Kind bei der Erstkommunion
Kind bei der Erstkommunion
Erstkommunion im Kölner Dom
Erstkommunion im Kölner Dom

12.03.2017

Wissensbuch für Erstkommunionkinder "Eine ganz bewusste Entscheidung"

Für einige Kinder sind es nur noch wenige Wochen bis zu einem ihrer aufregendsten Tage: nach Ostern finden wieder unzählige Erstkommunionfeiern statt. Professor Patrik Höring erklärt den Kindern in einem Buch, was dabei auf sie zukommt.

domradio.de: Ihr Buch heißt "Erstkommunion - Wie geht das?" Diese Frage möchte ich an Sie zurückgeben. Wie war das bei Ihnen?

Professor Patrik Höring (Erzbistum Köln, Abt. Jugendseelsorge): Wenn ich zurückdenke, habe ich den Eindruck, dass das für mich alles ganz unaufregend war. Ich war ohnehin schon regelmäßiger Kirchgänger, weil meine Familie am Gemeindeleben teilnahm. Ich kann mich nicht erinnern, dass mich meine Erstkommunion besonders aufgeregt hat.

domradio.de: Wie schreibt man über etwas, das nicht aufregend ist, ein ganzes Buch?

Höring: In der Gemeinde, in der ich lebe, und durch die vielen Kontakte, die ich im Bistum habe, habe ich gemerkt, dass viele Eltern Fragen stellen, wie die Erstkommunion funktioniert. Auch viele Kinder fragen sich, was auf sie zukommt. Seit der Taufe oder vereinzelten Begegnungen im Kindergarten haben sie oft gar nicht richtig am Gemeindeleben teilgenommen. Mein Buch ist kein Ratgeber für Eltern, sondern ein Kinderbuch. Es ist ein Wissensbuch.

domradio.de: Wenn man das Buch aufschlägt, findet man auf der ersten Seite zwei Grußwörter: eins von Ihnen und eins von Kardinal Woelki. Ist das kinderbuchtauglich?

Höring: Kardinal Woelki findet einfache Worte. Insofern ist es für ein Kinderbuch gut geeignet. Für ein Wissensbuch ist es ungewöhnlich. Aber auch das ganze Thema ist für ein Wissensbuch ungewöhnlich. Das ganze Buch hat einen leichten Kölner Anstrich. Die Illustrationen und Texte spielen immer wieder auf Köln an. Deshalb sollte der Erzbischof die Kinder am Beginn des Buches auch begrüßen.

domradio.de: Das ganze Buch ist sehr praktisch angelegt. Den Einstieg gibt ein Kapitel über das Christentum. Wie gehen sie von dort den Weg zur Erstkommunion?

Höring: Kinder entdecken heute schon im Kindergarten, dass es nicht nur Christen gibt, sondern auch Anhänger anderer Religionen. Deshalb entsteht schnell die Frage, was Christen von anderen Gläubigen unterscheidet und was ähnlich sein könnte. Wir wollen den Kindern zeigen, dass das Fremde keine Bedrohung ist.  

domradio.de: Weiß der junge Leser am Ende des Buches, warum er zu Erstkommunion gehen sollte?

Höring: Davon bin ich überzeugt. Aber dennoch ist das Buch für Sieben- bis Achtjährige auch ein dickes Buch, das man nicht in einem Zug lesen kann. Man liest es eher Stück für Stück oder schaut auch nur die Kapitel an, wozu es Fragen gibt.

domradio.de: In dem Buch geht es auch um Kirche allgemein. Sie schreiben, dass der Begriff "Kirche" ein Teekesselchenwort ist. Wie ist das gemeint?

Höring: Kirche ist ein vielschichtiger Begriff. Er bezeichnet das Gebäude, aber im Grunde meint er die Gemeinschaft der Glaubenden. Für Kinder ist es eine zentrale Erfahrung im Gottesdienst ganz vorn mit dabei zu sein - mitten in der Gemeinschaft der Gemeinde. Was es damit auf sich hat und welcher Platz für sie dort vorgesehen ist, welche Rolle sie einnehmen können: das wollte ich mit ihnen entdecken. Genauso entdecken wir in dem Buch den Kirchenraum. Wie auf einer kleinen Schnitzeljagd geht es von einem Ort zum anderen.

domradio.de: Wie ist das Buch aufgebaut?

