Nach Aufkündigung des INF-Vertrags: Russland präsentiert neue Mittelstreckenraketen
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Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen auf der Münchner Sicherheitskonferenz
Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen auf der Münchner Sicherheitskonferenz

15.02.2019

Diskussion um Abrüstung auf Münchner Sicherheitskonferenz "Wir müssen lernen, friedenslogisch zu denken"

Die Bedrohung durch Atomwaffen ist eines der Themen auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Denn der INF-Vertrag zwischen den USA und Russland ist Geschichte. Pax Christi fordert mehr Dialog und eine neue Sichtweise auf Konflikte.

DOMRADIO.DE: ​Vom 15. bis zum 17. Februar 2019 findet die 55. Münchner Sicherheitskonferenz statt. Es geht unter anderem um Themen wie Handels- und Sicherheitspolitik, Verteidigungspolitik und vor allem um Rüstungskontrolle - nach der Kündigung des INF-Abrüstungsvertrages zwischen Russland und den USA wohl eines der beherrschenden Themen. Deshalb ruft die katholische Friedensbewegung Pax Christi im Vorfeld der Konferenz zu mehr Widerstand gegen Atomwaffen auf. Wie genau soll dieser Widerstand aussehen?

Christine Hoffmann (Generalsekretärin der katholischen Friedensbewegung Pax Christi): Wir müssen uns gegen eine irrwitzige Unsicherheit wehren, die neu entsteht. Nationale und globale Sicherheit lassen sich nicht durch Atomwaffen schaffen, sondern nur durch deren Abschaffung. Und genau die Kontrolle darüber und die Vereinbarungen zur Abrüstung, die hat Trump aufgekündigt und Putin hat dann gleichgezogen. Das bricht mit Rüstungskontrolle, die sich seit 30 Jahren bewährt hat. Insofern müssen wir uns dafür einsetzen, dass ein Abrüstungsvertrag neu verhandelt wird.

DOMRADIO.DE: Wie kann denn eine solche Gegenwehr aussehen?

Hoffmann: In Deutschland lagern ja US-amerikanische Atomwaffen in Büchel in der Eifel. Wer an diesen Ort fährt, wo die Waffen stationiert sind, der spürt, dass die Gefahr real ist. Es ist wichtig, dass die Bevölkerung wieder wahrnimmt: Atomwaffen - das ist nichts, was weit weg ist und nur im Fernsehen stattfindet. Sondern das ist eine reale Bedrohung, insbesondere wenn die Kontrolle darüber aufgegeben wird, wie das jetzt geplant ist.

In Büchel organisieren wir den Protest. Wir gehen einfach dahin und machen deutlich, dass wir diese Atomwaffen nicht wollen, weil sie eine Bedrohung sind. Das sind Massenvernichtungswaffen und wenn die zum Einsatz kommen, ist das überhaupt nicht beherrschbar. Die Waffen, die dort lagern, haben die hundertfache Kraft der Waffen, die in Hiroshima und Nagasaki eingesetzt wurden.

DOMRADIO.DE: Nun verlangen Sie von der Bundesregierung, den Atomwaffenverbotsvertrag vom Juli 2017 zu unterzeichnen. 122 UN-Mitglieder hatten sich damals geeinigt, Einsatz, Besitz, Herstellung, Lagerung und Stationierung von Atomwaffen zu untersagen. Bislang hielt sich die deutsche Regierung dort zurück. Warum wäre es wichtig, dass die Bundesregierung unterschreibt?

Hoffmann: Weil sie damit ein Zeichen dafür setzen würde, dass sie sich an die Seite der Länder stellt, die alle keine Atomwaffen haben. Im Moment gibt es ja den Atomwaffensperrvertrag, aber führend sind da die Staaten, die Atomwaffen besitzen. Die haben seit 50 Jahren zugesagt, dass sie die Waffen abrüsten, tun das aber nicht.

Deshalb haben sich die anderen Länder zusammengetan und haben diesen Verbotsvertrag entwickelt, weil sie gesagt haben: Atomwaffen bedrohen die ganze Menschheit, bedrohen die Welt. Und das können Sie nicht den Staaten überlassen, die diese Waffen haben. Denn die allermeisten Länder auf dieser Erde haben überhaupt keine Atomwaffen, sind aber alle davon bedroht, weil diese Massenvernichtungswaffen ganze Landstriche, ganze Länder und am Ende die Bewohnbarkeit dieser Erde bedrohen. Und wenn Deutschland den Vertrag mit unterschreiben würde, wäre das ein sehr deutliches Zeichen in die richtige Richtung.

DOMRADIO.DE: Nun sagen Sie ja aber auch, es reiche nicht, nur Verträge zu unterschreiben, die die Rahmenbedingungen für Atomwaffen regeln. Die Politik an sich müsse visionärer werden, sodass die Menschen wieder mobilisiert werden. Wie müsste so eine visionäre Politik aussehen?

Hoffmann: Wir müssen lernen, friedenslogisch zu denken. Die Münchner Sicherheitskonferenz wirbt für größere Akzeptanz von Rüstung und Militär. Das ist für Pax Christi die falsche Richtung. Menschliche Sicherheit hat viel mehr Facetten und braucht zivile Formen der Konflikt-Transformation. Genau das möchten wir gerne einüben, aber dafür wird auch Geld gebraucht.

Wir halten es für den falschen Weg, immer mehr Geld für die Rüstung auszugeben. Im Gegenteil: Wir brauchen Geld, um zu erforschen, wie wir mit anderen Ländern gemeinsam zivil die Katastrophen und die wahren Herausforderungen der Zukunft - den Hunger, die Migrationsbewegungen und so weiter - so gut gestalten können, dass alle Menschen auf der Welt in Sicherheit leben können. Dafür brauchen wir Geld und dafür müssen wir lernen, friedenslogisch zu denken, im Dialog zu denken und eine andere Sichtweise auf Konflikte zu bekommen.

DOMRADIO.DE: Warum ist es denn gerade für uns als Christen eine besondere Verpflichtung, gegen atomare Bedrohung vorzugehen?

Hoffmann: Der Vatikan gehört zu den 19 Staaten, die bereits den Atomwaffenverbotsvertrag unterzeichnet haben. Papst Franziskus hat gesagt: Eine humanitäre Katastrophe, die von einem Einsatz von Atomwaffen ausgeht, wäre nicht beherrschbar. Und wir Christen haben schon beim Zweiten Vatikanischen Konzil, als es um "Gaudium et spes" ging - deutlich gemacht: Atomwaffen können höchstens für eine Übergangszeit eine Möglichkeit sein. Und diese Übergangszeit ist vorbei. Die Atomwaffen müssen weg von der Erde, weil sie die Welt bedrohen, weil sie die Schöpfung bedrohen. Das kann nicht in unserem Interesse sein. 

Das Interview führte Moritz Dege.

(DR)

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