Lux in Tenebris
Lux in Tenebris
Als digitale Projektion sind die Sängerinnen und Sänger der Domkantorei Köln anwesend
Als digitale Projektion sind die Sängerinnen und Sänger der Domkantorei Köln anwesend
Die Sängerinnen und Sänger als "lebendige Steine"
Die Sängerinnen und Sänger als "lebendige Steine"
Der Dom bleibt leer
Der Dom bleibt leer
Winfried Krane dirigiert die virtuelle Domkantorei Köln
Winfried Krane dirigiert die virtuelle Domkantorei Köln

08.05.2020

Trotz Absage des Friedensoratoriums "Lux in tenebris" im Kölner Dom "Lebendige Steine" gedenken dem Kriegsende

Wegen der Corona-Krise ist die Aufführung des Oratoriums "Lux in tenebris" abgesagt worden, aber ein Video auf Initiative der Domkantorei Köln schafft eine Erinnerung – sowohl an die Musik von Helge Burggrabe als auch an die Schrecken des Krieges.

Erhaben hallt das "Lux" in einem sich aufbauenden g-moll Akkord durch die Architektur des Kölner Doms. Die hohen Tenöre singen darüber unisono "in tenebris, tenebris", kurze Zeit später die hohen Alt Stimmen. Winfried Krane steht auf dem Chorpodest und dirigiert. Aber es sind keine Sängerinnen und Sänger anwesend, der Leiter der Kölner Domkantorei gibt seine Einsätze ins Nichts. Nur eine rote Kerze steht vor ihm am Rande des Chorpodestes. Während Krane kurz darauf im Dunkel verschwindet, leuchtet die Kerze weiterhin, als das Bild eines im Krieg zerstörten Seitenaltars im Dom erscheint. Was passiert hier?

Die Chorklänge gehören zum Oratorium "Lux in tenebris" von Helge Burggrabe (hier im Interview zum Projekt). Dieses "Friedensoratorium" verbindet biblische Erzählungen mit modernen Texten. Am 8. Mai sollte es anlässlich des 75. Jahrestages des Ende des 2. Weltkrieges im Kölner Dom aufgeführt werden. "Die Oberbürgermeisterin wäre mit dabei gewesen und es wäre dann also das offizielle Gedenken auch der Stadt Köln gewesen." sagt Domdechant Robert Kleine, der im Namen des Kölner Domkapitels diese Gedenkveranstaltung ins Leben gerufen hat. Etwa 150 Künstler in 4 Chorgruppen hätten zusammen mit einem Streicher- und Bläserensemble, Schlagwerk und 4 Solisten diesem Jubiläum des "Tages der Befreiung" im Kölner Dom einen würdigen Rahmen gegeben.

Initiative aus der Domkantorei

Wegen der bekannten Beschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie ist auch diese Aufführung bereits Mitte März abgesagt worden. "Das war dann zunächst mal ein kleiner Schock, dass alles, worauf wir uns vorbereitet haben für Wochen und Monate, zu ende sein sollte.", ärgert sich Winfried Krane, der die musikalische Leitung des Projektes übernommen hat. "Diese Nummer 17, die namensgebend ist für das Oratorium, ist mir seit unserer letzten Probe immer noch im Kopf rumgegangen. Und ich hab’ mir gedacht, es wäre doch schön, wenn wir dieses eine Stück vielleicht so zusammen kriegen könnten, wie man das bei anderen Chören sieht." sagt Jennifer Hülsberg. Sie ist Gründungsmitglied der Domkantorei und singt dort im Alt. Und so war die Idee geboren, dieses Stück als Video einzusingen.

Korrepetitor George Warren hat alle Stimmen am Klavier als Vorlage für die einzelnen Sängerinnen und Sänger eingespielt, die dann dazu mit ihrem Smartphone ein Video ihres Gesangs aufgenommen haben. Entstanden ist daraus ein Film, der einen anderen Ansatz wählt, als die im Internet bekannten Chorfilme in Corona-Zeiten. Die Sängerinnen und Sänger, die nicht physisch dabei sein können, werden digital auf die verschiedenen Mauern im Dom projiziert und so zu "lebendigen Steinen" wie Robert Kleine treffend bemerkt. Das Leitmotiv "Licht im Dunkel" (Lux in tenebris) wird anhand von Fotos des zerstörten und des wiederaufgebauten Doms in verschiedenen Lichtstimmungen kombiniert.

Zerstörung und Leid nicht nur in Köln

Dabei steht hier der Kölner Dom aber nur stellvertretend für das Dunkel und die Zerstörung, die der Zweite Weltkrieg gebracht hat. "Man muss sich klarmachen, dass wir Deutschen die Aggressoren waren, die all das Leid in so vielen Städten Europas wie etwa Rotterdam oder Coventry verursacht haben. Besonders dafür steht dieses Projekt." stellt Winfried Krane klar.

Domdechant Robert Kleine freut sich, dass nach der Absage der Aufführung nun doch noch ein Stück des Werkes und der Idee dahinter für diesen wichtigen Gedenktag erhalten werden konnte: "Das ist ein wunderbares Zeichen, dass gerade dieses ‚Lux in tenebris‘ in diesem Video bebildert noch einmal in Erinnerung ruft: Was war vor 75 Jahren und was ist daraus geworden - mit den aktuellen Bildern - und was für einen Auftrag haben wir, nach dem Motto: Nie wieder darf so etwas passieren, was zum Krieg geführt hat!"

Aufführung im kommenden Jahr

Den beteiligten Sängerinnen und Sängern der Domkantorei hat es in jedem Fall viel Freude gemacht, diese ungewohnte Herausforderung anzunehmen. Denn diese Aufführung wäre zugleich auch das Hauptprojekt zum 25-jährigen Bestehen des Ensembles gewesen. Die digitale Version ist nun auch zumindest ein kleiner Ersatz dafür. Ob der Chor sein Jubiläum wie geplant mit Beethovens C-Dur Messe im November ganz analog feiern kann, bleibt leider noch abzuwarten. Aber das Oratorium "Lux in tenebris" wird im kommenden Jahr am 8. Mai doch noch aufgeführt. Dann eben zum 76. Jahrestag.

Marcel Buckan
(DR)

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