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Flüchtlinge aus Afrika in Europa
Margot Käßmann
Margot Käßmann

02.08.2019

Käßmann gegen pauschale Verdächtigungen von neugetauften Flüchtlingen "Keiner tauft aus einer Laune heraus"

Flüchtlinge, die zum Christentum konvertiert sind, würden von Behörden immer wieder mit absurden Fragen konfrontiert, sagt Margot Käßmann. Eine staatliche Stelle könne aber nicht den "Glauben von Menschen testen", meint die frühere Landesbischöfin.

DOMRADIO.DE: Was wissen Sie über die Praxis, zum Christentum konvertierte Personen Behörden-Befragungen zu unterziehen? 

Margot Käßmann (Theologin und ehemalige evangelische Landesbischöfin): Meine Schwester beispielsweise begleitet immer wieder Flüchtlinge, die konvertiert sind, zu Prozessen. Sie kommen vor allen Dingen aus dem Iran. Dann sind da Menschen, die sie befragen, ob sie erklären können, was beispielsweise der Unterschied ist, in den vier Evangelien. Oder sie müssen erklären können, wie der Unterschied im Gottesbild des Judentums und des Christentums ist.

Das sind Fragen, die manchmal lange getaufte, hier lebende geborene Christen und Christinnen auch nicht beantworten könnten. Ich denke keine Pfarrerin und kein Pfarrer, kein Priester tauft aus einer Laune heraus, sondern Taufbegehren werden immer geklärt.

DOMMRADIO.DE: Warum ist denn diese Praxis in ihren Augen unzulässig?

Käßmann: Weil ich denke, dass Kirchengemeinden sehr wohl prüfen, ob Menschen Christ werden. Aber der Staat kann nicht prüfen, wie christlich der Glaube eines Menschen ist. Wir wissen, dass Menschen, die zum Christentum konvertiert sind in unserem Land, an Leib und Leben sehr wohl gefährdet sind, wenn sie in ihre Herkunftsländer abgeschoben werden.

DOMMRADIO.DE: Steckt hinter diesem Vorgehen nicht trotzdem auch eine realistische Sorge, dass Religion instrumentalisiert werden soll?

Käßmann: Ich kann ja die Sorge durchaus verstehen, wenn wir jetzt sagen würden, Tausende und Abertausende von Flüchtlingen konvertieren zum Christentum, weil sie sagen, dadurch werden sie hier bei uns geschützt. Aber das ist ja nicht die Realität. Fragen Sie mal die Kirchengemeinden, wie intensiv die Glaubenskurse sind und wie intensiv sich Menschen mit dem christlichen Glauben befassen und was es für sie bedeutet, zu konvertieren. Das ist oft ein Bruch mit ihrer gesamten Herkunftsfamilie und ein sehr schwieriger und oft auch sehr schmerzhafter Prozess. Ich finde, der muss ernst genommen werden.

DOMMRADIO.DE: Zuständig ist ja das BAMF, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Haben die Kirchen da überhaupt Einflussmöglichkeiten?

Käßmann: Es gibt Gespräche der beiden Bevollmächtigten bei der Bundesregierung von der katholischen und evangelischen Seite, die auch immer wieder sagen, sie machen das BAMF darauf aufmerksam. Aber sie können natürlich nicht in jeden einzelnen Prozess hineingehen. Ich finde, wir müssen sie sensibilisieren. Wer sind zum Beispiel die Übersetzer in solchen Verfahren?

Das kommt wohl doch immer wieder vor, dass die Übersetzer auch gar nicht genau verstehen, was die Fragen sind. Die Geflüchteten, die konvertiert sind, versuchen mit ihrer ganzen Emotion zu erklären, wie sie eine Glaubenserfahrung mit Jesus Christus gemacht haben. Jesus habe sie beschützt auf dem Weg über das Mittelmeer. Das wird von den Richtern aber überhaupt nicht gehört, sondern es werden eigentlich nur Sachfragen verhandelt. Da treffen Welten aufeinander.

DOMMRADIO.DE: Wie finden Sie das persönlich, wenn Flüchtlinge Christen werden? Kann das auch zur Chance werden, dass die Leute sich hier besser integrieren?

Käßmann: Auf jeden Fall kann das zur Chance werden. Ich würde auch immer wieder sagen, dass unsere Kirchengemeinden – evangelisch wie katholisch – zum sozialen Frieden in unserem Land nicht erst seit 2015, sondern schon vorher viel beigetragen haben. Indem sie Geflüchtete begleiten, indem sie für Wohnungen und Deutschkurse sorgen und indem sie in den Kindertagesstätten die Kinder aufnehmen.

Ich finde es schon sehr wichtig, dass unsere Kirchengemeinden da bei den Menschen sind. Und das muss ich jetzt mal sagen, ob sie bei ihrem Glauben bleiben oder unseren Glauben annehmen.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(DR)

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