Erzbischof Paul Richard Gallagher
Erzbischof Paul Richard Gallagher, vatikanischer Außenbeauftragter

22.01.2021

Vatikan bekräftigt Engagement für atomwaffenfreie Welt Besitz von Kernwaffen ist "unmoralisch"

Der Vatikan drängt auf eine weltweite völkerrechtliche Ächtung von Atomwaffen. Angesichts "schwerwiegender Bedenken" müssten Einsatz und Besitz verboten werden, sagte der päpstliche Außenbeauftragte Erzbischof Paul Richard Gallagher.

Er äußerte sich kurz vor Inkrafttreten des Atomwaffenverbotsvertrags (TPNW) an diesem Freitag gegenüber dem Portal "Vatican News". Der Atomwaffenverbotsvertrag sei das erste internationale Rechtsinstrument, das nukleare Arsenale explizit verbiete.

Dadurch werde - mit Blick auf die verschiedenen Arten von Massenvernichtungswaffen - eine gefährliche Lücke geschlossen, so Gallagher. Atomwaffen müssten, ebenso wie chemische und biologische Kampfstoffe, "stigmatisiert und entlegitimiert" werden.

Papst: Wichtiger Schritt

Tags zuvor hatte Papst Franziskus das Abkommen als einen wichtigen Schritt bezeichnet. Es war im Sommer 2017 von 122 Staaten bei den Vereinten Nationen in New York verabschiedet worden. Mehr als 80 Länder haben es bisher unterzeichnet, darunter auch der Heilige Stuhl als eigenes Völkerrechtssubjekt. Deutschland zählt nicht dazu.

Bereits auf einem Vatikan-Symposium 2017 hatte Franziskus nukleare Abschreckung als ethisch nicht mehr vertretbar bezeichnet und damit die katholische Lehre gegenüber Positionen aus dem Kalten Krieg verschärft. Bei einem Besuch im japanischen Hiroshima im November 2019 verurteilte er schon den Besitz von Kernwaffen als "unmoralisch".

Abschaffung von Atomwaffen "moralische und humanitäre Pflicht"

In der im Oktober veröffentlichten Enzyklika "Fratelli tutti" verlangte das Kirchenoberhaupt die vollkommene Abschaffung von Atomwaffen als "moralische und humanitäre Pflicht". Die eingesparten Rüstungsausgaben sollten in einen Weltfonds fließen, "um dem Hunger ein für alle Mal ein Ende zu setzen und die Entwicklung der ärmsten Länder zu fördern".

Gallagher bekräftigte diese Haltung und betonte, dass Fortschritte bei der nuklearen Abrüstung nur durch Dialog und Multilateralismus zu erzielen seien. Schuldzuweisungen brächten keinen Erfolg. Das gelte auch für das am 5. Februar endende New-Start-Abkommen zwischen Russland und den USA. Die bilaterale Übereinkunft enthält eine Begrenzung der Nuklear-Arsenale beider Länder.

(KNA)

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