Ludwig Ring-Eifel
Ludwig Ring-Eifel
Kommunionempfang für konfessionsverschiedene Ehepartner
Umstritten: Der Kommunionempfang für konfessionsverschiedene Ehepartner
Papst Franziskus
Die Rolle von Papst Franziskus im Zusammenhang mit Missbrauch wurde kritisch gesehen
Hildesheims Bischof Heiner Wilmer
Hildesheims neuer Bischof Heiner Wilmer
Bischofsweihe und Amtseinführung Franz Jung
Bischofsweihe und Amtseinführung Franz Jung
Ernannter Bischof von Fulda: Michael Gerber
Ernannter Bischof von Fulda: Michael Gerber

20.12.2018

Rückblick auf das katholische Jahr 2018 in Deutschland "Frischer Wind und viel Konfliktpotential"

Der Umgang mit Missbrauchsfällen war das große Thema, nicht nur innerhalb der deutschen katholischen Kirche. Warum Fehler dabei gemacht wurden und wie eine neue Generation Bischöfe frischen Wind bringen könnte, schätzt der KNA-Chef ein.

DOMRADIO.DE: Gibt es eine Geschichte oder Anekdote, die Ihnen persönlich hängen geblieben ist?

Ludwig Ring-Eifel (Chefredakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur): Ich glaube, was mir am meisten in Erinnerung bleiben wird, ist die Zeit zwischen den ersten Informationen über die große Missbrauchsstudie, die durchgesickert sind bis zu dem Moment, wo die Bischöfe sie offiziell vorstellen konnten.

Nach meiner Erinnerung waren es zehn Tage dazwischen – eine lange Hängepartie. Teile der Informationen wurden bekannt, die ganze Studie aber erstmal noch nicht. Das war für uns als Journalisten eine extrem spannende Zeit, weil wir dann auch selber versuchten an diese Studie heranzukommen. Das ist uns dann auch gelungen.

DOMRADIO.DE: Mit dem Wort "Missbrauch" könnte man in der katholischen Kirche auch das ganze Jahr betiteln. Diese Diskussion kocht öfter hoch, zum Beispiel vor acht Jahren, im Jahr 2010. Was ist Ihr Eindruck, warum ist es in diesem Jahr anders?

Ring-Eifel: Da kommen verschiedene Faktoren zusammen. Einmal ist da die Rolle des Papstes, der sozusagen bisher immer eine sichere Bank war, was den Umgang mit Missbrauch angeht. Da hat Papst Franziskus dieses Jahr Fehler gemacht, vor allen Dingen in Chile, wo er den dortigen Missbrauchsskandal lange Zeit falsch eingeschätzt und falsch behandelt hat. Der Papst selber wurde also auch kritisch gesehen in Zusammenhang mit Missbrauch in der Kirche.

Es gab die großen Fälle in den USA, die tagelang die Nachrichtenlage bestimmten. In diesem Umfeld wurde die deutsche Missbrauchsstudie, die an sich nur ein historischer Rückblick war, doch sehr beachtet. Und sie hat drastische Zahlen hervorgebracht.

DOMRADIO.DE: Im Frühjahr wurde intensiv über das Thema der Kommunion für evangelische Ehepartner diskutiert. Es gab großen Streit in der Bischofskonferenz, wie man damit umzugehen hat. Warum ist das ein Thema, worüber jetzt eigentlich gar nicht mehr gesprochen wird?

Ring-Eifel: Man hat eine ziemlich salomonische Lösung gefunden. Daran könnte es vielleicht liegen. In Zusammenarbeit mit den verschiedenen Stellen in Rom wurde die Zugangsberechtigung für evangelische Ehepartner als unverbindliche Orientierungshilfe veröffentlicht. Man hat nicht gesagt, dass es eine neue Rechtsvorschrift sei.

Die Orientierungshilfe haben nach und nach mehrere Bischöfe in den Bistümern so eingeführt. Das ging auch relativ reibungslos. Es bleibt aber eigentlich alles ein bisschen im Graubereich. Jeder handhabt es im Grunde so, wie er es für richtig hält. Eine ziemlich "rheinisch-katholische" Lösung ist das also. Sowas geht immer am glattesten durch.

DOMRADIO.DE: In der deutschen Bischofskonferenz hat sich einiges verändert und verjüngt. In der Diözese Würzburg, in Hildesheim und in den nächsten Monaten auch in Fulda gab und gibt es neue Bischöfe. Gerade der Bischof von Hildesheim, Heiner Wilmer, sorgt für Schlagzeilen, wenn es um das Thema der Missbrauchsaufklärung geht. Wenn Sie sich die Verjüngung der deutschen Bischöfe angucken, was wird das für die Zukunft bedeuten?

Ring-Eifel: Man merkt ganz deutlich, dass da eine neue Generation heranwächst, die anders mit solchen Skandalen umgeht. Sie sprechen viel offener und transparenter über die Dinge. Sie scheuen sich auch nicht, die Vorgänger – seien sie nun verstorben oder seien sie noch am Leben – teilweise auch als Mitschuldige zu benennen. Da ist in der Vergangenheit vieles falsch gemacht worden. Solche Beschuldigungen gegenüber Vorgängern wären in früheren Generationen absolut undenkbar gewesen. Da kommt jetzt eine Menge frischer Wind, aber auch eine Menge neues Konfliktpotenzial in die Kirche hinein.

DOMRADIO.DE: In die Glaskugel zu schauen, ist immer schwierig. Gibt es irgendwelche Themen, womit wir uns im Jahr 2019 auseinandersetzen müssen?

Ring-Eifel: Das, was jetzt anliegt, ist nochmal die ganze Frage der Reformen der Pfarreien. Das wird in immer mehr Bistümern virulent. Was ist eigentlich eine Pfarrgemeinde oder eine Pfarrei? Wie sieht die Pfarrei der Zukunft aus? Da gibt es auch erhebliche Konflikte.

Man sieht das vor allen Dingen im Bistum Trier, wo aus über 800 Pfarreien plötzlich nur noch 35 gemacht werden sollen. Solche Prozesse der Zusammenlegungen gibt es in allen Bistümern und das brennt den Menschen vor Ort wirklich unter den Nägeln.

Das interessiert sie vor allem sogar noch mehr, als das Thema Missbrauch oder der Kommunionempfang. Es geht darum, wo sie Kirche noch vor Ort erleben und wo sie sich zugehörig fühlen. Das ist ein Thema, was die Bischöfe und jeder einzelne Bischof in seinem Bistum anpacken muss.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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