Philipp Amthor (CDU) im Bundestag
Philipp Amthor (CDU) im Bundestag
"Gerade beim Glauben geht es um das Persönlichste"
"Gerade beim Glauben geht es um das Persönlichste"
Dürfen Laien die Taufe spenden?
"Das ist natürlich ein sehr berührender, emotionaler und wichtiger Moment"
"Auf jeden Fall fließt der Glaube in meinen Alltag in Form des Sonntagsgottesdienstes oder vielem anderen mit ein".
"Auf jeden Fall fließt der Glaube in meinen Alltag in Form des Sonntagsgottesdienstes oder vielem anderen mit ein".

10.01.2020

Philipp Amthor zu den Reaktionen auf seine Taufe "Manches hat mich ein bisschen geärgert"

"Jetzt ist er auch noch katholisch": Philipp Amthor hat sich kurz vor Weihnachten taufen lassen. Im Interview spricht er über seine Beweggründe und die geteilten Reaktionen auf diesen großen Schritt.

DOMRADIO.DE: Mitte Dezember wurden Sie katholisch getauft, ganz bewusst vor Weihnachten. Wie war das für Sie?

Philipp Amthor (Jurist und Bundestagsabgeordneter der CDU): Das ist natürlich ein sehr berührender, emotionaler und wichtiger Moment. Es war auch ein längerer Weg des sich Entscheidens. Ich bin in einem Ort in Vorpommern aufgewachsen, was man als katholische Diaspora bezeichnen kann. Ich habe das große Glück gehabt, eine werteorientierte Erziehung genossen zu haben. Der Glaube selbst hat bei uns in der Familie keine große Rolle gespielt. Ich war nicht getauft worden und in meiner Schulklasse gab es nur einen Einzigen, der katholisch gefirmt war.

Es gingen auch nur wenige zur Konfirmation. Das spielte keine große Rolle bei uns. Ich selbst aber habe in den letzten Jahren immer stärker zum Glauben gefunden. Vor allem in den letzten zwei Jahren habe ich mich verstärkt mit dem katholischen Glauben beschäftigt. Mit Unterstützung habe ich die klassischen Inhalte eines Glaubenskurses absolviert. Dann kam die ganz bewusste Entscheidung für die Taufe – ein wirklich emotionaler Moment im Dezember in Berlin.

DOMRADIO.DE: Was geht einem in diesem Moment durch den Kopf?

Amthor: Wie bei vielen liturgischen Handlungen macht es einen doch sehr demütig. Es ist aber auch ein glückliches Gefühl. Wir haben im familiären Kreis einen schönen Gottesdienst gefeiert und gleich in einem Rutsch Erwachsenentaufe, Erstkommunion und Firmung zelebriert. Das war eine sehr schöne Sache, dass ich alle drei Sakramente empfangen habe.

DOMRADIO.DE: Die Taufe ist ja nicht das Ende des Weges zum Christsein, sondern erst der Anfang. Wie geht es jetzt weiter? Haben Sie schon eine Gemeinde gefunden?

Amthor: Als Abgeordneter ist man ja viel unterwegs und deshalb gehört es auch dazu, dass man sich auch an dieser Stelle sehr vielfältig orientiert. Ich habe sozusagen zwei Heimatorientierungspunkte. Das eine ist meine Heimat in Mecklenburg-Vorpommern. Zu Weihnachten habe ich die Gottesdienste, wie z.B. die Christmette zuhause in Vorpommern feiern können. Da ich oft in Berlin bin, brauche ich auch hier eine Gemeinde. Die habe ich auch gefunden und praktiziere das am Wochenende, wenn ich in Berlin bin.

Am Sonntag gehe ich dann dort in den Gottesdienst – auch häufig auf Reisen. Im Winterurlaub über Silvester bin ich auch in den Gottesdienst gegangen. Das ist ja das Gute an der katholischen Kirche. Das kann man ja nicht nur an einem Ort praktizieren, sondern ist als Weltkirche ortsunabhängig.

