Krise in Venezuela
Krise in Venezuela
Nicolás Maduro, Präsident von Venezuela
Präsident Nicolas Maduro
 Juan Guaido, Präsident des entmachteten Parlaments in Venezuela
Oppositionsführer Juan Guaido

07.05.2019

Venezuelas Regime will sich offenbar Kirchenasyl sichern Regierung und Opposition im Machtkampf

​Im Dauerstreit zwischen sozialistischer Regierung und bürgerlicher Opposition in Venezuela sind die Fronten verhärtet. Jetzt mussten beide Lager Federn lassen. Und bei allem spielt auch die Kirche eine Rolle.

Der von Venezuelas Parlamentspräsident Juan Guaido und dem von ihm befreiten Oppositionspolitiker Leopoldo Lopez initiierte Aufstand ist erst einmal gescheitert. In einem Interview der "Washington Post" räumte Guaido ein, er habe die Lage innerhalb des venezolanischen Militärs wohl falsch eingeschätzt. Die Strategie, die Armeespitze zu einem Seitenwechsel zu bewegen, scheint damit erst einmal nicht zu funktionieren.

Am Samstag hatte die Opposition die Bürger dazu aufgerufen, Briefe an die Kasernen zu übergeben. Doch die Militäranlagen wurden weiträumig abgesperrt. Die Aktion schlug bis auf wenige Ausnahmen fehl.

Nachfrage um Kirchenasyl

Nicht nur die Opposition hat das Wochenende mit einigen Schrammen überlebt. Auch in der Regierung mehren sich die Anzeichen für eine Schwächung von Präsident Nicolas Maduro in den eigenen Reihen. Hinter den Kulissen versuchten wohl die US-Amerikaner, die Militärspitze zu bewegen, Maduro fallen zu lassen. Vergeblich.

Doch die Massenproteste gegen Maduro haben Spuren hinterlassen. Vertreter der sozialistischen Regierung sollen bei der Venezolanischen Bischofskonferenz um Asyl nachgefragt haben, falls Maduro die Macht verlieren sollte. Das sagte der Bischof von San Cristobal, Mario Moronta, nach einem Bericht des regierungskritischen Portals "Tal Cual Digital" am Sonntag (Ortszeit) während des Gottesdienstes.

Hohe Funktionäre seien demnach vor drei Wochen zu verschiedenen Bischöfen gekommen, um nachzufragen, ob auch in dem Fall, wenn sich die Situation gegen sie wende, das Recht auf Asyl bestehen bleibe, das die Kirche anerkannt habe, berichtete Moronta. Er wisse von einigen Bischöfen, denen diese Anfragen vorlägen.

Schutz ohne Komplizenschaft

Die Kirche stehe bereit, all jene zu schützen, die Schutz anfragen, allerdings ohne zum Komplizen oder Vertuscher zu werden, so der Bischof weiter. Moronta hatte die Eucharistiefeier gemeinsam mit mehreren Geistlichen aus Anlass eines Angriffs von Sicherheitskräften auf ein Gotteshaus am 1. Mai in der ostvenezolanischen Diözese San Cristobal gefeiert. Dabei waren motorisierte Einsatzkräfte in die Kirche eingedrungen. Der Bischof forderte von den Behörden eine öffentliche Entschuldigung für den Vorfall.

Die Kirche hatte die jüngste Gewalt bei den Protesten gegen die Regierung des sozialistischen Präsidenten Maduro scharf kritisiert. Die "Kommission für Gerechtigkeit und Frieden" der Venezolanischen Bischofskonferenz fordere die Sicherheitskräfte und die regierungsnahen paramilitärischen "Colectivos" dazu auf, die Menschenrechte zu respektieren und die inakzeptable Anwendung von krimineller tödlicher Gewalt zu stoppen, um die Demonstrationen zu kontrollieren. Die Verhafteten müssten sofort freigelassen werden. Zugleich wiesen die Bischöfe die Angriffe gegen die Pressefreiheit zurück. Es seien zwölf Medienvertreter Opfer verschiedener Formen von Gewalt geworden sowie drei Medien vom Netz genommen worden.

Versorgungskrise und Massenflucht

Venezuela wird seit Monaten von einem Machtkampf zwischen dem linksgerichteten Präsidenten Maduro und dem konservativen Interims-Präsidenten Juan Guaido erschüttert. Die rechtsgerichtete Opposition erkennt wegen des umstrittenen Wahlsieges Maduros ohne aussichtsreiche Kandidaten der Opposition dessen zweite Amtszeit nicht an. Parlamentspräsident Guaido wurde daraufhin im Januar als Interims-Präsident vereidigt.

Seit drei Jahren erlebt das südamerikanische Land wegen einer anhaltenden Versorgungskrise eine Massenflucht. Rund zwei Millionen Menschen haben Venezuela in den vergangenen zwei Jahren bereits verlassen. In der vergangenen Woche kam es nach einem gescheiterten Aufstand der Opposition erneut zu Toten und Verletzten.

Tobias Käufer
(KNA)

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