Robert Kleine
Robert Kleine

17.08.2017

Stadt- und Domdechant Kleine zu Bekleidungsregeln in Kirchen "Dem Ort angemessen"

Ein Paar in Badebekleidung im Eingang einer Kirche - das Foto aus Italien löst gerade in sozialen Netzwerken Diskussionen aus. Was in unseren Kirchen erlaubt ist, erklärt der Kölner Stadt- und Domdechant Monsignore Robert Kleine.

domradio.de: Auf dem Foto aus dem süditalienischen Villamare, das ein Italiener auf Facebook gepostet hat, stehen eine Frau und ein Mann in Bikini und Badehose in der Kirche Madonna di Portosalvo. Haben wir das Problem in Kölner Kirchen auch? 

 

 

Monsignore Robert Kleine (Kölner Stadt- und Domdechant): Vielleicht nicht so extrem, da wir keinen Strand in der Nähe haben. Wer in Badehose zum Dom kommt, der ist schon kilometerweit angeguckt worden. So extrem ist es bei uns also nicht. Aber natürlich stellt sich auch bei uns die Frage - im Dom, aber auch in den anderen Kirchen: Was heißt angemessene Kleidung? Wie sind Besucherinnen und Besucher unserer Gotteshäuser innerlich und äußerlich auf das vorbereitet, was sie in den Kirchen erwartet, was wir als Christen in diesen Kirchen auch sehen und feiern. Zunächst einmal: Wenn jemand tatsächlich in eine Kirche möchte, sehe ich das positiv. Aber es gibt natürlich auch gewisse Regeln, an die man sich halten sollte. Dazu gehört in meinen Augen auch die Kleidung.

domradio.de: Werden wir doch mal konkret. Spaghetti-Träger - sind die in Ordnung?

Kleine: Ja. Einerseits ist es eine Frage der Ästhetik, andererseits eine Frage dessen, was hinter der Kleidung steht. Ich kann jemanden, der Ordnung in einer Kirche oder am Dom schaffft, nicht mit einem Lineal hinstellen und sagen: "Bis zu dieser Zentimeterzahl darf eine Bermuda noch rein. Kürzer nicht mehr." Oder: "Ist der Träger einen Zentimeter oder zwei Zentimeter breit?" 

Ich erwarte, dass jemand mit einem gewissen Respekt in eine Kirche geht. So, wie ich auch in eine Synagoge oder in eine Moschee gehe. Das ist ein Gotteshaus. Und auch, wenn ich kein Christ bin, weiß ich, dass Menschen dort einen Ort haben, den sie als heilig verehren. Dann komme ich eben nicht bauchfrei oder ganz lässig nur mit einer Badehose in diesen Ort hinein.

Aber, ob da jetzt ein Träger ist oder nicht, daran liegt es nicht. Es hängt vielmehr an der Frage: Bin ich insgesamt - in meiner ganzen Kleidung - nicht nur einer, der als Tourist vom Strand mal schnell in eine Kirche reinläuft, sondern, bin ich diesem Ort angemessen. Ich glaube, man käme in Badehose auch nicht in das Wallraff-Richartz-Museum oder in ein Konzert in der Philharmonie. Eigentlich müsste das jeder für sich selbst erkennen. Man braucht in meinen Augen keine Strümpfe und keine festen Schuhe. Man kann auch Sandalen und nackte Füße haben. Aber es muss immer noch "vernünftig" sein, und da müsste jeder selbst erkennen, was da noch drunter fällt.

domradio.de: Also, wenn ich Sie richtig verstehe, gibt es keine festen Regeln, sondern es liegt auch im Ermessen derjenigen, die in der Kirche aufpassen.

Kleine: Ja. Also, wenn zum Beispiel ein Mann nur in Unterhemd in die Kirche kommt, würde ich schon sagen: Der ist eigentlich nicht richtig angezogen. Wenn aber jemand in einem trägerfreien Kleid kommt, der grundsätzlich vernünftig angezogen ist, dann ist dagegen natürlich nichts zu sagen.

Wir haben in unserem Land nicht die Tradition, darauf explizit zu schauen. Wenn ich in Griechenland bin, ist ganz klar: Vor jeder orthodoxen Kirche ist ein Korb mit Tüchern. Und man kommt nicht rein, wenn man sich nicht ein solches Tuch über die Schultern legt. Da diskutiert auch keiner - das wird gemacht. Wenn wir jetzt hier anfangen würden, Tücher auszulegen, wäre das Geschrei groß.

Ich denke immer, es geht bei uns nicht darum, dass wir das Rad zurückdrehen, sondern, dass man einfach sagt: Es gibt gewisse Dinge, die verbieten sich in einer Kirche. Wenn jemand zum Beispiel ein T-Shirt trägt, das den Glauben oder die Religion verhöhnt, kann ich auch sagen: "Mit diesem T-Shirt kommen Sie bitte nicht rein." Auch, wenn der Mann darüber noch eine Winterjacke trägt.

Das Interview führte Heike Sicconi. 

(DR)

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