Krise im Jemen: Menschen versammeln sich, um ihre täglichen Hilfsmittel zu erhalten
Krise im Jemen: Menschen versammeln sich, um ihre täglichen Hilfsmittel zu erhalten
Christoph Klitsch-Ott
Christoph Klitsch-Ott
Wassermangel im Jemen
Rar im Jemen: Frisches Wasser und Essen
Welthungerhilfe sieht starkes Signal gegen Hunger
Kinder im Jemen mit Essensmarken
Vor allem die Kinder leiden im Jemen
Vor allem die Kinder leiden im Jemen

07.12.2018

Caritas international zum Krieg im Jemen Keine Rücksicht auf humanitäre Hilfe

Seit drei Jahren wütet im Jemen ein Krieg. Darunter leidet vor allem die Zivilbevölkerung. Hungernde Menschen allerorten. Ist eine Katastrophe noch abzuwenden? Die humanitäre Krise sei bereits da und die Hilfe zu gering, attestiert Caritas International.

DOMRADIO.DE: Viele Menschen sind schon an den Folgen von Unterernäherung gestorben. Wie kann Caritas international helfen?

Christoph Klitsch-Ott (Leiter des Referats Nahost/Nordafrika bei Caritas international): Es ist auf jeden Fall sehr schwer, im Jemen Hilfsprojekte durchzuführen. Und es ist gefährlich für humanitäre Helfer, weil keine der Kriegsparteien Rücksicht auf humanitäre Hilfe und ihre Organisationen nimmt. Wir sind trotzdem in der Lage, mit zwei Projekten Hilfe zu leisten. Bei dem Nahrungsmittelprojekt geht es um die Verteilung von Nahrungsmitteln.

Das andere große Problem ist die Wasserversorgung im Jemen. Wir unterstützen eine lokale Organisation dabei, Choleraerkrankte mit Medikamenten zu behandeln. Und wir haben Brunnen saniert, damit die Menschen wieder Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.

DOMRADIO.DE: Es ist schwierig, in dieser Kriegssituation die Projekte überhaupt durchzuführen. Wo werden da Steine in den Weg gelegt?

Klitsch-Ott: Hilfe kann derzeit im Prinzip nur über lokale Hilfsorganisationen geleistet werden. Wir selber können den Jemen aus Sicherheitsgründen nicht bereisen. Das gilt praktisch für alle internationalen Hilfsorganisationen. Ein großes Problem, was in den letzten Monaten immer größer geworden ist, bereitet der Zugang über den Seeweg. Der Hafen von Hodeidah, der auch immer wieder in den Nachrichten auftaucht, ist stark umkämpft, wird aber dringend benötigt, um Nahrungsmittel ins Land zu bringen. Sowohl für die humanitären Hilfsorganisationen wie auch für private kommerzielle Händler. So steht im Land nur extrem wenig Nahrung zur Verfügung.

DOMRADIO.DE: Millionen Menschen hungern, tausende Kinder sterben. Manchmal hat man den Eindruck, dass das weitgehend unbeobachtet passiert. Der Krieg im Jemen kommt nicht so oft in den Medien vor. Was glauben Sie, woran das liegt?

Klitsch-Ott: Ein Problem ist ganz sicher, dass es ganz wenige Journalisten gibt, die das Land bereisen, sodass es auch keine unabhängigen Informationen gibt. Eine große Frage ist auch die internationale Vermittlung in diesem Krieg. Hinter den Kriegsparteien stehen auf der einen Seite Saudi-Arabien. Und deren Handeln im Krieg ist von der amerikanischen Regierung bisher bis hin zur Luftbetankung der Kriegsflugzeuge immer unterstützt worden. Dagegen werden die Rebellen der Huthi-Fraktion aus dem Iran unterstützt. In diesen Konflikt will sich international also eigentlich niemand einmischen.

DOMRADIO.DE: Wenn es nicht gelingt, den Krieg zu beenden, sind die Befürchtungen groß, dass eine humanitäre Katastrophe droht, die ein noch viel größeres Ausmaß für die Menschen im Jemen hat. Was genau würde das bedeuten?

Klitsch-Ott: Die humanitäre Krise und Katastrophe läuft. Im Moment verhungern Menschen, verhungern Kinder im Jemen, weil es nicht möglich ist genügend Nahrungsmittel in das Land zu bringen. Jemen ist ein Land, das traditionell vom Nahrungsmittelimport abhängig ist und das Wenige, was im Land an Nahrungsmitteln produziert wird, ist im Prinzip zum Erliegen gekommen. Dazu kommen dann die ganzen Folgeprobleme: Ich habe auf die Cholera hingewiesen, fehlende medizinische Versorgung, fehlende Medikamente.

Wir sind in der Lage, Hilfe ins Land zu bringen und über lokale Hilfsorganisationen Hilfestellung zu stellen. Doch dafür brauchen wir Spendengelder. Und die Hilfe, die wir leisten und die von anderen Hilfsorganisationen geleistet wird, ist derzeit viel zu gering, um der Größe der Krise angemessen zu sein.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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