Arnold Wolff vor dem Kölner Dom, 1998
Arnold Wolff vor dem Kölner Dom, 1998
Kölner Ex-Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner
Kölner Ex-Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner

28.12.2019

Früherer Dombaumeister Arnold Wolff ist tot "Ein kleiner Mann, der sich voll für den Dom einsetzte"

Prof. Dr. Arnold Wolff ist am Heiligen Abend im Alter von 87 Jahren gestorben. Von 1972 bis Anfang 1999 war er Kölner Dombaumeister. Im Interview erzählt seine Nachfolgerin, Prof. Barbara Schock-Werner, von einer fast einmaligen Persönlichkeit.

DOMRADIO.DE: Wie hat Sie die Nachricht vom Tod Professor Wolffs erreicht?

Prof. Barbara Schock-Werner (ehemalige Kölner Dombaumeisterin): Auf zwei Wegen. Über Peter Füssenich, dem jetzigen Dombaumeister, und über Pfarrer Meiering, den die Kinder offenbar direkt angerufen haben.

DOMRADIO.DE: Wie haben Sie die Nachricht aufgenommen?

Schock-Werner: Professor Wolff war sehr lange krank. Insofern war das jetzt kein furchtbares Erschrecken, wie man das in solchen Fällen sagt. Vielleicht war es eine Erlösung, man weiß es nicht nach so langer Krankheit.

DOMRADIO.DE: Was schätzten Sie besonders an Professor Wolff?

Schock-Werner: Professor Wolff war eine fast einmalige Persönlichkeit. Ein kleiner, zierlicher Mann, aber voller Energie, die er voll für den Dom einsetzte. Kein Termin zu schwierig. Er arbeitete sich in die Geschichte ein, war aber für Innovationen ständig offen.

Er hat die Dombauhütte ganz entschieden geprägt, indem er die heute noch benutzten Werkstätten eingerichtet hat, die als vorbildlich galten und gelten. Ihm verdankt die Glasrestaurierungswerkstatt, die weltweit einen Ruf hat, ihre Existenz. Er sorgte auch dafür, dass die Ausgrabungen für die Besucher zugänglich gemacht wurden. Ihm lag neben der Erforschung auch die Öffentlichkeitsarbeit sehr am Herzen.

Legendär sind seine 15 öffentlichen Vorträge, die er im Sommer 1998 vom Balkon des Domforums gehalten hat, bei denen oft mehr als tausend Leute davorsaßen und -standen und fasziniert zuhörten. Ich kenne heute noch Leute, die von diesen Vorträgen schwärmen.

DOMRADIO.DE: Sie haben das Amt als Dombaumeister 1999 von ihm übernommen, als erste Frau waren Sie in diesem Amt. Das war ein Riesenthema in der Öffentlichkeit. Wie hat er Sie damals in dieses Amt eingeführt?

Schock-Werner: Wie alles bei ihm: sehr menschlich und sehr professionell gleicherweise. Wir haben ja ein halbes Jahr zusammengearbeitet, er hat mir alles erklärt und dabei immer gesagt: "Ich habe das so und so gemacht aus den und den Gründen. Du kannst es aber auch ganz anders machen." Er hat nicht erwartet, dass ich alles genauso mache, er hat mir immer den Freiraum geschaffen, es auch anders zu tun. Und das war sehr gut, denn viele, die aus einem Amt scheiden, erwarten ja, dass es genauso bleibt, wie sie es geprägt haben.

DOMRADIO.DE: Was haben Sie bei ihm als Mensch am meisten geschätzt?

Schock-Werner: Faszinierend war für mich wie für alle, heute würde man sagen, seine große Festplatte, was er alles wusste, was er im Gehirn hatte. Jahreszahlen aus allen Bereichen, vom Dom sowieso. Da wusste er jede Kleinigkeit und jede Zahl. Er hatte ja ein unglaubliches Fachwissen, weil er sehr viel las, dann aber auch speichern und erzählerisch wiedergeben konnte. Damit hat er, glaube ich, alle Leute fasziniert.

DOMRADIO.DE: Zu seinem 70. Geburtstag 2002 wurde Wolff durch ein besonderes Geschenk geehrt. In Anspielung auf seinen Namen bekam ein Wasserspeier am Kölner Dom einen Wolf in die Pranken gedrückt - das ist ein mittelalterliches Bauwerkwerkzeug. Wo kann man denn sehen?

Schock-Werner: Der Wasserspeier ist ein Wolf, der eine Fliege trägt und einen Wolf in der Hand hat. Das sind also drei Anspielungen auf Arnold Wolff. Der Wasserspeier ist am Nordquerhaus, im Grunde auf der Nordseite des Domes angebracht. Für das Publikum ist der aber nicht so ohne weiteres einsehbar.

DOMRADIO.DE: Der Kölner Dombau-Verein gehört zum Kölner Dom dazu, auch da war Professor Arnold Wolff extrem akribisch und rührig.

Schock-Werner: Zusammen mit dem damaligen Präsidenten des Dombau-Vereins, Karl-Heinz Lang, hat er durch seine exquisite Öffentlichkeitsarbeit und seine vielen Vorträge dafür gesorgt, dass die Mitgliederzahl ungeheuer angestiegen ist. Das war der erste große Schub, den Arnold Wolff und Karl-Heinz Lang zusammen geschaffen haben.

DOMRADIO.DE: Was bleibt bei Ihnen am meisten von dem großen Dombaumeister und Menschen Arnold Wolff?

Schock-Werner: Das eine ist sein faszinierendes Wissen und das andere ist die Energie, mit der er immer um den Dom ging. Ich weiß, als ich zum ersten Mal mit ihm eine Wendeltreppe runterging und er raste vor mir wie ein Quirl diese Treppe nach unten. Da dachte ich, du kannst dich jetzt nicht von deinem Vorgänger abhängen lassen und arbeitete mich hinterher.

Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ein bisschen Übung dabei ist. Die Mitarbeiter sagten schon gleich am Anfang: "Sie sind ja genauso schnell wie Wolff", weil die dachten, jetzt wird die Sache gemütlicher. Die Energie, das Engagement und das Wissen von Arnold Wolff, das ist etwas, was mich bis heute beeindruckt.

Das Interview führte Martin Mölder.

(DR)

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