Höring: Wir bewegen uns zwiebelhaft - Scheibchen für Scheibchen dem Inneren zu. Von Sichtbaren zum Unsichtbaren. Dabei müssen auch heikle Fragen beantwortet werden. "Wie ist das mit dem Leib Christi? Was passiert bei der Eucharistie? Wie ist das mit den Wundern, von denen die Bibel berichtet?" Das sind durchaus dicke Bretter, die wir in dem Buch zu durchbohren versuchen. Die Kunst war, die komplexen Themen einfach zu erklären, ohne sachlich etwas Falsches zu erzählen. Das ist das Ziel des Buches. 

domradio.de: Sie schreiben, dass ein Gottesdienst keine One-Man-Show ist. Was wollen Sie damit sagen?

Höring: Kinder langweilen sich schnell, wenn sie stumme Zuschauer werden. Das ist aber gerade nicht die Idee eines Gottesdienstes. Daran sollen alle teilhaben und aktiv mitwirken - sowohl körperlich als auch geistlich. Jeder kann etwas beitragen. 

domradio.de: In dem Buch gibt es auch ein ganz praktisches Kapitel, in dem es um die Feier nach der Erstkommunion geht.

Höring: Die Feier gehört selbstverständlich nach dem kirchlichen Teil der Erstkommunion zum Tag dazu. Viele Eltern und Kinder machen sich vorher große Sorgen darum. Ich möchte deutlich machen, dass nicht viel dazugehört, um ein schönes Fest zu feiern. 

domradio.de: Das letzte Kapitel widmet sich wieder einem schweren Thema. Es heißt "Gut und Böse". Darin wird die Beichte besprochen. Es geht aber auch um Naturkatastrophen und darum, was Schuld ist.

Höring: In vielen Pfarreien gehört die Beichtvorbereitung zur Erstkommunion dazu. Wir wollen zeigen, dass es Gutes und Böses in der Welt gibt. Für manches tragen wir selbst Verantwortung und müssen dafür gerade stehen, auch vor Gott. Es gibt aber auch viele Phänomene, für die niemand etwas kann, wie zum Beispiel Naturkatastrophen oder Krankheiten. Das kann den Glauben bedrohen. Viele Kinder fragen, wie ein guter Gott all diese schlimmen Dinge zulassen kann. Im Dialog mit den Kindern habe ich versucht, Antworten zu finden, die ihnen weiterhelfen. 

domradio.de: Heute gehen immer weniger Kinder zur Erstkommunion als früher. Früher ging der Klassenverband noch geschlossen, heute sind es teilweise nur noch zwei bis drei Kinder aus einer Stufe - ist das eine Antwort darauf, dass neue Wege gegangen werden müssen? 

Höring: Natürlich. Es ist heute viel wichtiger, dass die Einzelnen eine begründete Entscheidung treffen. In diese Entscheidung sind Kinder schon ganz früh mit einbezogen. Kinder müssen nicht nur mitentscheiden, auf welche Schule sie wollen, welche Hobbys sie pflegen, sondern auch, ob sie zur Erstkommunion gehen wollen, oder nicht. Unser Buch kann dafür auch eine Entscheidungshilfe sein, um auf den Geschmack zu kommen: Was ist überhaupt christlicher Glauben? 

domradio.de: Stehen die Gemeinden, die die Vorbereitungen zur Erstkommunion beginnen, deshalb heute unter einer größeren Herausforderung? 

Höring: Ich weiß nicht, ob die Herausforderung wirklich größer ist. Früher hatte man mit sehr vielen Kandidaten zu tun. Da wurde häufig bemängelt, dass die innere Überzeugung zu gering war. Heute ist es eher umgekehrt. Die wenigen, die am Gemeindeleben aktiv teilnehmen, sind häufig umso überzeugter. So hat jede Zeit ihre eigene Herausforderung. Dabei sind weder die Eltern, noch die Kinder die Herausforderung, sondern die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, in denen wir heute leben. Viel hängt aber auch an der Gemeinde. Die Frage ist, ob diese geeignet ist, den Erstkommunionkindern ein Zuhause zu bieten. 

"Erstkommunion - Wie geht das" ist im Bachem-Verlag erschienen und kostet 16,95 €.

Das Interview führte Matthias Friebe.

(dr)

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