Münchner Sicherheitskonferenz
Münchner Sicherheitskonferenz
Reinhard Kardinal Marx
Reinhard Kardinal Marx

13.02.2020

Kirche mischt bei der Münchner Sicherheitskonferenz mit Podium zu atomarer Abrüstung mit Kardinal Marx

Bei der Münchner Sicherheitskonferenz war die Kirche bisher nur Zuschauer. Eine transatlantische Koalition von Bildungsträgern hat sich formiert, um das zu ändern. Ihr erster Beitrag wartet mit prominenter Besetzung auf.

Wenn die Einflussreichen der Welt jedes Jahr im Februar drei Tage in München Fragen von Krieg und Frieden erörtern, lässt sich im Publikum regelmäßig Kardinal Reinhard Marx ausmachen. Er hat es ja nicht weit. Das Tagungshotel "Bayerischer Hof" ist nur einen Katzensprung von seiner Dienstwohnung entfernt.

Podiumsdiskussion mit Kardinal Marx

An diesem Donnerstag wird der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz erstmals selbst eine Podiumsdiskussion bestreiten. Seine Gesprächspartner sind zwei ehemalige Außenminister, Joschka Fischer und die US-Amerikanerin Madeleine Albright. Es geht um ein Thema, das derzeit wenig Fürsprecher hat in der internationalen Politik: atomare Abrüstung.

Es war Papst Franziskus, der zuletzt in beispielloser Schärfe Bau und Besitz von Atomwaffen als unmoralisch verurteilte. Für seinen Appell, Frieden ohne solche Waffen zu schaffen, nutzte Franziskus im vergangenen November einen Besuch im japanischen Hiroshima, also den Ort des ersten Atombombenabwurfs der Geschichte. "Little Boy" nannten die Amerikaner die Bombe zynisch, die am 6. August 1945 explodierte.

Etwa 70.000 Menschen waren sofort tot. Mindestens noch einmal so viele starben später an den Folgen radioaktiver Strahlung.

Marx will mit seinen prominenten Gesprächspartnern am Vorabend der offiziellen Eröffnung der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) über die Erfolgsaussichten der päpstlichen Initiative reden - angesichts neuer Nuklearwaffenprogramme in Nordkorea und Iran sowie der Erosion multilateraler Abkommen.

Die Sicherheitskonferenz ist längst keine Wehrkundetagung mehr. Auch das noch aus dem Kalten Krieg stammende Etikett "transatlantisches Familientreffen" hat sie hinter sich gelassen. Nach 1989 kamen Russen, Chinesen, Inder, Brasilianer und Araber. Zu Staatsoberhäuptern, Generälen und Militärberatern gesellen sich heute Firmenlenker, Menschenrechtler und Umweltschützer. Während vor den Türen Rüstungsgegner demonstrieren.

Sich selbst versteht die MSC als führendes Debattenforum, bei dem offizielle und inoffizielle diplomatische Initiativen gestartet und besprochen werden können. Ihr Regisseur, der einstige deutsche Topdiplomat Wolfgang Ischinger, steht im Ruf eines ehrlichen politischen Maklers.

"Schutz des gemeinsamen Hauses" weiterdenken

Zum Programm zählen inzwischen hunderte "Side-Events" wie das mit Marx, Fischer und Albright. Um die drei zusammenzubringen, hat die Münchner Hochschule für Philosophie (HfPh) ihr internationales Netzwerk genutzt, zu dem auch die vom Jesuitenorden getragene Georgetown-Universität in Washington zählt, an der Albright als Professorin lehrt.

Deshalb hat HfPh-Präsident Johannes Wallacher das dortige Berkley Center for Religion, Peace and World Affairs mit ins Boot geholt, zusätzlich zu seinen deutschen Partnern, der Kommission Justitia et Pax und der Katholischen Akademie in Bayern, wo das Podium stattfinden wird. Im Verbund sollen kirchliche Begleitveranstaltungen als fester Bestandteil der MSC etabliert werden.

Wallacher sagt, es gelte, den von Papst Franziskus in seiner Enzyklika "Laudato si" beschworenen "Schutz des gemeinsamen Hauses" weiterzudenken. Wegen Umweltzerstörung und Klimaerwärmung stehe dieses Haus bereits in Flammen. Dass, um im Bild zu bleiben, in jedem Stockwerk auch noch gefährlicher Sprengstoff herumliege, sei verheerend.

Die Initiative kommt Akademiedirektor Achim Budde gelegen, der sein Haus planmäßig für neue Zielgruppen öffnen und wieder stärker in aktuellen Debatten platzieren will. Die auf 300 Zuhörer begrenzte Veranstaltung sei 24 Stunden nach ihrer Ausschreibung ausgebucht gewesen, das Medieninteresse enorm. "Diese Resonanz hat uns dann doch überrascht", sagt Budde und hofft, dass "die guten kirchlichen Impulse" zum Thema eine Brücke bauen zwischen der von vielen als hermetischer Zirkel wahrgenommenen Sicherheitskonferenz und "denen da draußen".

Gebete werden die ganze Konferenz begleiten. Christliche Initiativen laden zur Teilnahme ein, auch Juden, Buddhisten, Muslime und Bahai wollen mitmachen. In der Christophorus-Kapelle am Münchner Flughafen wird eine Friedenskerze brennen.

von Christoph Renzikowski
(KNA)

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