05.11.2013

Linkspartei will lieber "Sonne-Mond-und-Sterne-Feste" Aufregung um den heiligen Martin

Ein "Sonne-Mond-und-Sterne-Fest" sei politisch korrekter, weil andere Religionsgemeinschaften nicht ausgeschlossen würden, meint die Linke in Nordrhein-Westfalen. Kirchen, Muslime und andere Parteien halten dagegen.

Martinsgans, Martinsumzüge, Martinssingen - wohl um keinen Heiligen hat sich ein bis heute in Europa so lebendiges Brauchtum entwickelt wie um Martin von Tours. Kurz vor dem Fest des Heiligen am 11. November gerät Martin allerdings in die Schlagzeilen: In den Kindertagesstätten von Nordrhein-Westfalen sollen muslimischen Kindern nicht länger christliche Traditionen aufgedrängt werden, fordert die dortige Linkspartei nach einem Bericht der "Rheinischen Post" vom Dienstag. Wenn man statt Sankt Martin ein "Sonne-Mond-und-Sterne-Fest" feiern würde, fühlten sich mehr Kinder angesprochen, argumentiert der Vorsitzende Rüdiger Sagel. "Dazu braucht man keinen Sankt Martin, der dem Lichterzug auf dem Pferd voranreitet."

Zuvor hat auch die Umbenennung des Sankt-Martins-Zugs in Bad Homburg in Hessen zu einer Kontroverse geführt. Dort soll den Eltern von einer städtischen Kita mitgeteilt worden sein, der Begriff "Sonne-Mond-und-Sterne-Fest" sei politisch korrekter, weil andere Religionsgemeinschaften nicht ausgeschlossen würden.

Sankt Martin für Muslime kein Problem

Der Witz nur: Für Muslime ist der Bezug auf den populären Heiligen gar kein Problem: Das meint jedenfalls Aiman A. Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Dass Sankt Martin ein katholischer Heiliger sei, stelle für Muslime keinen Hinderungsgrund dar, sagte er der Tageszeitung "Die Welt". "Das Leben des heiligen Martin ist doch geradezu vorbildlich, auch für Muslime."

Auch Thomas Sternberg, kulturpolitischer Sprecher der CDU im NRW-Landtag, spricht von einer "Schnapsidee" und wirft der Linken "Kultur- und Geschichtsvergessenheit" vor. Martin sei eine große historische Gestalt mit sehr wichtigen Impulsen für die Sozialgeschichte Europas. 

Auch der Rottenburg-Stuttgarter katholische Bischof Gebhard Fürst will den Heiligen stark aufgewertet sehen. Für ihn ist Martin einer der bedeutendsten europäischen Glaubenszeugen und eine Orientierungsfigur. Fürst hat nicht nur die innerkirchliche Perspektive im Blick: Ein Europa, nur durch eine Währung zusammengehalten, sei wenig tragfähig. Martin, davon zeigt sich Fürst überzeugt, kann dazu beitragen, dass Europa eine Seele bekommt.

 

(KNA)

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