Europawahl im Mai
Europawahl im Mai
Stadtdechant Msgr. Robert Kleine
Stadtdechant Msgr. Robert Kleine

28.03.2019

Warum Kölner Kirchen für die Europawahl werben "Europa ist mehr als ein Parlament oder Bürokratismus"

Europapolitik sollte jeden interessieren. Das zumindetst findet der Kölner Stadtdechant Robert Kleine. Im Interview erklärt er, warum die christlichen Kirchen vor der Europawahl am 26. Mai dazu aufrufen, eine Stimme abzugeben.

DOMRADIO.DE: Antidemokratische und nationalistische Töne werden schon seit einiger Zeit in Europa lauter, Populisten haben es in einer ganzen Reihe von EU-Ländern an die Spitze gebracht. "Das  können und wollen wir nicht einfach so hinnehmen!", sagen die Kölner Kirchen und schließen sich ganz ausdrücklich dem Wahlaufruf der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen NRW an. Auf katholischer Seite engagieren Sie sich, Monsignore Kleine. Was ist das für ein Wahlaufruf, den Sie da unterstützen?

Msgr. Robert Kleine (Dom- und Stadtdechant der katholischen Kirche in der Stadt Köln): Es ist ein Aufruf der christlichen Kirchen in unserem Bundesland NRW. Es geht darum, dass wir ein Zeichen für Demokratie, Gerechtigkeit und Frieden hier in Europa setzen. Und dieses Zeichen setzen wir, indem wir zur Wahl gehen.

Denn wir müssen uns vor Augen halten: Wir haben hier in Europa die Möglichkeit zu wählen. Wir können uns an der Debatte über die Zukunft der EU beteiligen, weil es verschiedene Parteien gibt. Wie viele Länder gibt es, wo das gar nicht möglich ist?

Wir sagen gerade auch den jungen Menschen: "Überlasst Europa nicht denen, die gegen Europa sind und die plötzlich Nationalstaaten wieder fördern wollen." Das ist eigentlich auch nicht im christlichen Sinne.

DOMRADIO.DE: Warum können denn Christen in Europa eigentlich nur Anhänger der europäischen Idee sein?

Kleine: Die Nachkriegsgeneration und die Kriegsgeneration des Zweiten Weltkriegs hat noch mitbekommen, wo es hinführt, wenn nationalstaatlich gedacht wird. Da gab es Völker, die bezeichneten sich gegenseitig als Erbfeinde.

Und schauen wir auf die letzten 70 Jahre an. Wie viele Kriege gab es auf europäischem Boden? Wenn wir den Balkan rausnehmen oder was außerhalb der EU an der Krim und in der Ukraine geschieht – gab es keine kriegerischen Auseinandersetzungen. Das ist ein Geschenk!

Ich glaube, wenn Nationalismus aufflammt, dann droht das Ganze auseinanderzubrechen. Dann droht ein Friede fragil zu werden. Da können wir als Kirchen und als Christen eigentlich nur sagen: "Es geht in Solidarität und Subsidiarität in einem vereinten Europa."

DOMRADIO.DE: Warum ist es so schwierig, diese europäische Idee und diese Vorteile offenbar so zu vermitteln, dass das in den Herzen und Köpfen der Leute ankommt.

Kleine: Das frage ich mich manchmal auch. Ich kann jetzt ohne Grenzkontrollen nach Italien. Ich fahre in die Niederlande. Ich habe keine Barrieren vor mir. Es gibt einen freien Austausch der Waren. Ich kann auch ins Ausland gehen, um etwa zu studieren. Das sind doch alles Errungenschaften, die ich nicht missen möchte. Ich befürchte auf der anderen Seite, dass manche denken: "Europa und das Europaparlament, das ist ein Moloch, gerade das Europaparlament. Da wird abgestimmt, wie krumm eine Gurke sein kann.“

Aber das ist nicht das Wesentliche. Das Wesentliche ist, dass Europa eine große Gemeinschaft ist, die von unterschiedlichsten Ländern demokratisch gewählt wurde. Diese Gemeinschaft hilft sich solidarisch. Nehmen wir die Griechenland-Krise. Viele haben geschimpft, dass sie jetzt Geld in das Land pumpen müssen. Aber es hat sich gezeigt: Es ist möglich, Probleme miteinander zu lösen.

Und wo wären wir heute in Deutschland, wenn es nicht auch nach Kriegsende andere Staaten gegeben hätte, die uns geholfen hätten, unser Land wieder aufzubauen. Dass wir jetzt auch manchmal in anderen Teilen Süd- oder Osteuropas helfen, steht uns auch ganz gut zu Gesicht.

In dieser Gemeinschaft ist nicht natürlich nicht alles ideal, aber es kann sich gut weiterentwickeln.

DOMRADIO.DE: Was tun die Kirchen schon heute, um Europa weit über wirtschaftliche Zusammenarbeit hinaus zu fördern?

Kleine: Sicherlich rücken sie noch einmal das gemeinsame Wertegerüst in den Mittelpunkt. Der Kirche geht es hauptsächlich um das Miteinander. Paulus schrieb schon: "Es gibt nicht mehr Griechen und Römer, sondern es gibt den Menschen, der als Abbild Gottes lebt - mit einer Würde ausgestattet."

Das wollen wir auch leben, dass wir einander achten und dass wir für Respekt eintreten und dass wir natürlich auch anderen Menschen in Not helfen. Bei der Flüchtlingsfrage zeigt sich aber auch, dass es Länder wie Ungarn und Italien gibt, die ihr eigenes Süppchen kochen. Da gerät das Ganze plötzlich aus den Fugen. Da gibt es plötzlich Ängste. Dagegen stehen wir an. Jeder Mensch hat ein Recht auf Würde und auf Leben.

DOMRADIO.DE: Jetzt wollen Sie "Europa eine Seele geben". So jedenfalls heißt die Veranstaltungsreihe, die Sie im Vorfeld der Europawahl planen. Was konkret haben Sie vor?

Kleine: Eine Seele geben, das heißt, es ist nicht nur irgendein leeres Konstrukt. Es ist nicht irgendein Parlament oder ein Bürokratismus. Das gibt es sicherlich auch alles in der EU. Das muss man auch versuchen abzubauen.

Aber eine Seele ist doch das gemeinsame Fundament. Also: Was bedeutet eine Wertegemeinschaft? Ein Vortrag in dieser Reihe sagt auch: Was ist denn Europa im Licht des Evangeliums? Wie war das denn mit den Anfängen? Was waren das denn für Gemeinschaften, die sich gegründet haben?

Wir als Kirche sind ja auch keine Nationalkirche. Es gibt nicht die deutsche Kirche. Als katholische Kirche stehen wir zusammen über Grenzen hinweg. Wir wollen Europa eine Seele und auch ein Herz geben. Wir brennen für Europa.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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