Armin Laschet
Armin Laschet

21.01.2021

Laschet und die Kirche Wird es eine Erfolgsgeschichte?

Die Wahl Armin Laschet zum neuen Vorsitzenden der CDU dürfte auch der Kirche entgegenkommen. Laschet beruft sich auf das christliche Menschenbild als Grundlage der Politik, allerdings mit anderer Gewichtung als seine Konkurrenten.

Armin Laschet ist schon von seiner persönlichen Vita her kirchlich geprägt. In seiner beruflichen Laufbahn war der gelernte Journalist und Jurist unter anderem Chefredakteur der Kirchenzeitung für das Bistum Aachen und Geschäftsführer des Aachener Einhard Verlags. Von 2007 bis 2016 engagierte er sich im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).

Als Ministerpräsident pflegt er ein betont freundliches Verhältnis zu den Kirchen. Bei einer Privataudienz holte er sich unlängst noch den Segen von Papst Franziskus, den er wiederum zu einem Besuch in Deutschland einlud. Im Gegensatz zu den anderen Regierungschefs vermied der nordrhein-westfälische Ministerpräsident auch beim ersten Corona-Lockdown einen direkten Eingriff des Staates in die Religionsfreiheit, setzte stattdessen auf die Selbstverpflichtung der Kirchen und Religionsgemeinschaften.

Zugleich hielt sich der CDU-Politiker bei öffentlichen Bewertungen innerkirchlich strittiger Fragen bislang zurück. Thomas Sternberg stört das augenscheinlich nicht. "Ich glaube, da haben wir jemanden, der nicht nur kirchlich ist, sondern dem auch unsere christlichen Intentionen wichtig sind", begrüßte der ZdK-Präsident Laschets Wahl gegenüber DOMRADIO.DE.

Was versteht er unter dem "C"?

Was er näherhin unter dem "C" versteht, verdeutlichte Laschet 2018 pointiert angesichts von Forderungen, die CDU müsse konservativer werden. So betonte er, dass das "C" eben nicht für konservativ stehe, sondern dafür, dass das christliche Menschenbild in konkrete Politik umzusetzen sei. Mehr noch: Die Forderung, konservativer zu werden, stehe "möglicherweise im Kontrast zum Christlichen", erläuterte er seinerzeit in einem Interview der KNA. Im Vorstellungsvideo zur Wahl auf der Website der CDU stellte er sich jetzt in die christsoziale Tradition einer Rita Süssmuth und eines Heiner Geißler.

Ein entscheidender strategischer Kopf hinter Laschets Erfolg ist Nathanael Liminski, der erstmals als Mitinitiator der "Generation Benedikt" beim Weltjugendtag 2015 medial für Aufmerksamkeit sorgte - mit konservativ-katholischen Positionen. 2017 berief der neue NRW-Ministerpräsident das politische Naturtalent mit gerade mal 32 Jahren zum jüngsten Staatskanzleichef Deutschlands.

Unter den drei Kandidaten steht Laschet für politische Kontinuität bei den Christdemokraten. Dabei kann er auf die Unterstützung von Bundeskanzlerin Angela Merkel rechnen. Er wird also weiter das Konzept einer Volkspartei verfolgen, die ihre politische Macht nicht aus scharfen Abgrenzungen, sondern der Fähigkeit zur Integration unterschiedlicher Überzeugungen bezieht.

So stand auch seine Bewerbungsrede ganz im Zeichen der Bedeutung des Vertrauens für die Politik und den Zusammenhalt der Gesellschaft. Als Kandidat der Mitte wandte er sich gegen "jede Form von Polarisierung". Das integrative Verständnis unterschied ihn von der eher konservativen-wirtschaftsliberalen Positionen eines Friedrich Merz, der auf Unterscheidbarkeit, klare Kante und schärfere Identität der Partei gesetzt hatte.

Die CDU scheint doch gespalten

Dass dieser bei der Online-Stichwahl immerhin 466 Stimmen erzielte, zeigt allerdings, wie gespalten die CDU ist. Norbert Röttgen versicherte Laschet sofort nach der Wahl seine uneingeschränkte Unterstützung und ließ sich in das Präsidium wählen. Nicht so Merz.

Er forderte noch am Tag der Niederlage den Posten des Wirtschaftsministers - eine Chuzpe, die selbst treueste Mitstreiter wie Carsten Linnemann "mehr als irritiert" zurückließ. Inzwischen hat sich aber auch der Unterlegene hinter Laschet gestellt und seine Anhänger aufgerufen, dasselbe zu tun. Immerhin traut die überwiegende Mehrheit der CDU-Anhänger Laschet zu, dass er die Partei "zusammenhalten und zusammenführen" kann.

Nur so wird er auch das ganze Gewicht der Christdemokraten bei der anstehenden Entscheidung über die Kanzlerkandidatur in die Waagschale legen können. Denn bislang liegt er laut Umfragen noch hinter dem bayrischen Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Der aus einer evangelisch-lutherisch geprägten Familie stammende Nürnberger weist zwar verbal die Ambitionen von sich, gehört aber neben Laschet und Jens Spahn zu den Thronprätendenten. Laschet teilt mit Merkel neben dem politischen Grundverständnis auch eine weitere Eigenschaft: Er wurde bislang immer unterschätzt.

Christoph Scholz
(KNA)

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