Staatsschutz ermittelt wegen "Malbuch" bei AfD-Veranstaltung
Staatsschutz ermittelt wegen "Malbuch" bei AfD-Veranstaltung
Ein von der AfD verteiltes "Malbuch" ruft den Staatsschutz auf den Plan
Ein von der AfD verteiltes "Malbuch" ruft den Staatsschutz auf den Plan
Staatsschutz ermittelt wegen "Malbuch" bei einer AfD-Veranstaltung
Staatsschutz ermittelt wegen "Malbuch" bei einer AfD-Veranstaltung

18.02.2020

Katholische Kirche gegen AfD-"Malbuch" Bann für braune Bücher!

Bei einer AfD-Veranstaltung in Krefeld lag ein offenkundig rassistisches und fremdenfeindliches "Malbuch" aus. Der Staatsschutz ermittelt. Die Katholische Kirche protestiert. Ein Kommentar.

Es verschlägt einem die Sprache! Was das sogenannte "Malbuch" der AfD in Kinderhänden anrichten kann, möchte man sich lieber gar nicht ausmalen. Die Ausmalbilder für Kinder sind rassistisch und fremdenfeindlich - wie anders soll man vollverschleierte Menschen mit Messer in der Hand bezeichnen? Es ist daher gut, dass der Staatsschutz wegen Volksverhetzung die Ermittlungen aufgenommen hat. Dass die AfD Verantwortlichen nicht nur provozieren, sondern diesen ganzen Schund noch als "Kunstband mit satirischen Skizzen zur Lage des Landes" verteidigen und so auch noch die Freiheit der Kunst pervertieren, spricht für sich.

Nein, gerade unser Land Nordrhein-Westfalen ist nicht fremdenfeindlich, sondern seit Jahrzehnten von einer Kultur geprägt, in der Fremde immer wieder neu eine Heimat finden. Hilfsaktionen, wie das vom Kölner Erzbistum initiierte Integrationsprojekt "Neue Nachbarn“ unterstreichen das. Es ist gut, richtig und wichtig, dass die Kirche hier nicht sprachlos bleibt. Denn wenn die AfD jetzt schon versucht, Hetze und Hass in die Kinderzimmer zu bringen, kann es nur eine Antwort geben: NEIN - nie wieder! Nie wieder dürfen bei uns braune Propagandabücher das Klima vergiften. Gerade in einem Land, wo "entartete" Bücher massenhaft verbrannt wurden, müssen solche braunen Malbücher schnell und dauerhaft verbannt werden. Die verantwortungslosen AfD-Provokateure müssen sich dafür schämen und vor Gericht verantworten. Uns allen darf es aber gerade beim Thema Fremdenfeindlichkeit und Hass niemals die Sprache verschlagen!

Lesen Sie hier alle Kommentare von Ingo Brüggenjürgen.

Hintergrund:

Bei einer Veranstaltung der AfD-Landtagsfraktion NRW in Krefeld sollen fremdenfeindliche "Malbücher" verteilt worden sein. Der Staatsschutz ermittele wegen Volksverhetzung in der Sache, sagte eine Polizeisprecherin am Dienstag in Krefeld auf Anfrage. Die Staatsanwaltschaft werde die Angelegenheit ebenfalls prüfen. Die "Westdeutsche Zeitung" hatte zuvor berichtet.

Das Heft trägt den Namen "Nordrhein-Westfalen zum Ausmalen". Darin werden bewaffnete Menschen unter türkischer Flagge gezeigt - anscheinend bei einem Autokorso. Unter dem Banner "Wir baden das aus" sind in einem Schwimmbad Vollverschleierte und eine Hand mit Messer zu sehen.

SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty nannte das Ausmalbuch "rassistisch". Über die AfD twitterte er: "Jetzt will sie schon Kinder mit ihrer menschenverachtenden Ideologie aufstacheln. Dieses Buch gehört in die braune Tonne."

Die AfD-Landtagsfraktion wertete die Kritik dagegen als "Angriff auf die Kunst- und Satirefreiheit". Es handele sich um einen "Kunstband mit satirischen Skizzen zur Lage des Landes". Er sei "angelehnt an ein Malbuch für Erwachsene". AfD-Fraktionschef Markus Wagner wird mit den Worten zitiert: "Da haben wir wieder einen Treffer gelandet. Kunst muss nicht nur von links kommen."

Aachener Dompropst: Abscheuliche Ziele

Es handele sich bei der Schwimmbad-Zeichnung nicht um Schwarze mit Knochen im Haar, so die AfD, sondern um "Badekappen von Mitteleuropäerinnen". Anderweitige Behauptungen seien "absurd". In einer Pressemitteilung wird Fraktionschef Wagner weiter zitiert: "Wenn Antifa-Extremisten die Kunstfreiheit angreifen, kann es nur eine Antwort geben: Wir erhöhen die Auflage!"

Auch das Bistum Aachen hat sich am Dienstag geäußert. Dompropst Rolf-Peter Cremer sagte DOMRADIO.DE: "Ein solches Malbuch ist schon diskriminierend für die Hand von Erwachsenen. Welche abscheulichen Ziele stecken wohl dahinter, wenn Kinder die Zielgruppen sind?"

Der Leiter der Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte, Bastian Fleermann, sagte der "Bild"-Zeitung: "Das sind sehr fremdenfeindliche Bilder. Sie bedienen rassistische Klischees, sind sehr stigmatisierend."

(DOMRADIO.DE, dpa, 18.02.2020)

(dpa, DR)

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