Menschen halten beim Taizé-Gebet brennende Kerzen in den Händen
Die Musik von Hagios-Abenden sind Taizé-inspiriert
Helge Burggrabe
Helge Burggrabe

05.09.2019

Eine Art Mitsingkonzert beim "Hagios-Abend" im Kölner Dom Wenn Andacht und Konzert verschmelzen

Texte, Stille und vor allem Musik: Beim "Hagios-Abend" im Kölner Dom erklingen am Donnerstagabend Lieder, Gebete und geistliche Impulse. "Es ist eine Art Mitsingkonzert", erklärt der Komponist der Lieder, Helge Burggrabe, im Interview.

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DOMRADIO.DE: Mit Hagios – griechisch für heilig – ist der Abend überschrieben. Was erwartet die Besucher, was für eine Idee steckt hinter dem Konzept?

Helge Burggrabe (Komponist): Hagios oder heilig ist natürlich ein großes Wort. Ich denke, es geht im weitesten Sinne um Glauben, um Spiritualität und zwar in Form des gesungenen Gebets. Es sind verschiedene Texte aus verschiedenen Kulturen, die ich aufgegriffen habe, auch neu vertont habe. Und es sind ganz einfache Gesänge entstanden, die jeder und jede sofort mitsingen kann. Und insofern ist das Ganze eine Art Mitsingkonzert.

DOMRADIO.DE: 16 Lieder werden an dem Abend in Köln erklingen. Sie üben diese Lieder mit den Teilnehmern vorher im Dom ein und singen sie dann. Ist es denn mehr ein Konzert oder ein Gottesdienst oder doch beides?

Burggrabe: Das ist das Schöne, dass die Grenzen da verfließen. Der Kölner Dom ist ja ein wunderbares Gesamtkunstwerk und bildet als ein Gotteshaus den Rahmen für Messen, Gottesdienste und eben auch geistliche Konzerte. Und dieses Hagios ist eigentlich genau die Verbindung zwischen einer Andacht und einem Konzert. Es wird nicht etwas vorne von Musikern produziert und die anderen lauschen nur, sondern wir werden alle zu Sängerinnen und Sängern. Wir haben als Kinder alle gesungen, es ist eine wunderbare Ausdrucksmöglichkeit für die Seele und für den Glauben. Und insofern ist es eine Art Konzert, das wir alle gemeinsam gestalten. Und damit haben wir eigentlich dann wieder die Grenze erreicht, dass es zugleich auch eine Art Andacht ist.

DOMRADIO.DE: Die allermeisten Stücke haben Sie selbst komponiert. Wie würden Sie selbst Ihre Lieder beschreiben?

Burggrabe: Ich würde sagen, dass sie auf der alten, kraftvollen Tradition der gesungenen Gebete von Klöstern aufbauen. Aber auch solche Impulse, wie sie die Gemeinschaft in Taizé aufgreift, sind eine Grundlage für die neuen Gesänge, die ich jetzt entwickelt habe. Sie sollen so sein, dass man ganz unmittelbar einsteigen kann, dass man mitsingen kann.

Auch wenn meine Stücke mehrstimmig sind: Wir werden an dem Abend zunächst mal einstimmig singen und einige Menschen können dann je nach Lust und Kenntnis das Ganze zu einem mehrstimmigen Gesang machen, aber ganz wichtig ist bei dem Ganzen, es gibt keine falschen Töne, es soll einfach ins Gebet führen und insofern jetzt nicht ein Anspruch sein, das möglichst perfekt singen zu müssen.

DOMRADIO.DE: Sie haben auch groß angelegte Oratorien geschrieben, die auch schon in vielen Kathedralen erklungen sind. Warum komponieren Sie auch diese relativ kurzen Lieder?

Burggrabe: Für mich ist das sozusagen wirklich gesunger Glaube. Und bei den Oratorien üben große Chöre und Orchester monatelang ein Stück ein, dann ist irgendwann der Abend da und die anderen lauschen. Aber bei diesem Hagios-Konzept geht es vom Gemeinde-Gesang aus, eine wunderbare Möglichkeit, über das nur gesprochene Wort hinaus seinen Glauben zu artikulieren. Und so ein großer Dom wie jetzt in Köln wird dann in einen großen Klangraum verwandelt. Und ich denke, das ist ein zentraler Schlüssel für Glauben, über die Musik in die gelebte Spiritualität zu kommen.

DOMRADIO.DE: Solche "Hagios-Abende" gibt es nicht nur im Kölner Dom, sondern auch an anderen Orten, in anderen Kirchen. Was, würden Sie sagen, geben solche Abende den Menschen, was sie in einem konventionellen Gottesdienst nicht mitbekommen?

Burggrabe: Ich denke, in einem konventionellen Gottesdienst wird in meinen Augen immer noch die Kraft der Musik etwas unterschätzt. Ich freue mich über Gottesdienstformate, wo die Musik einen großen Rahmen, einen großen Raum bekommt. Ich denke, der Wunsch bei vielen Menschen ist, partizipieren zu können, selbst Teil von der Liturgie zu sein.

Und da, wo Menschen diesen Raum bekommen, habe ich den Eindruck, da sind die Kirchen auch voll und übervoll. Auch bei den "Hagios-Abenden" kommen immer sehr viele Menschen. Und ich habe den Eindruck, das ist gerade ein wichtiger Impuls: Gottesdienst-Formate zu entwickeln oder auch innerhalb einer großen Messe zu schauen, dass die Partizipation auch Raum hat, nämlich über die Musik, über den Gesang.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

Information: DOMRADIO.DE überträgt den "Hagios-Abend" aus dem Kölner Dom am Donnerstag, 4. September, um 21.00 Uhr live im Internet und bei Facebook..

(DR)

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