Pariser Kathedrale Notre-Dame während des Brandes
Pariser Kathedrale Notre-Dame steht in Flammen
Ein Passant fotografiert den Brand der Kathedrale Notre-Dame
Ein Passant fotografiert den Brand der Kathedrale Notre-Dame
Ein Feuerwehrmann versucht, das Feuer in der Kathedrale Notre-Dame zu löschen
Ein Feuerwehrmann versucht, das Feuer in der Kathedrale Notre-Dame zu löschen

16.04.2019

Kölner Dombaumeister zum Brand in Notre-Dame "Eine Tragödie von europäischer Dimension"

Es gibt noch Hoffnung: Der Großbrand hat die Pariser Kathedrale nicht komplett zerstört – viele Kunstschätze konnten gerettet werden. Trotzdem: Die Schäden werden uns wohl noch Jahrzehnte beschäftigen, meint Dombaumeister Peter Füssenich.

DOMRADIO.DE: Notre-Dame ist genau wie der Kölner Dom nicht irgendeine große katholische Kirche. Wie sehr trifft Sie die Zerstörung der Kathedrale?

Peter Füssenich (Dombaumeister von Köln): Ich darf das auch für viele andere Bau-Kolleginnen und Kollegen aus ganz Europa sagen: Wir stehen alle gemeinsam unter Schock. Das ist eine Tragödie von europäischer Dimension. Aus Frankreich ist die Idee der Gotik überall nach Europa gekommen, die wagemutigen Konstruktionen, die man dort errichtet hat. Notre-Dame war dafür auch das Vorbild. Uns Bauleute trifft das wirklich wie ein großer Schlag.

DOMRADIO.DE: Unser Dom in Köln und Notre-Dame haben eine ähnliche Bauweise. Aber was den Brandschutz angeht, unterscheiden sie sich doch, oder?

Füssenich: Brandschutz gilt für alle Bauwerke, egal aus welchem Jahrhundert sie stammen. Es geht im Wesentlichen darum, dass die Feuerwehr vor Ort ein Gebäude einschätzen kann. Im Fall vom Kölner Dom ist es so, dass wir in sehr engem Kontakt mit der Feuerwehr von Köln stehen. Hier finden regelmäßige Begehungen und Übungen statt. Es gibt am Kölner Dom auch vorbeugenden Brandschutz, es gibt Steigleitungen für den Fall der Fälle. In Köln hat man schon im 19. Jahrhundert einen Eisendachstuhl aufgebaut. Im Vergleich dazu war es in Notre-Dame ein Holzdachstuhl, den wir jetzt haben brennen sehen und der in großen Teilen noch aus dem 13. Jahrhundert, aus der Bauzeit der Kathedrale stammt.

DOMRADIO.DE: Sie kennen Notre-Dame natürlich gut. Was denken Sie, ist mit den Schätzen innerhalb der Kirche passiert?

Füssenich: Das ist aus der Ferne sehr schwer zu sagen. Man wird auf die nächsten Tage schauen müssen. Auf die kommt es nämlich an. Es ist unglaublich viel Löschwasser in die Gewölbe eingedrungen. Über mehrere Stunden hat die Feuerwehr dort löschen müssen. Man wird schauen, ob die Gewölbe halten, denn sie erzielen ein viel höheres Gesamtgewicht, wenn sie sich mit Wasser vollgesogen haben. Deshalb ist es sicher erst in den nächsten Tagen absehbar, was sich dort für einen Schaden aufgetan hat.

DOMRADIO.DE: Eine reiche französische Unternehmerfamilie hat bereits gesagt, sie werde hundert Millionen Euro spenden. Man kann heute noch nichts über den Schaden sagen. Aber vielleicht können Sie schon einmal ahnen, wie viele Jahre die Aufbauarbeiten wohl benötigen werden?

Füssenich: Auch das kann man nur von Fernsehbildern einschätzen. Der gesamte Dachstuhl ist abgebrannt. Es sind Teile der Gewölbe, das hat man schon gesehen, auch eingestürzt. Man wird auch schauen müssen, welche Schäden, welche Schadensbilder haben sich da im Innern der Kathedrale ergeben. Die Wiederaufbau wird sicher mehrere Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte umfassen, bis der letzte Schaden behoben wird.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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