Kölner Dom bei Nacht
Kölner Dom bei Nacht
Werbeplakat für Ablässe zum Unterhalt des Kölner Doms um 1517
Werbeplakat für Ablässe zum Unterhalt des Kölner Doms um 1517

14.12.2017

Werbeplakat für Ablässe des Kölner Doms aufgetaucht Fundraising im Mittelalter

Alte Bücher können Geheimnisse bergen. Denn in ihren Einbänden stecken oft Reste von alten Handschriften oder Einblattdrucken aus der frühen Zeit des Buchdrucks. Eine solche Entdeckung machte jetzt die Kölner Universitätsbibliothek.

Gefunden wurde ein Werbeplakat für die Ablässe des Kölner Doms aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts. Das Besondere daran ist nicht nur der außergewöhnlich gute Erhaltungszustand. Es ist auch das bislang einzig bekannte Exemplar eines solchen Werbeplakats für den Kölner Dom.

Ende des Mittelalters hingen überall in den Kirchen solche Plakate, deren Fachbegriff Ablasssummarium lautet. Sie versprachen den Gläubigen eine himmlische Belohnung, wenn sie eine Spende für den Bau und Unterhalt der Kirche gaben. Passenderweise hingen diese Plakate direkt neben einer Spendenbox.

Fundraising im Mittelalter

Weil der Kathedralbau sehr kostspielig war, ging im Mittelalter kein Bischof und kein Domkapitel ein solches Projekt leichtfertig an.

Realistischerweise musste man für ein solches Projekt in Jahrzehnten rechnen, besser noch in Jahrhunderten. In Sachen Fundraising standen damals die großen Kirchen im Wettstreit. Entscheidend war damals die Frage: Wer hat die wichtigsten Reliquien? Denn die Menschen waren bereit, weite Wege auf sich zu nehmen, um die Reliquien von Heiligen zu verehren, auf deren Fürsprache sie hofften oder von denen sie sich ein Wunder wünschten. Für sie war eine Spende völlig selbstverständlich - zumal im Mittelalter die Unterstützung des Kirchenbaus zu den opera pietatis, den Werken der Frömmigkeit, zählte.

Aber wer konnte die größten Ablässe anbieten? Auch das spielte für das Renommee einer Kirche eine große Rolle. Orientierung gab ein Summarium aller Ablässe, um den Besuchern kurz und knapp zu informieren, welchen himmlischen Gegenwert sie für eine Spende zugunsten der "Kirchenfabrik" erhielten. Eine Kirchenfabrik verwaltete die Spenden für Bau und Unterhalt der Gotteshäuser.

"Hilliges Köln"

Köln konnte in jedem Fall gut mithalten. Denn damals rühmte sich die Stadt schon als "Hilliges Köln". Schließlich wurden in der Bischofskirche die Gebeine der Heiligen Drei Könige verwahrt. Das Plakat betont, dass sie den Herrn als Mensch mit eigenen Augen gesehen und ihm Geschenke gebracht haben.

Mit dem Erwerb der Ablässe konnten sich die Wohltäter des Kölner Doms eine Art Guthaben für das Jenseits erwerben, das ihnen helfen sollte, die gefürchtete Zeit im Fegefeuer zu verkürzen oder möglichst ganz zu vermeiden. Urkunden über die Ablässe im Archiv belegen einen Strafnachlass von insgesamt 22 Jahren. Diese heute merkwürdig erscheinende Heilsarithmethik zeigt, wie unverzichtbar die Menschen damals Ablässe für ihr Seelenheil hielten.

Zufallsfund

Und wie kam das Werbeplakat in das Buch? Als es überholt war oder seine Nützlichkeit getan hatte, fand es eine neue Verwendung in einem Einband. Irene Bischoff, die Mitarbeiterin der Kölner Universitätsbibliothek, machte kurz vor ihrem Eintritt in den Ruhestand diesen spektakulären Fund. Sie weist darauf hin, dass es sich bei dem Plakat um eine zweite Auflage oder Aktualisierung eines Druckes von 1487 handele. Denn sie identifizierte das Wappen unten auf dem Plakat als das von Hermann von Wied, jenem Kölner Erzbischof (1515-1547), der später versuchte, das Erzbistum dem Protestantismus zuzuführen.

Der Leiter der Kölner Universitätsbibliothek, Hubertus Neuhausen, zeigt sich hoch erfreut über das entdeckte Werbeplakat. Es soll demnächst digitalisiert werden und auf der Website der Bibliothek zugänglich sein.

Christiane Laudage
(KNA)

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