Blick in einen Gerichtssaal
Blick in einen Gerichtssaal
Statue einer Madonna auf dem Gelände des ehemalige Klosters Trisulti
Statue einer Madonna auf dem Gelände des ehemalige Klosters Trisulti
Innenhof des ehemaligen Klosters Trisulti
Innenhof des ehemaligen Klosters Trisulti
Ortseingangsschild und Blick auf das ehemalige Kloster Trisulti
Ortseingangsschild und Blick auf das ehemalige Kloster Trisulti

02.06.2020

Akademie für Europas Rechtspopulisten behauptet sich vor Gericht Trisulti weiter in Bannons Hand

Ein Kulturkampf-Projekt in der Abtei Trisulti bei Rom erlebt unerwarteten Aufwind. Das Kulturministerium scheitert erneut mit der Räumung. Derweil plant die Akademie die Eroberung des Abendlandes mit "Webinaren".

Eine umstrittene Akademie in der traditionsreichen Abtei Trisulti in Latium erfährt unerwarteten Aufwind: Schon totgesagt, will die vom US-Rechtspopulisten Steve Bannon geplante "Gladiatorenschule für Kulturkämpfer" nach Pfingsten mit Einschreibungen beginnen - zeitgemäß für Online-Kurse. Unterdessen bekommt der Träger in Trisulti, das "Dignitatis Humanae Institute" (DHI), gerichtliche Rückendeckung gegen den italienischen Staat.

Lange Zeit sah es nicht gut aus für das Projekt, das nach dem Willen Bannons, Ex-Chefstratege von US-Präsident Donald Trump, eine Kaderschmiede der europäischen Rechten werden soll. Der für den Frühsommer 2019 angekündigte Auftakt in Rom entfiel; dann war vom Herbst die Rede. Derweil löste das DHI sein römisches Büro auf. Alleiniger Standort ist seitdem die knapp zwei Autostunden entfernte mittelalterliche Kartause Trisulti in den Monti Ernici.

Digitales Lernen liegt im Trend

In dem 800 Jahre alten Gemäuer hätten den Schülerkreis der "Akademie für den jüdisch-christlichen Westen" Metallpritschen, grobe Wolldecken und frei hängende Glühbirnen erwartet. DHI-Leiter Benjamin Harnwell, in vielen Jahren als britischer Abgeordnetenreferent in Brüssel zum fundamentalen EU-Skeptiker gewandelt, kokettierte mit der spartanischen Ausstattung: Wer Europa aufräumen wolle, müsse hart im Nehmen sein. Konkrete Angaben zu Interessierten, Referenten und Inhalten machte Harnwell nie.

Noch jetzt, kurz vor dem Start der Ausschreibung, gibt er keine Einzelheiten preis. Die Veranstaltungen sollen online stattfinden und "von den Vereinigten Staaten aus organisiert und durchgeführt" werden, erklärte Harnwell am Mittwoch. Digitales Lernen liegt seit Corona im Trend.

Staat will vor das Oberste Gericht ziehen

Seinen größten Erfolg aber verbuchte das Institut jüngst mit einem Sieg vor Gericht. Anfang 2018 hatte das Kulturministerium, damals mit dem Linksdemokraten Dario Franceschini an der Spitze, dem DHI die denkmalgeschützte Abtei Trisulti zur Bewirtschaftung übertragen. Kritik an der Vergabe riss nicht ab. Vergangenen Sommer warf der neue Kulturminister Alberto Bonisoli von der Fünf-Sterne-Bewegung dem DHI Täuschung vor und kündigte einen Rauswurf an. Auch nach einem erneuten Regierungswechsel im September betrieb das Ministerium, jetzt wieder unter Franceschini, den Entzug der Pacht. Die Bürokraten berannten die Feste Trisulti vergeblich.

Das Verwaltungsgericht in Latium befand in zwei Instanzen die Räumungsforderung für willkürlich und damit nichtig. Nach dem am Dienstag veröffentlichten Berufungsurteil schien den Richtern die Neuinterpretation der Vergabegrundlagen durch das Ministerium eher vom gesellschaftlichen und politischen Widerstand gegen das DHI bestimmt. Das passt zu Harnwells Sicht, der die "übermächtige politische Linke" am Werk sieht. Der Staat will jetzt vor das Oberste Gericht ziehen.

Italienisches Kulturgut retten

Bannon, der im Zusammenhang mit dem DHI länger nichts hatte von sich hören lassen, schlug in einer Reaktion auf das Urteil einen beschützerhaften Ton an: "Wir haben zum Kloster, zur Ortsgemeinde und zu Italien während der Pandemie gestanden, als es leicht gewesen wäre zu gehen", erklärte er. Das beginnende akademische Programm werde die Welt "erfolgreicher, sicherer und gesünder für jeden" machen.

Ähnlich äußerte Harnwell die Hoffnung, nun die Restaurierung des Klosters angehen zu können - sprich: italienisches Kulturgut zu retten. Es ist ein dorniges Thema. Das DHI hatte für die stark sanierungsbedürftige Anlage über 19 Jahre hinweg Investitionen von durchschnittlich 100.000 Euro zugesagt; die politische Gemeinde Collepardo spekulierte auf eine jährliche Immobilienabgabe von 82.000 Euro. Ministerium und Kommune beklagten Säumigkeiten.

Harnwell beteuert, das Institut habe "die nötigen Mittel, um allen Verpflichtungen nachzukommen". Bisher speiste sich die Unternehmung vor allem aus der Kriegskasse Bannons. Ob der Akademiebetrieb Erträge abwirft, steht dahin. Für den Augenblick setzt das DHI auf eine vielversprechende Doppelstrategie: Das Tauziehen um die mittelalterliche Bilderbuchabtei dient als Parabel für die Verteidigung des christlichen Erbes; aber der eigentliche Kampf ums Abendland wird digital geführt.

Burkhard Jürgens
(KNA)

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