Machtstrukturen
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20.02.2021

Kirche tagt zu Machtmissbrauch gegen Männer Schritt aus der Tabuzone

Die katholische Kirche will Machtmissbrauch gegen Männer stärker in den Blick nehmen. Bei einer Online-Tagung zum Thema kamen 100 Teilnehmer zusammen. Erfahrungsberichte von Betroffenen und Expertenansichten standen im Mittelpunkt. 

"Männer kommen bei erlittenem Machtmissbrauch wesentlich schwieriger aus sich heraus", betonte der Beauftragte für Männerseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Ludwig Schick, nach der Konferenz. Deswegen sei diese Veranstaltung bereits ein wichtiger Schritt aus der Tabuzone. 

Erzbischof Schick: Von Betroffenen lernen

Viele bemerkten gar nicht, dass sie ihre Macht missbrauchten - andere nähmen nicht war, dass sie von Machtmissbrauch betroffen seien, schilderte der Bamberger Erzbischof eine Schwierigkeit bei der Thematik. Schick betonte, dass es wichtig sei, von den Betroffenen zu lernen und auch Expertisen von Außen einzuholen.

Prämonstratenser-Abt Hermann-Josef Kugler pflichtete ihm bei und forderte eine unabhängige Ansprechstelle. "Wo kann ich mich hinwenden und beschweren? Die Kirche selber darf es nicht sein", betonte der Vertreter der Deutschen Ordensobernkonferenz. Zudem müsse die Kirche die Rolle und das Selbstverständnis von Priestern stärker in den Blick nehmen. "Eine sakrale Überhöhung der Weihe ist bedenklich", so Kugler.

Die Auftaktveranstaltung "Als Mann von Machtmissbrauch in der Kirche betroffen" mit knapp 100 Teilnehmern wurde von der Kirchlichen Arbeitsstelle Männerseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (AfM) im Auftrag der Pastoralkommission der Bischofskonferenz und der Deutschen Ordensobernkonferenz veranstaltet.

Klare Regeln, um Machtmissbrauch zu verhindern

Erzbischof Schick forderte, bei der Auswahl von Kandidaten für kirchliche Ämter das Thema verstärkt in den Fokus zu rücken. So müsse etwa die Priesterausbildung entsprechend angepasst werden. "Außerdem muss ein jeder, der ein Amt inne hat, bereit sein, sein Leben lang zu lernen", sagte Schick.

Auch auf kirchenrechtlicher Ebene sieht der Erzbischof Handlungsbedarf. "Die freie Wahl der geistlichen Betreuung wie auch der Beichte muss gegeben sein. In manchen geistlichen Gemeinschaften ist dies nicht der Fall", sagte Schick. Er forderte zudem klarere Regeln, um Machtmissbrauch zu verhindern.

Der Leiter der Arbeitsstelle Männerseelsorge, Andreas Heek, äußerte die Hoffnung, dass die Auftaktveranstaltung betroffene Männer dazu ermutige, ihre Erfahrungen zu schildern. Der Austausch solle fortgeführt werden, unter anderem auch mit einem weiteren Treffen am 1. und 2. April 2022 in Siegburg.

(KNA)

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