Militärischer Konflikt in Nordsyrien
Militärischer Konflikt in Nordsyrien
Heiner Wilmer, Bischof von Hildesheim
Heiner Wilmer, Bischof von Hildesheim

18.10.2019

Bischof Wilmer hofft auf Lösungen im Türkei-Syrien-Konflikt "Es ist gut, dass die Waffen schweigen"

Stopp der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien: Die USA und die Türkei haben sich auf eine fünftägige Waffenruhe geeinigt, die aber wohl brüchig ist. Bischof Heiner Wilmer hofft dennoch auf eine deeskalierende Wirkung und konkrete Lösungen.  

DOMRADIO.DE: Das Positive zuerst. Seit gestern gilt eine fünftägige Waffenruhe, die die USA mit der Türkei ausgehandelt haben. Fünf Tage, um die Kurden aus einer 30 Kilometer weiten Sicherheitszone abziehen zu lassen. Die EU ist im Moment skeptisch, ob das wirklich so passieren wird. Nach Angaben von Kurden und Beobachtern schweigen wohl auch nicht alle Waffen. Der türkische Außenminister Cavusoglu macht ohnehin klar: Für uns ist das kein Waffenstillstand, sondern nur eine Feuerpause. Der Kampf wird weitergehen. Sind das trotzdem erst einmal gute Nachrichten aus einer gebeutelten Region?

Bischof Heiner Wilmer (Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax): Ich begrüße die Waffenruhe unbedingt. Es ist gut, dass die Waffen größtenteils schweigen. Es ist gut, dass die Türkei und die USA zusammenkommen. Fünf Tage sind gut. Sie deeskalieren. Gut ist auch, dass die Kurden dieser Waffenruhe, dem Waffenstillstand zugestimmt haben. Ich hoffe, dass die Zeit produktiv zur Lösung für alle Beteiligten und am besten ohne Gesichtsverlust genutzt wird.

DOMRADIO.DE: Sie haben ein Statement verfasst, in dem Sie den türkischen Angriff klar verurteilen. Sie sprechen da von einem klaren Bruch des Völkerrechts durch die Türkei. Die Begründung für die Offensive sei scheinheilig und würde keiner näheren Prüfung standhalten. Das sind alles andere als diplomatische Worte...

Wilmer: Die türkische Armee ist in syrisches Gebiet vorgedrungen. Die Art und Weise, wie sie das getan haben, verstößt klar gegen das Völkerrecht. Heerscharen von Menschen werden über Nacht vertrieben. In wenigen Tagen waren mehr als 130.000 auf der Flucht.

Wenn wir uns an unsere eigene Geschichte erinnern, an die Zeit nach dem Krieg: Viele, die heute in Deutschland leben, kennen Fluchtsituationen, Vertreibung und Übergriffe auf die Zivilbevölkerung. Wir selbst haben in vielen Familien fürchterliche Geschichten - da muss man nur mal nachhören - und ich finde, wir sollten unsere eigene Vergangenheit hier nicht vergessen und uns solidarisch mit den Leidenden, mit den Menschen in Not erklären.

DOMRADIO.DE: Sie sprechen in Ihrem Statement auch über Waffenexporte, die es in die Türkei gibt, von verschiedenen Ländern, auch von EU-Staaten. Die EU-Staaten haben sich auf ihrem Gipfel Anfang der Woche darüber ausgetauscht. Mögliche Schritte hat es noch nicht gegeben. Müsste da mehr passieren?

Wilmer: Grundsätzlich freut es mich sehr, dass die Bundesregierung ins Gespräch gekommen ist und dass erneut über Waffenexporte nachgedacht wird. Aus meiner Sicht ist wichtig, dass hier eine stärkere Prüfung erfolgen und die Situation analysiert werden müsste. Und es geht darum, Unrecht zu vermeiden und vor allem die Not der Menschen einzudämmen.

DOMRADIO.DE: Sie sind seit kurzem neuer Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax. Die versteht sich als Runder Tisch der kirchlichen Einrichtungen, unter anderem in Friedens- und Konfliktfragen. Was möchten Sie da bewegen? Was sind Ihre Schwerpunkte?

Wilmer: Als katholische Kirche sind wir daran interessiert, dass die Botschaft Jesu Christi umgesetzt wird, dass wir uns einschwingen in die große jüdisch-christliche Tradition, so wie Papst Franziskus das getan hat - etwa mit seiner Enzyklika Laudato si, wenn er davon spricht, dass das gemeinsame Haus der Welt uns allen anvertraut ist. Und es geht darum, Verantwortung zu übernehmen für das gemeinsame Haus. Es geht darum, dass alle Menschen gut leben können, dass sich nicht eine kleine Gruppe auf Kosten einer größeren bereichert oder umgekehrt.

Es wird darum gehen, wie wir auf dieser Erde gut leben können, auch nachhaltig. Also auch so, dass nachwachsende Generationen sagen: Ihr Vorfahren, Eltern, Großeltern habt auch an uns gedacht und uns nicht vergessen.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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