DOMRADIO.DE: Reden wir mal Klartext: Aus Werbesicht ist ja 2019 nicht das beste Jahr für die katholische Kirche gewesen: Missbrauch, Finanzskandale, die höchsten Austrittszahlen seit Langem. Wenn man in der Situation ist, sich für einen Glauben zu entscheiden, schrecken die Schlagzeilen nicht eher ab?

Amthor: Ich glaube, dass es eine falsche Herangehensweise ist, das unter Marketing-Gesichtspunkten zu betrachten. Gerade beim Glauben geht es um das Persönlichste. In diesen für die katholische Kirche schwierigen Tagen war es für mich wichtig, mich zu bekennen. Viele Katholiken, die fest im Glauben stehen, engagieren sich in der Kirche und das ist ein Anlass für Freude und nicht für Kritik.

DOMRADIO.DE: Aber warum gerade die katholische Kirche? Sie sind ja in der Diaspora aufgewachsen, warum dann nicht zum Beispiel evangelisch?

Amthor: Wenn man im Erwachsenenalter zum Glauben findet, spielen auch rationale Gesichtspunkte eine Rolle. Ich schätze und bewundere die Regelhaftigkeit der katholischen Kirche. Auch wenn der Glaube in erster Linie etwas Individuelles ist, glaube ich, dass es einen Überbau braucht. Im katholischen Glauben wäre das z.B. der Katechismus. Diese Regelhaftigkeit hat mich überzeugt.

Die apostolische Idee ist ja auch eine gute und die Liturgie in der katholischen Messe spricht mich persönlich an. Ich habe mich in der katholischen Kirche einfach wohler gefühlt, als in der evangelischen. Es gibt aber viele Schnittmengen zwischen den beiden Kirchen, weshalb mir der ökumenische Gedanke gut gefällt.

DOMRADIO.DE: Sie sind ja nicht nur Privatmensch, sondern auch Politiker. Was bedeutet das für Ihre politische Entscheidungsfindung? Gehen Sie da nun anders ran, da Sie diesen christlichen Hintergrund jetzt bekommen?

Amthor: Ich würde sagen, dass das mein politisches Fundament ausmacht. Es war schon immer vom christlichen Menschenbild geprägt. Der Glaube gibt einem privat Halt und Demut und als Politiker auch wichtige Koordinaten. Dass man Politik vom christlichen Menschenbild her macht, war schon immer meine Überzeugung.

DOMRADIO.DE: Ihre Taufe hat kurz vor Weihnachten für viele Schlagzeilen gesorgt. "Jetzt auch katholisch" schrieb die FAZ. Gerade in den Sozialen Medien gab es einiges an Gehässigkeit und Herablassung für diesen Schritt. – Was hat das mit Ihnen gemacht?

Amthor: Manche Bewertungen haben mich ein bisschen geärgert, da ich mich bewusst entschieden hatte das Thema nicht groß an die öffentliche Glocke zu hängen. Sie können sich vorstellen, dass Dinge, die in Berlin passieren nicht länger als eine Woche außerhalb der Öffentlichkeit bleiben. Das schöne Thema der Taufe hat sich dann auch schnell herumgesprochen und es war klar, dass darüber berichtet wird. Das ist auch völlig in Ordnung. Ich habe mich entschieden, damit mutig voranzugehen und darüber zu sprechen, weil ich glaube, dass es wichtig ist zu einer solchen Entscheidung bewusst zu stehen. Es ist in erster Linie eine Privatsache, aber eine bewusste und für mich richtige Entscheidung.

DOMRADIO.DE: Wie geht es jetzt weiter? Möchten Sie einmal pilgern gehen? Wollen Sie nach Jerusalem oder zum Papst?

Amthor: Jerusalem und Israel habe ich schon besucht. Aber natürlich die klassischen Dinge, wie z.B. eine Pilgerreise wären schon eine Überlegung wert. Im privaten Freundeskreis habe ich von vielen von schönen Erfahrungen gehört. Es ist wichtig, sich dafür auch mal die Zeit zu nehmen. Auf jeden Fall fließt der Glaube in meinen Alltag in Form des Sonntagsgottesdienstes oder vielem anderen mit ein. Das finde ich persönlich eine gute Sache.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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