Bundesregierung, Bundestagspräsidium und Fraktionen gedenken der Opfer des Anschlags von Hanau
Bundesregierung, Bundestagspräsidium und Fraktionen gedenken der Opfer des Anschlags von Hanau
Markus Grübel ist Beauftragter der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit
Markus Grübel ist Beauftragter der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit

06.03.2020

Religionsbeauftragter zur Bundestagsdebatte über rassistische Gewalt "Feindbildern den Nährboden entziehen"

Der Bundestag hat nach dem Anschlag von Hanau über rassistische Gewalt debattiert. "Der Terror in Deutschland kommt von rechts außen", sagt Markus Grübel, der Religionsbeauftragte der Bundesregierung. Die AfD trage eine Mitverantwortung.

DOMRADIO.DE: Wie wichtig ist es, dass die Vorfälle von Hanau nun an so prominenter Stelle - im Bundestag - diskutiert wurden und werden?

Markus Grübel (CDU-Bundestagsabgeordneter und Religionsbeauftragter der Bundesregierung): Die Debatte war am Donnerstag in der sogenannten Kernzeit, die Zeit für die wichtigsten Debatten. Und genau da gehört sie hin. Das sind wir den Opfern und den Familien der Opfer schuldig. Das sind wir aber auch unserem Land schuldig, damit sich solche Vorfälle nicht wiederholen können.

Diese Anschläge von Halle und Hanau, um die es ging, waren auch Anschläge auf die Religionsfreiheit in Deutschland. Es waren Anschläge gegen Juden und Muslime. Und wir müssen als Abgeordnete, als Regierung, massiv dagegen vorgehen. Unser Forum als Parlament ist die Parlamentsdebatte. Und darum war es gut und richtig, das genau in der Kernzeit - in der wichtigsten Debattenzeit - zu besprechen.

DOMRADIO.DE: Ihr Fraktionschef Ralph Brinkhaus hat im Bundestag gesagt: "Was uns als Politiker erschüttern muss, ist die Tatsache, dass Menschen in diesem Land wieder Angst haben - weil sie einer bestimmten Gruppe angehören, weil sie einen bestimmten Glauben haben und weil sie das Gefühl haben, der Staat kann sie nicht schützen." Würden Sie dem zustimmen? Müssen Menschen in Deutschland heute Angst wegen ihrer religiösen Überzeugung haben?

Grübel: Die Anschläge zeigen, dass sie Grund zur Angst haben. Die Reaktionen darauf zeigen aber auch, dass wir den Kampf aufnehmen, dass wir Feindbildern entgegentreten wollen, dass wir Zerrbilder im Kopf beseitigen wollen, dass wir den Terror als solchen klar benennen, dass wir auch sagen, wo der Terror herkommt.

Aktuell ist: Der Terror in Deutschland kommt von rechts außen. Wir sagen auch, wo er einen Nährboden findet - ganz besonders in den sozialen Netzwerken, wo Zerrbilder und Feindbilder verstärkt werden. Darum ist richtig: Es gibt Anlass zur Sorge. Es gibt aber auch einen Grund, tätig zu werden und das nicht einfach so stehen zu lassen, sondern dem mit Aktivitäten zu begegnen.

DOMRADIO.DE: Haben Sie ein Beispiel, was Sie als Religionsbeauftragter und die Regierung tun, um den Menschen die Angst zu nehmen?

Grübel: Das eine sind die Maßnahmen der Polizei. Wir hatten ja schon eine Aufstockung der Polizei - auch Kriminalpolizei und Bundesverfassungsschutz. Wir brauchen aber auch, um den Nährboden zu entziehen, Begegnung mit den Menschen, die aus anderen Ländern stammen, mit Menschen, die eine andere Religion haben.

Darum fordere ich: Wir müssen mehr wissen über das Judentum, über den Islam, auch über das Christentum. Wir brauchen eine verstärkte Information im Unterricht und in den Medien. Die Synagogen, Moscheen und Kirchen müssen sich öffnen und informieren über die verschiedenen Religionen, damit solche Feindbilder und Zerrbilder nicht entstehen.

DOMRADIO.DE: Nur wenige Stunden nachdem der Generalbundesanwalt erklärt hatte, dass die Morde von Hanau mutmaßlich auf das Konto eines Täters mit rassistischer Gesinnung gingen, haben Politiker von Linken, Grünen, SPD, FDP und Union einen Zusammenhang zur AfD hergestellt. Schließen Sie sich dem an? Trägt die AfD eine Mitverantwortung?

Grübel: Ja, die AfD trägt eine Verantwortung, weil sie mit Feindbildern arbeitet. Ich nenne da zum Beispiel die Äußerungen der Abgeordneten Alice Weidel, die von Messerstechern, Kopftuchmädchen und so weiter gesprochen hat und im Grunde eine ganze Religionsgemeinschaft damit ausgegrenzt hat. Wer mit solchen Feindbildern arbeitet, der bereitet den Boden für Einzeltäter, die solche Straftaten verüben. 

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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