Auswärtiges Amt
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Pater Nikodemus Schnabel
Pater Nikodemus Schnabel

29.07.2019

Seit einem Jahr gibt es im Auswärtigen Amt ein Religions-Referat Mission Horizonterweiterung

Für deutsche Diplomaten spielte die Welt der Religionen lange eine eher untergeordnete Rolle. Ein eigenes Referat will das ändern - mit sechs Mitarbeitern und hohen Ansprüchen. Einer von ihnen ist Pater Nikodemus Schnabel.

In Deutschland sinkt der Einfluss der großen Kirchen, in manchen Kreisen wächst die Angst vor Islamisten. Irgendwo zwischen Abwesenheit und Fanatismus bleiben Religionen eine prägende Kraft - nicht nur hierzulande. Im Auswärtigen Amt in Berlin spricht der Leiter der Abteilung für Kultur und Kommunikation, Andreas Görgen, gar von "den größten zivilgesellschaftlichen Institutionen der Welt".

Dafür scheint das in seiner Abteilung angesiedelte Referat 612 "Religion und Außenpolitik" recht klein geraten. Vor einem Jahr, am 1. August 2018, wurde es eingerichtet, sechs Mitarbeiter zählt es aktuell. Vorläufer war ein Arbeitsstab namens "Friedensverantwortung der Religionen", der mit einer Konferenz im Mai 2017 in die Öffentlichkeit trat. Der damalige Außenminister Sigmar Gabriel, Sozialdemokrat und Protestant, hielt die Eröffnungsrede.

Bedeutung von Religion nimmt weltweit zu

"Religion polarisiert", räumte Gabriel seinerzeit ein und fügte hinzu: "Nicht jeder wünscht der Religion eine wichtigere Rolle." Tatsache aber sei, "dass die Bedeutung von Religion weltweit eher an Bedeutung gewinnt". Mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung bekennten sich zu einer Religion. "Anders als manche glauben, verschwindet Religion gerade nicht aus der modernen Welt", so Gabriel.

Gabriels Nachfolger und Parteifreund Heiko Maas teilt diese Ansicht offenbar. Unter der Ägide des Katholiken nahm Referat 612 seine Arbeit auf. An die große Glocke hängt man das Engagement im eher als religionsskeptisch geltenden Politikbetrieb der Hauptstadt nicht. Die Messlatte liegt gleichwohl hoch.

"Religionisierung" von Konflikten

Abteilungsleiter Görgen formuliert es so: "Es geht uns angesichts der drängender werdenden Überformung von Konflikten durch religiöse Aspekte und der 'Religionisierung' von Konflikten darum, das Friedenspotenzial von Religionen erneut in den Fokus zu nehmen, und über das Friedenspotenzial hinaus auch um die gesellschaftliche Verantwortung, die die Vertreterinnen und Vertreter von Religionsgemeinschaften in ihren Ländern tragen."

Religion als Brandbeschleuniger von Konflikten und friedensstiftender Faktor: Wohl nirgends auf der Welt lässt sich beides so gut studieren wie im Nahen Osten. Ein Grund, weswegen in dem Ministeriumsgebäude am Werderschen Markt mitunter ein Mann im dunklen Ordensgewand durch Flure und Gänge eilt. Pater Nikodemus Schnabel lebt und arbeitet seit 16 Jahren in der Benediktinerabtei Dormitio in Jerusalem. Derzeit legt er eine einjährige Auszeit ein - und gehört als Berater zum Referat "Religion und Außenpolitik".

Pater Schnabel zählt zu den Themen auch Klimawandel

Grundsätzlich spiele der Faktor Religion in der Außenpolitik eine zunehmend wichtige Rolle, sagt Pater Nikodemus. Ähnliche Referate gibt es beispielsweise in Finnland, den Niederlanden, in Österreich und der Schweiz. Dabei gehe es nicht nur um Fragen von Krieg und Frieden, betont der Ordensmann und nennt beispielhaft die Herausforderungen durch die Bevölkerungsentwicklung in Afrika oder Aspekte des Klimawandels und Umweltschutzes.

Die "Bewahrung der Schöpfung" soll auch ein zentrales Thema bei der zehnten Weltversammlung der Organisation "Religions for Peace" sein. Erstmals ist Deutschland Gastgeber -  das Referat im Außenamt unterstützt die Vorbereitungen. Zu der Versammlung vom 19. bis 23. August werden rund 900 Religionsvertreter aus etwa 100 Ländern in Lindau am Bodensee erwartet. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier soll das Treffen eröffnen.

Große Herausforderungen der Zukunft

Dicke Bretter sind zu bohren - die Herausforderungen werden nicht kleiner: Hunger und Armut, Flucht und Migration, schmelzende Gletscher und Abholzung des Regenwaldes. Dazu große und kleine, vergessene Konflikte wie in der Zentralafrikanischen Republik, bei der christliche gegen muslimische Milizen kämpfen. Dagegen setzt Pater Nikodemus sein Credo, wonach Religion trotz allem auch eine fruchtbare und konstruktive Rolle spielen kann, "indem sie die Herzen und das Denken der Menschen verändert". Denn: "Wer religiös ist, lernt mit Widersprüchen und Ambiguitäten umzugehen - ganz egal, ob er nun die Bibel liest, den Koran studiert oder den Talmud."

Von Joachim Heinz
(KNA)

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