Justitia et Pax fordert einen Prozess zum Abbau von Atomwaffen
Protest gegen Atomwaffen und Atomkraftwerke

26.11.2019

Pax Christi begrüßt Forderung des Papstes "Besitz und Anschaffung von Atomwaffen äußerst unmoralisch"

Papst Franziskus hat in Nagasaki und Hiroshima ein weltweites Aus von Massenvernichtungswaffen gefordert. Das Wettrüsten mit Atomwaffen sei ein himmelschreiender Anschlag auf die Menschheit. Pax Christi begrüßt die Aussagen.

DOMRADIO.DE: Atomwaffen seien kein notwendiges Übel, das als Abschreckung zu akzeptieren sei, sondern gehörten allesamt abgeschafft. Wie ordnen Sie die Aussage des Papstes ein?

Christine Hofmann (Generalsekretärin der katholische Friedensbewegung Pax Christi): Ich bin sehr dankbar, dass Papst Franziskus das bei seinem Besuch in Hiroshima und Nagasaki noch einmal öffentlich gesagt hat. Der Papst hat das im Jahr 2017 auf einem internationalen Seminar schon gesagt und er gehört zu denen, die mit dem Vatikan den Atomwaffenverbotsvertrag bereits unterzeichnet haben (Humanitarian Pledge). Er sagt, dass man Atomwaffen nicht in den Griff bekommen kann.

Wenn Atomwaffen außer Kontrolle geraten, bedeutet das eine Katastrophe für Europa. Die Katastrophe wäre so groß, dass sie von Ärzten oder Helfern nicht zu bewältigen wäre. Der Besitz und die Anschaffung von Atomwaffen ist äußerst unmoralisch. Wir haben ihn von Pax Christi International aufgefordert, dies in Japan noch einmal öffentlich zu sagen, um die Regierungen um Unterstützung zu bitten und diese wichtige Aussage zu bekräftigen. Wir müssen für die Abschaffung von Atomwaffen eintreten.

DOMRADIO.DE: Noch nie hat sich ein Papst über den Besitz von Atomwaffen geäußert.

Hofmann: Ja, das ist ein friedensethischer Wechsel. Die Deutsche Kommission Justitia et Pax ist dem auch im Sommer gefolgt. Die Bedrohung durch Atomwaffen ist unbeherrschbar und muss beendet werden. Aus menschlichen Gründen müssen sie abgeschafft werden. Im Zweiten Vatikanischen Konzil waren sie noch ein notwendiges Übel der Abschreckung. Diese Vorstellung hat sich mit der Zeit überholt und ein friedensethischer Wechsel ist eingetreten.

DOMRADIO.DE: Das wird aber ein frommer Wunsch bleiben. Die Regierungen werden wahrscheinlich nicht auf Papst Franziskus hören. Bedeutet diese Forderung dann letztendlich nichts?

Hofmann: Sie bedeutet richtig viel für alle, die ihr große Bedeutung geben. Es gibt 122 Länder, die vor zwei Jahren bei den Vereinten Nationen den Atomwaffenverbotsvertrag ins Leben gerufen haben. Pax Christi setzt sich dafür ein, dass auch Deutschland diesen Vertrag unterzeichnet. Es hat auch ein politischer Wechsel stattgefunden. Es gibt die Atomwaffenstaaten, die im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sitzen. Diese haben 45 Jahre lang nicht abgerüstet.

Die anderen Staaten sagen, dass die Atomwaffen eine Bedrohung für die gesamte Menschheit darstellen. In diesem Vertrag werden der Besitz und die Produktion von Atomwaffen verboten. Der Vertrag wurde von 122 Staaten unterzeichnet, aber von keinem Staat, der diese Waffen besitzt. Wir von Pax Christi setzen uns dafür ein, dass diese Unterzeichnung erfolgt. Die Abschaffung der Sklaverei war auch ein frommer Wunsch, es ist aber trotzdem gelungen. Es kann gelingen, wenn wir uns wirklich für eine Sache einsetzen. Da bitte ich wirklich jeden um Unterstützung, weil es tatsächlich um die Rettung der Welt geht.

DOMRADIO.DE: In den 1980er Jahren gab es noch 70.000 Atomwaffen. Zu Beginn dieses Jahres wurden 14.000 gezählt. Ist das nicht auch schon ein Grund für Optimismus?

Hofmann: Ja, es ist schön, dass es weniger gibt. Leider müssen wir aber sehen, dass die in Europa gelagerten amerikanischen Atomwaffen um ein vielfaches stärker sind, als die Atombombe, die auf Hiroshima geworfen wurde. Diese Atomwaffen werden momentan sogar für viel Geld modernisiert. Es sind weniger Atomwaffen, aber sie werden schlagkräftiger und einsatzfähiger, weil man eine größere Zielgenauigkeit für die Systeme erarbeitet hat. Es ist fatal, dass über diese Gefahr so einfach hinweg gesehen wird. Den Erfolg sehe ich im Atomwaffenverbotsvertrag und darin, dass die katholische Kirche die Waffen als unmoralisch anerkennt und für die Abrüstung plädiert.

DOMRADIO.DE: Die Forderung von Papst Franziskus kommt also zur rechten Zeit. Was muss denn jetzt passieren, damit der Papst Gehör findet? Welche Unterstützung sollte man auch als Christ leisten?

Hofmann: Sich damit auseinandersetzen, es mit der Pfarrgemeinde diskutieren. Es gibt von der Bewegung ICAN einen Appell zum Unterzeichnen. Man spricht sich dafür aus, dass die Bundesregierung ebenfalls diesen Atomwaffenverbotsvertrag unterzeichnen soll. Das findet man unter www.paxchristi.de oder unter www.ican.de. Dort gibt es die Möglichkeit, mit seiner eigenen Unterschrift ein Signal zu senden. Da muss unsere eigene Regierung erst einmal hin, damit die sich von der Stelle bewegt.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(DR)

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