Konrad Adenauer
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14.07.2019

Maria Laach zeigt Ausstellung über Nazi-Flüchtling Adenauer Wie aus dem Kölner Oberbürgermeister "Bruder Konrad" wurde

1933 stand Adenauer vor den Trümmern seiner Karriere, als die Nazis ihn als Kölner Oberbürgermeister absetzten. Eine Schau im Kloster Maria Laach zeigt, wie er dort vorübergehend als "Bruder Konrad" Unterschlupf fand.

Schnörkellos und dezent porträtiert der Maler Johannes Greferath sein mit dunklem Anzug und hochgeschlossener Krawatte bekleidetes Modell. Es ist ein staatstragender, ernster Blick, den der seit 16 Jahren amtierende Oberbürgermeister der Karnevalshochburg Köln dem Betrachter zuwirft.

Fast so, als ahnte Konrad Adenauer im Januar 1933, was sich in den kommenden Wochen zusammenbrauen würde. Denn bald sollte es vorbei sein mit seiner Zeit als Modernisierer Kölns.

Adenauer ließ Hakenkreuzfahnen von der Deutzer Brücke entfernen

57 Jahre war Adenauer gerade geworden, als die Nationalsozialisten die Macht im Deutschen Reich ergriffen. Als Hitler im Februar Köln besuchte, ließ das Stadtoberhaupt Hakenkreuzfahnen von der Deutzer Brücke entfernen. Der katholische Zentrumspolitiker geriet ins Visier der Nazis, wurde im April 1933 vom Dienst suspendiert und im Juli entlassen. "Eine unselige Aera endgültig abgeschlossen", freute sich die Nazipresse.

Doch so endgültig war es nicht, das Karriereende Adenauers, der 1949, vor 70 Jahren, seine erste Kanzlerschaft antreten sollte. Dieser Gedenktag, aber auch die Erinnerung an die Gründung der Bundesrepublik und die Verabschiedung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 nimmt die Benediktinerabtei Maria Laach in der Eifelgemeinde Glees zum Anlass für die Ausstellung "Glaube und Politik. Konrad Adenauer und die Abtei Maria Laach".

Abgetaucht aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen der Nazis

Anhand von persönlichen Gegenständen, Fotos, Briefen und Schriften werden in chronologischer Reihenfolge das Leben Adenauers und seine Bezüge zur Abtei dargestellt. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Zeit, als Adenauer von 1933 bis 1934 unter dem Namen "Bruder Konrad" in Laach Zuflucht vor den Nationalsozialisten suchte. Denn Abt Ildefons Herwegen, der von 1913 bis 1946 der Abtei vorstand, war ein Schulfreund.

"Sie lernen einen sehr emotionalen Adenauer kennen", verspricht der Kurator der Ausstellung, Philipp Lohse. "Wir haben Briefe und Zeugnisse von ihm, die seine Situation widerspiegeln." Das Abtauchen aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen der Nazis, die erzwungene Trennung von der Familie und die finanzielle Situation belasteten ihn. "Es war ein relativ tiefer Fall, er stand vor den Scherben seines Lebens, sein Haus wurde beschlagnahmt."

Schwierige Trennung von der Familie

Nach dem Krieg erinnerte sich Adenauer daran: "Damals wurden gleichzeitig meine Bezüge und mein Bankkonto gesperrt." Sein Freund, der jüdische amerikanische Geschäftsmann Dannie Heinemann, habe ihm damals 10.000 Reichsmark geliehen. Das habe die Situation für die Familie verbessert, doch wie belastend die Trennung gewesen sein muss, zeigt ein Brief, in dem Adenauers zweite Ehefrau Gussie erzählt, wie die Familie zum Weihnachtsfest 1933 nach Maria Laach kam: "Die Kinder hatten den Vater seit Monaten nicht gesehen, sie stürzten auf ihn zu, hingen lachend und weinend an seinem Halse".

In Laach ordnete Adenauer seine Gedanken, hinterfragte sich und seine Politik. Wie er die Abgeschiedenheit des Eifelklosters empfunden haben muss, verdeutlicht ein Brief vom Tag nach seiner Ankunft: "Hier stürzte gestern nach all' den Erlebnissen der letzten Wochen die Stille und Einsamkeit geradezu mit erdrückender Gewalt auf mich herab trotz der Schönheit der Natur und des Zaubers der Obstblüte in dem riesigen Klostergarten."

"Um ein Haar dem Tod entronnen"

Hingucker der Ausstellung ist ein Nachbau der im nichtöffentlichen Bereich des Klosters liegenden Zelle Adenauers mit originalen Möbeln.

Auch das Grammophon, das Adenauer der Abtei zum Abschied schenkte, sowie das letzte Gemälde als Oberbürgermeister sind zu sehen. Im Juni 1934 konnte Adenauer aufatmen: Das Dienststrafverfahren gegen ihn wurde eingestellt. "Er wurde rehabilitiert und entschädigt, aber es gab einiges an Schikanen", so Lohse. 1935 habe er erneut für einige Zeit in Laach Unterschlupf suchen müssen.

"Nach dem gescheiterten Attentatsversuch auf Hitler 1944 wurde auch er noch mal verhaftet und ist nur um ein Haar dem Tod entronnen", berichtet Lohse. Adenauer habe sich in der NS-Zeit politisch zurückgehalten. Zeitlebens aber sei der bekennende Christ mit der Abtei, in der zwei seiner Töchter heirateten, verbunden geblieben.

Michael Merten
(KNA)

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