30.12.2017

Ein Ausblick auf das "Kirchenjahr" 2018 Von "A" wie Asylpolitik bis "Z" wie Zeitenwende

Auch wenn das Reformationsjubiläum als "das" kirchliche Großthema 2017 vorbei ist - soviel steht jetzt schon fest: 2018 wird es bei "Kirchens" auch nicht langweilig. Ein Grund dafür: die Politik.

Die frohe Botschaft wollen die Kirchen verkünden. Zugleich sollen Christen, so heißt es immer wieder unter Berufung auf die Worte Jesu, "Sauerteig" in der Gesellschaft sein, sich einmischen also. Für das Jahr 2018 stellt sich für Katholiken wie Protestanten beispielsweise die Frage, wie sie mit der AfD umgehen wollen. Jener Partei, deren Zustand ihr Spitzenmann Alexander Gauland vor einiger Zeit mit "gäriger Haufen" umschrieb und die jetzt im Bundestag sitzt.

Noch wird die Bühne in Berlin von der Suche nach einer neuen Regierung beherrscht. Aber allzu lang dürfte es nicht mehr dauern, bis sich der Fokus auf das Geschehen im Bundestag richtet - oder, im äußersten Fall, Neuwahlen anstehen. Die AfD wird in beiden Fällen auf sich aufmerksam machen - und sicher auch die Kirchen weiter herausfordern.

Klare Meinung zum Kirchenasyl

Davon unabhängig zeichnen sich zu Jahresbeginn gleich mehrere politische Debatten ab, zu denen sich die Kirchen positionieren werden. Bereits von Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) angekündigt ist ein Gespräch von Bund und Ländern mit Vertretern von Katholiken und Protestanten zum Kirchenasyl.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, stellte sich unlängst noch einmal hinter die kirchliche Praxis und wies den Eindruck zurück, "wir verstecken da Hunderttausende vor den Behörden". Zugleich bekräftigte er das Festhalten der Kirche am Familiennachzug. Auch subsidiär geschützte Flüchtlinge sollten ihre Ehegatten und Kinder nach Deutschland holen dürfen, wenn nicht absehbar sei, ob und wann sie in ihre Heimat zurückkehren könnten.

Diskussion um Abtreibung bleibt

Neben der Flüchtlings- und Asyldebatte gibt es eine neue Diskussion über die Abtreibungsgesetzgebung. Aus der Politik wächst der Druck, das Werbeverbot für Abtreibungen zu streichen.

Die katholische Kirche ist dagegen. Sie sieht durch eine Aufhebung des Paragrafen 219a den Schutz des ungeborenen Lebens in Gefahr.

Sind wir im Krieg?

Unter Lebensgefahr sind oftmals die mehr als 3.700 Bundeswehrsoldaten von Mali bis Afghanistan in ihren Auslandseinsätzen unterwegs. Der Bundestag beschloss kurz vor Jahresende eine Verlängerung von fünf Missionen bis zum Frühjahr. Wie soll es anschließend weitergehen?

Eine Frage auch für den katholischen Militärbischof Franz-Josef Overbeck und seinen evangelischen Amtsbruder Sigurd Rink. Persönlich wird es für die Spitzenvertreter der beiden großen Kirchen im kommenden Jahr möglicherweise ein klein wenig ruhiger zugehen.

Ein Highlight 2018: Katholikentag

Kardinal Marx wird nach sechs Jahren den Vorsitz der EU-Bischofskommission COMECE abgeben. Eine erneute Wiederwahl ist "Gott sei Dank" nicht möglich, wie er selbst sagte. Ein paar Termine in Brüssel fallen dann weg. Zu Europa will sich der Erzbischof von München und Freising freilich weiter äußern. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat nach dem Reformationsjahr vielleicht auch ein bisschen mehr Freiraum im Kalender.

Für 2018 steht als Großereignis im Mai der Katholikentag auf der Agenda. Mehrere zehntausend Teilnehmer werden dazu in Münster erwartet, darunter zahlreiche Prominente. Zu den innerkirchlichen Personalien gehört der 75. Geburtstag des Fuldaer Bischofs Heinz Josef Algermissen am 15. Februar, der damit die für Bischöfe vorgeschriebene Altersgrenze erreicht. Auf einen neuen Bischof warten bereits die Bistümer Würzburg und Hildesheim.

Blick nach Rom

Im Oktober richtet sich der Blick dann "über den Tellerrand", nach Rom. Dort beraten die Bischöfe aus aller Welt über die Jugend. Die letzten beiden Synoden hatten sich dem Thema Familie gewidmet. Das daraus hervorgegangene Papstschreiben «Amoris laetitia» sorgt immer noch für Diskussionen.

Harmonisch wird es dagegen aller Voraussicht nach beim neunten Weltfamilientreffen in Dublin zugehen, zu dem auch Teilnehmer aus Deutschland anreisen. Und etwas "fürs Herz" bietet der 27. November: Dann will der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck noch einmal vor Kohle auf Prosper Haniel fahren. Das letzte Steinkohlen-Bergwerk im Ruhrgebiet soll Ende 2018 geschlossen werden. Eine Zeitenwende - und sicher Anlass für neuerliche Gespräche zur Energiepolitik in Deutschland. Auch da können Christen wieder Sauerteig sein.

Joachim Heinz
(KNA)

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