30 Jahre Grüne in NRW und ihr Verhältnis zur Kirche
30 Jahre Grüne in NRW und ihr Verhältnis zur Kirche

18.05.2020

30 Jahre Grüne in NRW und ihr Verhältnis zur Kirche "Fleisch vom Fleische der Kirche"

Als vor 30 Jahren die ersten zwölf Grünen-Abgeordneten in den NRW-Landtag einzogen, herrschte Sprachlosigkeit bei den Bischöfen. Doch man hatte mehr gemeinsam, als gedacht. Bei einigen Themen hakt es aber nach wie vor.

DOMRADIO.DE: Wie war das damals, dieses Verhältnis zwischen Kirche und den Grünen?

Antonius Hamers (Leiter des Katholischen Büros in Düsseldorf): Wenn man sich die Bilder von vor 30 Jahren ansieht, war das schon eine ziemlich bunte Truppe. Man kann sich auch im Nachhinein noch vorstellen, dass einige der Bischöfe durchaus Schwierigkeiten mit den Grünen und vor allem auch mit deren politischen Positionen hatten. Es gab sogar in den 80er Jahren Unvereinbarkeitserklärungen, also dass Bischöfe gesagt haben: "Als Katholik kann man diese Grünen nicht wählen."

Zugleich war es von Anfang an so, dass eine ganze Reihe von unseren eigenen Leuten – also Leuten, die aus der Jugendarbeit kamen – bei den Grünen aktiv geworden sind. Insofern kann man sagen, dass in gewisser Weise die Grünen Fleisch vom Fleische der Kirche sind.

DOMRADIO.DE: Welche Themen waren denn damals die Aufreger?

Hamers: Die Aufreger waren vor allem Themen, die die Gleichberechtigung anging. Ein wichtiges Streitthema war sicherlich die Frage der Abtreibung. Daran hat man sich sehr aufgerieben. Daran sind leider dann wiederum andere Themen, bei denen man Gemeinsamkeiten hat, wie zum Beispiel beim Umweltschutz, bei der Bewahrung der Schöpfung, etwas in den Hintergrund gerückt.

DOMRADIO.DE: Und wie war der Ton damals? Sind die sich richtig angegangen oder haben die sich nur belauert?

Hamers: Es hat zum Teil auch deutliche und kräftige Äußerungen gegeben. Es hat zunächst mal eine gewisse Sprachlosigkeit geherrscht. Aber es gab, gottseidank, einige Leute, die aus dem Umfeld unserer katholischen Jugendarbeit gekommen sind und die dann maßgeblich mit dazu beigetragen haben, dass aus dieser Sprachlosigkeit eine Sprachfähigkeit geworden ist.

DOMRADIO.DE: Ist das heute noch so, dass bei den Grünen auch Menschen aus dem katholischen Umfeld aktiv sind?

Hamers: Durchaus. Es gibt nach wie vor eine ganze Reihe, die auch eine Nähe zur katholischen Kirche haben, die dadurch sehr geprägt sind. Nicht zuletzt unser Engagement, gerade im Jugendbereich, wird von vielen bei den Grünen durchaus auch geschätzt – nach wie vor.

DOMRADIO.DE: Sie haben es schon angedeutet. Es gibt heute jede Menge Überschneidungen. Vor allem seit der Papstenzyklika "Laudato si", wo ja der Umweltschutz, die Bewahrung der Schöpfung, ganz oben steht. Wie ist das Verhältnis heute?

Hamers: Es gibt eine ganze Reihe von Politikfeldern, in denen es große Übereinstimmungen gibt. Natürlich gibt es auch Fragestellungen, wo man nicht übereinstimmt. Gerade im Bereich der Schöpfungsbewahrung, finde ich, gibt es sehr viele Anknüpfungspunkte. Aber auch wenn es um die Frage der Flüchtlinge geht, gibt es eine ganze Reihe von Übereinstimmungen.

Aber lassen Sie uns kurz bei dem Thema Schöpfungsbewahrung verharren. Ich glaube, dass dieses Thema ist von den Grünen überhaupt erst zum großen gesellschaftlichen Thema gemacht worden. Ich glaube, dass gerade das auch für uns als Kirche ein wichtiges Thema ist. Das hat Papst Franziskus aufgegriffen. Man darf nicht vergessen, dass Papst Benedikt XVI. das ja damals bei seiner Rede vor dem Bundestag aufgegriffen hat. Die Frage der Bewahrung der Schöpfung ist insofern ein Thema, das uns als Kirche schon länger bewegt, aber Gott sei Dank ist es jetzt durch "Laudato si" nochmal stärker in den Fokus gerückt ist.

DOMRADIO.DE: Und wo hakt es heute noch besonders?

Hamers: Ich glaube, dass wir als Kirche auch durchaus eine ganze Menge von den Grünen gelernt haben. Die Grünen haben Themen gesetzt, die auch für uns als Kirche nach und nach wichtig geworden sind und die wir ja auch aufgegriffen haben. Die Grünen haben meines Erachtens in der Gesellschaft Prozesse angestoßen, die wichtig waren. Nehmen wir die Frage des Flüchtlingsschutzes. Oder eine höhere Akzeptanz der Menschen, die einen Migrationshintergrund haben und die in unserem Land leben: nicht nur Flüchtlinge, sondern auch Leute, die als Arbeitsmigranten zu uns gekommen sind. Auch, was Akzeptanz und Respekt vor Minderheiten angeht.

Nicht zuletzt auch für das Thema Homosexualität. Ich glaube, dass die Grünen das durchaus auch positiv in die Gesellschaft und damit auch zu uns als Kirche gebracht haben. Das sind zugleich Themen, bei denen es nach wie vor hakt. Bei "Ehe für alle" sind wir natürlich nicht einer Meinung. Aber wenn es darum geht, Menschen mit Achtung, Respekt gegenüber zu treten, dann glaube ich, haben wir ja eine ganze Menge von den Grünen lernen können. Da haben die Grünen Diskussionen und gesellschaftliche Entwicklungen angestoßen – und da haben wir als Kirche auch etwas von gehabt.

Das Interview führte Heike Sicconi. 

(DR)

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