Deutschland hat bei der letzten Satzungsreform vor einigen Jahren eine Amtszeitbegrenzung in die Satzung eingefügt. Die bedeutet, dass man zweimal im gleichen Amt wiedergewählt werden darf. Und getreu dieser Satzungsbestimmung steht jetzt für mich das Ende an.

DOMRADIO.DE: Sie waren 14 Jahre lang Bundesvorsitzender des Kolpingwerks. Was ist Ihre bewegendste Erinnerung aus dieser doch ziemlich langen Zeit?

Dörflinger: Es gibt eine ganze Reihe von bewegenden Erinnerungen. Aber die bewegendste war sicherlich der Kolpingtag 2015 hier in Köln mit 15.000 Gästen aus Deutschland und dem angrenzenden Ausland - auch außerhalb von Europa. Das war ein Erlebnis, das eigentlich nicht zu toppen war.

DOMRADIO.DE: Sie haben mal die roten Schuhe des Papstes geschenkt bekommen. Was haben Sie eigentlich damit gemacht?

Dörflinger: Die roten Schuhe des Papstes waren gedacht als Auftaktveranstaltung für unsere Schuh-Aktion, die jetzt schon seit einigen Jahren jedes Jahr zum Kolping-Gedenktag von den Kolpingfamilien in ganz Deutschland durchgeführt wird. Ich hatte die zugegebenermaßen ungewöhnliche Idee, die roten Schuhe von Benedikt XVI. haben zu wollen. Ich habe dann seinen Privatsekretär, Erzbischof Georg Gänswein, der aus meinem früheren Wahlkreis im Südschwarzwald stammt, angeschrieben und die Bitte geäußert, ob er möglicherweise für diese Schuhe sorgen könne. Dann dauerte es einige Zeit. Dann kam zunächst eine E-Mail von Erzbischof Gänswein und ein paar Tage später das Päckchen. Ich war wegen der Sitzungswoche des Bundestages in Berlin. Meine Frau schickte eine Benachrichtigung und da drin stand: "Die Schuhe des Fischers sind da!".

DOMRADIO.DE: Sie waren lange Zeit der Bundesvorstand des Kolpingwerks. Haben Sie eine persönliche Verbindung zu Adolph Kolping, dem Gründervater?

Dörflinger: Die habe ich mittlerweile entwickelt. Ich kann von mir nicht sagen, dass ich mit 13 Jahren, als ich der Kolpingfamilie Tiengen beigetreten bin, schon eine persönliche Beziehung zu Adolph Kolping gehabt hätte. So etwas entwickelt sich mit der Zeit durch die Arbeit in der örtlichen Gemeinschaft, durch das Erleben des Verbandes und durch die Besuche in Köln in der Minoritenkirche. Über viele Jahre ist es also gewachsen.

DOMRADIO.DE: Und was ist da gewachsen? Was ist Adolph Kolping heute für Sie?

Dörflinger: Er ist ein Ratgeber im besten Wortsinn. Mit dem, was er vor über 150 Jahren aufgeschrieben hat - was sich zugegebenermaßen auf die Situation damals bezogen hat - hat er uns gleichzeitig eine Gebrauchsanweisung für das politische und gesellschaftliche Handeln heute gegeben.

DOMRADIO.DE: Wenn Sie jetzt Bilanz ihrer 14 Jahre als Bundesvorsitzender des Kolpingwerks ziehen, haben Sie dann erreicht, was sie sich vorgenommen hatten?

Dörflinger: Meine Ansprüche damals waren zugegebenermaßen sehr gering. Denn ich hatte - offen eingestanden - zwar eine Ahnung von meiner Kolpingfamilie und eine Ahnung von Adolph Kolping, aber bei Licht betrachtet: Eine Ahnung vom Kolpingwerk als Verband hatte ich nicht. Die entwickelte ich in den ersten Jahren zusammen mit vielen anderen Kolleginnen und Kollegen in den Vorstandsgremien. Insofern ist das, was wir uns damals vorgenommen hatten, wovon auch - offen eingestanden - das wenigste auf meinem Mist gewachsen ist, schon eine ganze Menge gewesen, was wir angestoßen haben: der Kolpingtag, die Engagiertentreffen oder der Umbau des Kolpingblattes zum Kolpingmagazin waren einige von vielen Vorhaben, die den Verband schon ein bisschen umgekrempelt haben.

DOMRADIO.DE: Sie haben ja auch für die CDU fast 20 Jahre lang im Bundestag gesessen. Das tun sie auch nicht mehr. Wie geht es denn jetzt für Sie weiter? Sie sind erst 53 Jahre alt. An vorzeitigen Ruhestand denken Sie ja vermutlich nicht, oder?

Dörflinger: Nein, dafür ist es offen eingestanden noch ein bisschen arg früh. Der Abschied aus dem Deutschen Bundestag und aus der Politik geschah im vergangenen Jahr sehr bewusst, weil ich sagte, nach 19 Jahren sei es im Wahlkreis auch mal Zeit für ein neues Gesicht. Es gab dann auch die ein oder andere Abnutzungserscheinung, die den Wechsel notwendig machte. Die Entscheidung, anschließend ab diesem Jahr mit einer eigenen kleinen Beratungsfirma in die Selbstständigkeit zu gehen, baue ich immer noch auf. Das wird meine Energie in den nächsten Monaten fordern.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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