Johannes-Wilhelm Rörig, Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung
Johannes-Wilhelm Rörig, Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung

28.01.2019

Missbrauchsbeauftragter Rörig fordert konsequente Verfolgung "Keine schonende Extrabehandlung für die Kirchen"

Genau heute vor neun Jahren wurde der Missbrauchsskandal am Berliner Canisius-Kolleg bekannt. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat eine konsequentere Verfolgung kirchlicher Missbrauchsfälle gefordert.

Wörtlich sagte Rörig: "Strafrechtliche Aufarbeitung muss sein. Da gibt es kein Wenn und Aber und auch keine schonende Extrabehandlung für die Kirchen", sagte Rörig der "Welt" (Montag). Er registriere derzeit mit Freude die größer werdende Kooperationsbereitschaft der Bischöfe mit den Staatsanwaltschaften.

Für die Opfer, bei denen die Taten bereits verjährt sind, forderte Rörig umfassende Akteineinsicht. Für eine gelingende Aufarbeitung sei es "sehr wichtig, dass für Betroffene ein Rechtsanspruch auf Zugang zu Informationen" geschaffen werde - etwa analog zum Stasi-Unterlagengesetz.

Rörig hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass eine von ihm eingesetzte Arbeitsgruppe bereits Eckpunkte für eine umfassende Aufklärung und unabhängige Aufarbeitung entwickelt habe. Sie sollen in den kommenden Wochen mit Vertretern der evangelischen und katholischen Kirche, Ressorts der Bundesregierung und des Bundestages erörtert werden. Rörig will nach eigenen Angaben "die staatliche Seite dafür gewinnen, die kirchliche Aufarbeitung zu unterstützen".

Rörig: "Anerkennungszahlungen" sollten überdacht werden

Im "Welt"-Interview regte Rörig darüber hinaus an, die "Anerkennungszahlungen" in Höhe von durchschnittlich 5.000 Euro zu überdenken, die von vielen Betroffenen als Almosen empfunden würden. "Um diese Frage haben sich bis heute alle Verantwortlichen herumgedrückt", so der Bundesbeauftragte.

Von der internationalen Sonderkonferenz des Vatikan zum Thema Missbrauch Ende Februar erhofft sich Rörig eine Rückenstärkung für alle Katholiken, die sich bereits ernsthaft und oft gegen Widerstände für eine umfassende Aufarbeitung der Missbrauchsfälle engagierten. "Außerdem wünsche ich mir sehr, dass die Konferenz auch diejenigen für den Prozess der Aufarbeitung gewinnt, die das Hineinleuchten in ihre Strukturen bisher ablehnen oder sogar verhindern."

Rörig schlug zudem einen "Ort der Erinnerung" für die Opfer sexuellen Kindesmissbrauchs vor. Vielen Betroffenen sei es sehr wichtig, dass ihr Leid gesellschaftlich anerkannt und dokumentiert werde. "Es geht darum, dieses schreckliche Unrecht an Kindern und Jugendlichen in das kollektive Gedächtnis der Gesellschaft zu heben."

(KNA)

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