Domdechant Msgr. Robert Kleine hat biografisch bedingt eine enge Beziehung zu den Heiligen Drei Königen
Domdechant Msgr. Robert Kleine hat biografisch bedingt eine enge Beziehung zu den Heiligen Drei Königen
Domdechant Robert Kleine zelebriert in der Marienkapelle mit dem Altar der Stadtpatrone und den Heiligen Drei Königen im Rücken.
Domdechant Robert Kleine zelebriert in der Marienkapelle mit dem Altar der Stadtpatrone und den Heiligen Drei Königen im Rücken.
Msgr. Robert Kleine hat sich bei Dienstantritt  vor 15 Jahren im Dom sofort heimisch gefühlt.
Msgr. Robert Kleine hat sich bei Dienstantritt vor 15 Jahren im Dom sofort heimisch gefühlt.
Domdechant Kleine ist jedes Jahr hauptverantwortlich für die Dreikönigswallfahrt Ende September.
Domdechant Kleine ist jedes Jahr hauptverantwortlich für die Dreikönigswallfahrt Ende September.

31.07.2021

Domdechant Kleine verrät seinen Lieblingsort im Kölner Dom "Für Sternstunden zu sorgen ist unser Auftrag"

Jeder, der im oder am Dom arbeitet, betrachtet Kölns Kathedrale aus seiner ganz persönlichen Perspektive. Und er entwickelt oft eine besondere Vorliebe für einen bestimmten Platz. Für Domdechant Robert Kleine ist das der Dreikönigenschrein.

Dritthöchste Kirche der Welt, meistbesuchte Sehenswürdigkeit Deutschlands, Weltkulturerbe und Werbe-Ikone, Wallfahrtsstätte und Touristenmagnet, als Meisterwerk vollendeter Gotik gerühmt und doch bis heute ewige Baustelle. Wenn man vom Kölner Dom spricht, geht das nur in Superlativen. Und das, weil er wie eine Art monumentales Reliquiar aus Stein den kostbaren Schrein mit den Gebeinen der Heiligen Drei Könige beherbergt, dieser in seiner goldenen Pracht und künstlerischen Einmaligkeit so etwas wie die "Herzkammer" der Kathedrale, des Erzbistums, aber auch aller Kölner und der ganzen Stadt ist.

Einer, dessen Biografie schon immer eng mit den berühmten Drei Weisen aus dem Morgenland verknüpft war, ist der Kölner Domdechant Monsignore Robert Kleine. "Groß geworden in der Neusser Dreikönigspfarrei, hatte ich von klein an in meiner Heimatkirche immer die drei großen Kronen vorne auf den Wänden zwischen den Thorn-Prikker-Fenstern mit den Königen im Blick", erinnert er sich. "Die Geschichte von Caspar, Melchior und Balthasar begleitet mich von daher schon mein ganzes Leben und hat stets meine Phantasie beflügelt. Kein Wunder, dass ich mich hier im Kölner Dom, wo sie im Zentrum stehen, sofort heimisch gefühlt habe. Da ist doch klar, dass der Dreikönigenschrein der Ort im Dom ist, wo ich heute am liebsten stehe."

Im Dom kreuzen sich die Wege unterschiedlichster Menschen

Erst ist es 1993 die Priesterweihe im Kölner Dom, dann 1997 die Beauftragung als Domvikar und gleichzeitig als Schulseelsorger an der Kölner Domsingschule, zuletzt im Jahr 2012 die Aufgabe des Domdechanten, die den Seelsorger in einen intensiven Kontakt mit der Quelle mittelalterlicher Heiligenverehrung bringt, als die der Dom ab dem 13. Jahrhundert an gilt. Was Kleine bald zu einem erklärten Experten beim Thema "Pilgerwesen" qualifiziert, aber auch zu einem leidenschaftlichen Initiator und Motivator, wenn es darum geht, die Heiligen Drei Könige und ihre Botschaft mehr und mehr im Bewusstsein der vielen Millionen Menschen zu verankern, die tagaus tagein den Dom besuchen.

Auch wenn manche nur für einen kurzen Moment des Innehaltens kommen und die meisten aus Neugier oder kulturellem Interesse – hier kreuzen sich viele Wege: die von Touristen und Betern, Straßenkünstlern, Berufspendlern und Obdachlosen, von Einkaufsbummlern und Schulausflüglern, von Menschen aller Generationen, Hautfarben und Kulturen. Und sie alle sollen, ginge es nach der Vorstellung Kleines, eine ähnliche Erfahrung machen wie die Sterndeuter vor 2000 Jahren im Stall von Bethlehem: um reicher beschenkt nach Hause zu fahren, als sie gekommen sind.

Die Heiligen Drei Könige nicht nur weihnachtliche Figuren

Seit 2006, dem Jahr nach dem Weltjugendtag in Köln, in dem die Idee zu einer Wiederbelebung der einstigen Domwallfahrt entsteht, ist der 54-Jährige mitverantwortlich für deren inhaltliche Gestaltung. Inzwischen liegt die Vorbereitung zu diesem alljährlichen Großereignis maßgeblich in seinen Händen. Kleine ist es auch, der vor zwei Jahren eine neue Namensgebung forciert hat, denn der Begriff "Dreikönigswallfahrt" soll einmal mehr auf die Bedeutung des Doms als Wallfahrtskirche abzielen.

