Annette Schavan im Gespräch
Annette Schavan im Gespräch
Annette Schavan im Kölner Dom
Annette Schavan im Kölner Dom
Der Kölner Diözesanvorstand mit der Theologin Annette Schavan
Der Kölner Diözesanvorstand mit der Theologin Annette Schavan
Annette Schavan
Annette Schavan

10.06.2020

Frühere Botschafterin am Heiligen Stuhl Schavan wird 65 Jahre alt "Alles hat seine Zeit"

Als Bundesbildungsministerin hat sie starke Akzente gesetzt. Annette Schavan hat eine steile politische Karriere mit vielen Höhen und Tiefen gemacht. An diesem Mittwoch wird sie 65 Jahre alt.

Wer sie auf ihrer Homepage besucht, wird gleich mit einem Bibelzitat begrüßt. "Das biblische Wort, wonach alles seine Zeit hat, begleitet mich seit Jahrzehnten", schreibt Annette Schavan auf der Startseite. "Es hilft mir auch heute, gelassen zu sein in all jenen Situationen, in denen die Aufregung um sich greift und wir glauben, unsere Probleme seien größer als die der früheren Generationen."

Politische Karriere mit vielen Höhen und Tiefen

Gelassenheit und Abgeklärtheit - und das alles bei einer politischen Karriere mit vielen Höhen und Tiefen. Am Mittwoch wird die gebürtige Rheinländerin 65 Jahre alt. Aufgewachsen im rheinischen Neuss, studierte sie katholische Theologie, Philosophie und Erziehungswissenschaft in Bonn und Düsseldorf.

1980 begann sie ihre berufliche Laufbahn bei der Studienförderung Cusanuswerk in Bonn. 1991 übernahm sie die Leitung des Begabtenförderungswerks der katholischen Kirche. In die Politik holte sie die ebenfalls kirchlich engagierte CDU-Politikerin Rita Süssmuth.

Deutliche Akzente setzte Schavan insbesondere von 2005 bis 2013 als Bundesministerin für Bildung und Forschung. Wissenschaftsorganisationen und selbst die Opposition würdigten ihren Beitrag zur Stärkung von Wissenschaft und Forschung in Deutschland und für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wissenschaft und Hochschulen. Mit ihrer Amtszeit verbinden sich Initiativen wie die Fortsetzung und Weiterentwicklung der Exzellenzinitiative, der Pakt für Forschung und Innovation und der Hochschulpakt 2020.

Nach Plagiatsvorwurf trat sie als Ministerin zurück

Im Mai 2012 geriet Schavans Dissertation "Person und Gewissen. Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung" aus dem Jahre 1980 unter Plagiatsverdacht. Die Ministerin wies die Täuschungsvorwürfe stets zurück. Als sie im Februar 2013 ihren Doktortitel zurückgeben musste, trat sie auch als Ministerin zurück. Alle Versuche, die Entscheidung der Universität Düsseldorf rückgängig machen zu lassen, scheiterten vor Gericht.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ Schavan nur sehr ungern ziehen. Wie groß die Wertschätzung war, zeigte sich dann bei der Ernennung Schavans zur deutschen Botschafterin beim Heiligen Stuhl im Jahr 2014. Bis 2018 gelang es der Nicht-Diplomatin, die Botschaft im Vatikan zu einer wichtigen Drehscheibe für Politiker, Wissenschaftler und Religionsvertreter aus aller Welt zu machen.

Dank ihrer Kontakte in Politik und Wissenschaft ging sie theologische ebenso wie politische Themen an: Gesprächsabende mit Kardinälen und Bischöfen sowie Vertretern von Islam und Judentum; Konferenzen an der Päpstlichen Universität Gregoriana zur Kirchengeschichte oder zum Klimaschutz gemeinsam mit den Botschaften Georgiens und der Niederlande.

Langjähriges Mittglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken

Überhaupt zieht sich das kirchliche Engagement durch ihren Lebenslauf. Während ihrer steile Karriere bis zur stellvertretenden CDU-Vorsitzenden und in öffentlichen Ämtern bis hin zur Kultusministerin in Baden-Württemberg und zur Bundesbildungsministerin war Schavan Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) - von 1994 bis 2005 als dessen Vizepräsidentin.

Wie Norbert Lammert, Bernhard Vogel oder Erwin Teufel gehörte sie zur Gruppe der kirchlich engagierten Laienkatholiken in der CDU, die sich immer wieder auch zu innerkirchlichen Fragen äußern und dabei mitunter römische Positionen infrage stellten. So widersprach sie in der Debatte um die Stammzellforschung und die Präimplantationsdiagnostik (PID) der vom Vatikan empfohlenen Haltung eines klaren Neins.

"Meine Zeit als aktive Politikerin ist zu Ende gegangen. Ein politischer Mensch werde ich bleiben", so heißt es zur jetzigen Situation auf Schavans Homepage. "Jetzt ist die Zeit, meine Erfahrungen in die Gesellschaft einzubringen - in Stiftungen, bei internationalen Initiativen und Vortragsreisen, in den deutsch-chinesischen Dialog."

Gastprofessorin an Universität in Shanghai

Derzeit ist Schavan Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft. Zudem widmet sie sich als Gastprofessorin an der Shanghai International Studies University sowie als Co-Vorsitzende des Deutsch-Chinesischen Dialogforums dem Dialog mit China.

Christoph Arens
(KNA)

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