Martin Schulz im Dom in Berlin
Martin Schulz im Dom in Berlin
Merkel und Obama am Brandenburger Tor
Merkel und Obama am Brandenburger Tor
Kardinal Marx und Bischof Bedford-Strohm
Kardinal Marx und Bischof Bedford-Strohm
Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg
Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg

26.05.2017

Ein Kirchentag im Zeichen der Politik Obama, AfD, Flüchtlinge

Zur Halbzeit des evangelischen Kirchentags in Berlin wird deutlich, dass die Politik vor der Bundestagswahl eine große Rolle spielt. Noch unklar ist, wie viele Besucher sich zum Abschlussgottesdienst in Wittenberg aufmachen.

Der 36. Deutsche Evangelische Kirchentag in Berlin und Wittenberg dauert noch bis Sonntag - bereits jetzt zeigt sich: Es ist ein mehr politisches als frommes Protestantentreffen. Der neue Bundestag wird in vier Monaten gewählt, und das Verhältnis zwischen Kirche und Politik ist eines der beherrschenden Themen des Kirchentags.

Hoher Besuch

Schon immer nutzten Bundespolitiker die protestantische Öffentlichkeit für Auftritte bei Bibelarbeiten oder Diskussionen, stets mit dem farbigen Motto-Schal um den Hals. Doch seitdem vor sechs Wochen bekanntwurde, dass der ehemalige US-Präsident Barack Obama nicht nur kommt, sondern mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor großer Kulisse am Brandenburger Tor auftritt, regt sich Kritik über zu viel Nähe des Kirchentags zu den Regierungsparteien und zur Politik generell.

Andere hingegen rufen die Christen auf, sich mehr in die Politik einzumischen. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz zum Beispiel forderte die Kirchen dazu auf, an einer "Festung" der Grundrechte in Europa mitzuarbeiten. Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt verteidigte das Engagement der Kirchen für Flüchtlinge, gegen Ausländerhass sowie gegen den Klimawandel.

Kein schlechter Start

70.000 Menschen strömten am Donnerstag zum bisherigen Höhepunkt vor das Brandenburger Tor. Obama und Merkel demonstrierten ihre Freundschaft, berichteten, wie der Glaube ihre Politik beeinflusst und beklagten realpolitische Zwänge. Und sie stellten sich den kritischen Fragen von Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au und dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, zu Krieg, Flucht, Asyl, Abschiebung und Terroristen. Der umjubelte Ex-Präsident stärkte der Kanzlerin und Kandidatin den Rücken, kein schlechter Start in den Wahlkampf.

Zur selben Zeit lief etwa zwei Kilometer weiter in der voll besetzten Sophienkirche eine ebenfalls heftig umstrittene Veranstaltung: Der Berliner evangelische Bischof Markus Dröge diskutierte mit der Sprecherin von "Christen in der AfD", Anette Schultner, über Menschenwürde, Flüchtlinge und Familienbilder, immer wieder unterbrochen von wütenden Zwischenrufen.

Dialogversuch

"Es steht kein christliches Menschenbild im Parteiprogramm der AfD", sagte Dröge. Das Präsidium des Kirchentags musste schon vorher immer wieder seinen Beschluss verteidigen, mit allen Menschen in den Dialog zu kommen, sofern sie sich zuvor nicht rassistisch oder menschenfeindlich geäußert hatten. Auch hier diskutierten Politiker mit, die einen befürworteten den Dialog, die anderen nicht. Vor der Kirche riefen innerkirchliche Gegner zum Boykott der Veranstaltung auf.

Nach den Terroranschlägen der vergangenen Monate waren die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden. Die rund 100.000 Dauergäste und 38.000 Tagesbesucher nehmen das gelassen hin, erstmals gibt es beim Kirchentag Taschenkontrollen. Es ist auch ein Kirchentag der langen Wege zwischen den weit verstreuten Veranstaltungsorten in der Millionenstadt, auf dem Messegelände. Manche beobachten weniger Besucher als sonst in Hallen und Kirchen - vielleicht lässt sich mancher Kirchentagsbesucher auch von Geschäften und Nachtleben ablenken.

Berlin und Wittenberg

Zum ersten Mal müssen die Besucher für den Abschlussgottesdienst umziehen: Im Jahr des 500. Reformationsjubiläums in das knapp 100 Kilometer entfernte Wittenberg, wo Martin Luther (1483-1546) 1517 seine Thesen veröffentlichte. Seit Jahren wird die Großveranstaltung in der Kleinstadt geplant, 200.000 Menschen wollten die Organisatoren auf die Elbwiesen bringen. Inzwischen haben sie ihre Erwartungen auf

100.000 reduziert, doch noch wird kräftig geworben für die Sonderzüge, die am Sonntag von 5 Uhr an fahren: "Da muss man dabei gewesen sein." An der Wettervorhersage liegt es nicht. Viele Kirchentagsbesucher, die aus dem ganzen Bundesgebiet kommen, scheuen wohl den Umweg über Wittenberg.

Noch offen ist auch, ob das ebenfalls erstmalige Konzept der "Kirchentage auf dem Weg" aufgegangen ist. In acht mitteldeutschen Städten laufen sechs kleinere Kirchentage, nicht leicht in den fast entkirchlichten Regionen. Die Besucherzahlen schwanken.

Wiebke Rannenberg
(epd)

Nachrichten-Video

Zum Video:
Dienstag, 11.08.2020

Video, Dienstag, 11.08.2020:Christliche Nachrichten

Jetzt im Radioprogramm

6:30 - 10:00 Uhr 
DOMRADIO - Der Morgen

Das etwas andere Früh-Stück

Wort des Bischofs - Das Buch

Alle Impulse aus den Jahren 2017/18 jetzt auch als Buch!

Tageskalender

Radioprogramm

 12.08.2020
06:00 - 06:30 Uhr

DOMRADIO Morgenimpuls

06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Erster Schultag nach den Sommerferien: Wie normal kann Schule gerade sein?
  • Debatte um angepasste Kirchensteuer für junge Mitglieder
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Komplet – Das Nachtgebet mit Weihbischof Ansgar