"Im Domkapitel wollten wir diesen besonderen Schatz, die Heiligen Drei Könige, um deretwillen diese Kathedrale ab 1248 erbaut wurde, mehr herauskristallisieren. Denn sie sind der Anlass für unseren diözesanen Pilgerweg, bei dem wir Jahr für Jahr unter dem Schrein durchziehen. Sie sind es auch, die auf Jesus Christus verweisen und von daher nicht nur als weihnachtliche Figuren gelten, sondern als ‚Wegweiser’ das ganze Jahr über dazu auffordern, es ihnen gleich zu tun und Gott im eigenen Leben zu finden", betont der Theologe. Heilige seien nicht Selbstzweck. "Wir nehmen sie uns zum Vorbild und stellen uns bei ihrer Verehrung in eine jahrhundertealte Tradition."

Domdechant Kleine: Eine Haltung der Demut tut not

Bei früheren Besuchen – als Student und angehender Priester – sei der Dom mit diesem besonderen Schrein für ihn stets ein Sehnsuchtsort gewesen. "Heute feiere ich hier fast täglich die Eucharistie." Diese gewohnheitsgemäße Selbstverständlichkeit empfindet Kleine als glückliche Fügung – ja mehr noch: als unverhofftes Geschenk. "Wie oft komme ich an diesem Schrein vorbei, und immer geht mir dann durch den Kopf, dass die Heiligen Drei Könige nach etwas gesucht haben, das ihr Leben mit einem Mal total verändert hat, und sie, ganz erfüllt von der göttlichen Begegnung an der Krippe, auf einem anderen Weg – nicht auf den gewohnten ausgetretenen Pfaden – nach Hause zurückkehren. Ihre Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe haben sie gegen etwas weitaus Kostbareres eingetauscht und so viel mehr dafür zurückzubekommen."

Schließlich, so verrät der Stellvertreter des Dompropstes, habe er noch einen zweiten Lieblingsort im Dom: den Lochner-Altar in der Marienkapelle. Aber nur, weil auch der sein bevorzugtes Motiv zeigt und er hier noch ein ganzes Stück näher dran ist an "seinen" Heiligen. "Mit den drei Magiern im Rücken zu zelebrieren – das macht etwas mit einem. Diese Komposition nimmt mich einfach für sich ein. Da knien diese drei Fremden aus einem fernen Land, denen keine Mühe zu viel, keine Reise zu lang ist. Sie huldigen einem neugeborenen Kind, nachdem sie sich auf einen beschwerlichen Weg gemacht haben und einem Stern gefolgt sind, um einem noch größeren König zu dienen." Darin komme zum Ausdruck, was auch aktuell an Haltung in der Kirche not tue: Demut und Verehrung.

Die Heiligen Drei Könige ermutigen zum Aufbruch

Ob die Reliquien wirklich echt sind? Diese Frage höre er oft. "Es gibt eine weit über tausendjährige Verehrung der Reliquien. Das spricht für ihre Echtheit. Aber wichtig ist allein, was wir mit diesen sterblichen Überresten verbinden, was sie uns bedeuten und woran wir glauben", erklärt der Domdechant. Für ihn verkörpere dieser Schrein so oder so die Geschichte dieses hell aufstrahlenden Sterns, dem die Menschen damals bis nach Bethlehem gefolgt seien. "Dieser Schrein ist ein Symbol dafür. Er erinnert daran, dass Gott Mensch geworden ist." Dafür hätten die Heiligen Drei Könige alles stehen und liegen gelassen. "Sie wollten den wahren Herrscher der Welt finden, um ihn anzubeten; eine Szene, die die Goldschmiedekünstler um Nikolaus von Verdun ganz wunderbar veranschaulichen."

Die Sterndeuter aus dem Osten hätten erwartungsvoll nach oben zum Himmel geschaut, um sich von dort aus leiten zu lassen, interpretiert Kleine die kurze Sequenz aus dem Matthäus-Evangelium, in der es – wie auch im Wallfahrtslied des Domes – heißt: Wir haben seinen Stern gesehen und sind gekommen, ihn anzubeten. "Die Drei sind aufgebrochen, weil sie eine Vision hatten." Und das sei doch der entscheidende Punkt. "Diese Heiligen sind für alle Generationen nach ihnen – auch für uns heute noch – Ermutigung, sich nicht bequem im eigenen Leben einzurichten, sondern sich auf den Weg zu machen und – in Gemeinschaft – auch mal etwas Neues zu wagen", unterstreicht der Domdechant.

Dieser Aufbruch nach Bethlehem sei ihre ganz persönliche "Sternstunde" gewesen. "Denn als sie den Stern sahen, heißt es in der Bibel dazu, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Als Priester ist es unser Auftrag, für solche Sternstunden auch heute immer wieder zu sorgen, damit Menschen nach Jesus Christus in ihrem Leben suchen." Er sei gewiss, so Kleine, wer sich auf die Suche nach ihm mache, werde ihn auch finden.

Beatrice Tomasetti
(DR)

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