ZdK-Präsident Thomas Sternberg
ZdK-Präsident Thomas Sternberg

29.05.2016

ZdK-Präsident Sternberg zieht kritische Bilanz "Ereignis und Lehrstück"

Thomas Sternberg, den Präsidenten des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, zieht für domradio.de Bilanz zum 100. Katholikentag in Leipzig. "Es war ein wirkliches Ereignis und ein Lehrstück." 

domradio.de: Bitte vervollständigen Sie mal: Der Katholikentag 2016 war ein…

Sternberg: … war ein wirkliches Ereignis und ein Lehrstück.

domradio.de : Das Programmheft war dick, die Auswahl vielfältig. Hatten Sie denn einen persönlichen Höhepunkt?

Sternberg: Ein Höhepunkt war ohne Frage der Fronleichnamsgottesdienst am Donnerstagabend. Weil mit neuen Formen gezeigt wurde, wie man heute eucharistische Prozessionen machen kann, ohne dass es unzeitgemäß wirkt.

domradio.de: Es wurde in den letzten Jahren viel gestritten in der Kirche, vor allem rund um die Familiensynode. Kann ein Katholikentag zur Einigung beitragen?

Sternberg: Der kann sicher dazu beitragen. Aber wahrscheinlich trägt noch stärker dazu bei, dass man in einem Umfeld wie hier - wo rund 95 Prozent der Menschen nichts mit dem Katholizismus zu tun haben - deutlich wird, wie merkwürdig es ist, wenn sich dann diese kleine Gruppe vor allem um eigene Themen kümmert.

domradio.de: Sie haben gesagt: Leipzig, der Gang in eine säkulare Stadt, war eine gute Entscheidung. Warum sehen Sie das so?

Sternberg: Es war eine sehr gute Entscheidung, weil man gesehen hat, dass man auch in einer solchen Stadt sehr gut einen Katholikentag abhalten kann. Dazu braucht man nicht unbedingt eine alte Bischofsstadt. Denn auch in einer solchen Umgebung kann man, wenn sie so gastfreundlich ist wie diese Stadt, die wahrhaft christliche Tugend der Gastfreundschaft erleben.

domradio.de: Der 100. Katholikentag war ja Ihr erster als Präsident. Als Sie in ihr Amt gewählt wurden, da haben Sie davon gesprochen, der Katholikentag müsse sich ein bisschen anders aufstellen. Hat sich dieser Eindruck noch verfestigt in Leipzig?

Sternberg: Zum Teil ja. Der Katholikentag muss immer reformiert werden, er ist sicherlich schon hundertmal verändert worden.  Wir müssen mal analysieren, ob wir zum Teil nicht zu viele Parallelangebote hatten. Ich glaube, was ganz wichtig ist, ist das Katholikentags-„Feeling“ in der Stadt. Es ist gut, in der Innenstadt präsent zu sein. Viele wollen auch dieses offene Auftreten mit Konzerten, Ständen und gegenseitigen Kennenlernen. Vielleicht etwas weniger von den großen Veranstaltungen und die etwas klarer differenziert.  

domradio.de: Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf hat über die enorme Kraft des Katholikentags gesprochen. Er hat aber auch darauf aufmerksam gemacht, dass in der jüngsten Geschichte kaum noch Revolutionäres von diesen Treffen ausgeht. Wollen Sie da wieder hin?

Sternberg: In einer Gesellschaft, die immer komplexer wird, ist es sehr schwierig, revolutionär aufzutreten. Wenn deutlich wird, dass hier ein Ort ist; dass Katholikentage Orte sind, an denen man sachlich und ruhig über Probleme miteinander redet – und zwar in einer anderen Art als es in den meisten Talkshows üblich ist – also lösungsbezogen, an der Sache interessiert. Dann sind solche Orte ganz wichtig. Wo wird das sonst gemacht, wo passiert das - außer in den Erwachsenenbildungsstätten? Ich glaube der Katholikentag ist ein wichtiger Platz gerade für solche Gespräche.

domradio.de: Der nächste Katholikentag 2018 kommt in Ihre Heimat, nach Münster. Ist jetzt schon die Vorfreude da?

Sternberg: Ja, Vorfreude allein schon deshalb, weil die Anfahrt zur Katholikentagsleitung nicht mehr fünf Stunden sondern 10 Minuten mit dem Fahrrad dauert.

Das Gespräch führte Matthias Friebe. 

(DR)

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