Zerstörte Fenster der Kieler Synagoge nach der Reichspogromnacht (Foto von 1938).
Zerstörte Fenster der Kieler Synagoge nach der Reichspogromnacht (Foto von 1938).
Dagmar Pruin, Geschäftsführerin der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste.
Dagmar Pruin, Geschäftsführerin der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste.

08.11.2018

Aktion Sühnezeichen gedenkt der Novemberpogrome von 1938 "Wir erinnern"

Die Aktion Sühnezeichen startet eine bundesweite Aktion, um an die Reichspogromnacht am 9. November zu erinnern. Nationalsozialisten zerstörten vor 80 Jahren jüdische Geschäfte, Synagogen und Wohnungen.

DOMRADIO.DE: Die schrecklichen Novemberpogrome jähren sich in diesen Tagen zum 80. Mal. Wie wollen Sie auch jüngere Menschen auf diese Thematik aufmerksam machen?

Dagmar Pruin (Geschäftsführerin der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste): Unsere Aktion heißt: "Wir erinnern". Ich glaube es ist ein sehr sprechender Titel und ein guter Titel für diesen Tag. Wir haben eine Aktion gestartet, mit der wir auf Geschichte, die vergessen wird, hinweisen wollen. Es ist ein relativ plakatives Konzept. Wir gehen an Orte, an denen zum Beispiel ein Warenhaus gestanden hat, eine Synagoge, ein Wohnhaus und projizieren das Bild dieser Synagoge, dieses Warenhauses, dieses Wohnhauses auf eine große Leinwand bzw. wir haben es auf eine große Leinwand gedruckt. Wir sind mit unseren jungen Menschen vor Ort, die von der Geschichte dieses Ortes erzählen, Passanten, Schülerinnen und Schüler dazu einladen und so einen Moment des lebendigen Erinnerns schaffen.

DOMRADIO.DE: Sie wollen die Menschen konkret anhalten und mit denen Kontakt aufnehmen?

Pruin: Ja, und wenn ich mit jemandem in Kontakt treten will, ist es gut, wenn es einen Punkt gibt, an dem etwas visualisiert wird. Gleichzeitig wollen wir aber in einen Austausch darüber treten, darüber informieren und genau darüber sprechen, was die Geschehnisse mit uns heute zu tun haben.

DOMRADIO.DE: In den vergangenen Jahren, gerade auch in den vergangenen Monaten gibt es eine Tendenz, die Taten des NS-Regimes herunterzuspielen. Ich erinnere mich zum Beispiel an das Zitat von AfD-Chef Gauland: Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte. Wie sehr schockieren Sie solche Aussagen?

Pruin: Sie ärgern mich. Ich würde gar nicht sagen, dass sie mich mehr schockieren. Denn es sind ja ganz bewusste Tabubrüche, die wir alle auch zukünftig erwarten müssen. So funktioniert das System leider. Damit ist man in einem Dilemma, denn am liebsten möchte man nicht reagieren und es einfach beiseitelegen. Gleichzeitig muss man auf so etwas reagieren. Es ist an uns, an der Zivilgesellschaft und an der Politik, da tätig entgegenzutreten.

Es geht vor allen Dingen darum, auch mit Menschen in Kontakt zu treten, ihnen von den Geschichten zu erzählen oder gerade auch Überlebende und ihre Nachkommen sprechen zu lassen. Ich glaube an der Stelle ist es wichtig, solche Behauptungen ganz deutlich damit zu konterkarieren, dass man sagt: "Das ist wirklich geschehen. Das hat eine Auswirkung auf uns heute. Es gibt Menschen, die das erlebt haben, und wir werden es nicht zulassen, dass das einfach nur als Vogelschiss bezeichnet wird." Das ist es ja nicht. Ich glaube, es ist das Moment in der deutschen Geschichte, was uns in vielen Dingen bis heute definiert, uns zwingt sich damit immer wieder auseinanderzusetzen. Und das ist auch richtig so.

Wir sprechen nicht von abstrakten Situationen, wir sprechen von Dingen, die Menschen hier in unserem Land erleben und erleiden mussten, weil das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte hier stattgefunden hat. Ich bin ganz sicher und ich sehe es auch, dass es viele Menschen gibt, die gerade aufgrund der politischen Situation, wie wir sie zurzeit haben, sich anstrengen, Dinge zu tun und gemeinsam Dinge auf die Beine zu bringen. Da ist auf keinen Fall das letzte Wort gesprochen.

Das Gespräch führte Tobias Fricke. 

(DR)

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Mit Willibert in die Heilige Stadt

Im November 2019 ist es soweit: Erkunden Sie das ehrwürdige Rom auf dieser Pilgereise mit dem Rom-Kenner Willibert Pauels, Karnevalsfreunden und DOMRADIO.DE Besuchern auch bekannt als "ne Bergische Jung"!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 18.11.
06:00 - 06:30 Uhr

DOMRADIO Morgenimpuls

06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • Diasporasonntag - Junge isländische Kirche auf katholisch
  • Trauer einer Mutter - Käthe Kollwitz und der 1. Weltkrieg
07:20 - 07:20 Uhr

WunderBar

07:50 - 07:55 Uhr

Wort des Bischofs

09:40 - 09:45 Uhr

Kirche2Go

10:00 - 12:00 Uhr

Gottesdienst

11:00 - 18:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • Welttag der Armen - Misereor Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel
  • Leben für den Friedhof - Das Berliner Friedhofs-Café finovo
  • Kölner Oper wird UNICEF-Pate
10:00 - 12:00 Uhr

Gottesdienst

11:00 - 18:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • Welttag der Armen - Misereor Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel
  • Leben für den Friedhof - Das Berliner Friedhofs-Café finovo
  • Kölner Oper wird UNICEF-Pate
12:40 - 12:45 Uhr

WunderBar

17:50 - 17:55 Uhr

Wort des Bischofs

11:00 - 18:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • Welttag der Armen - Misereor Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel
  • Leben für den Friedhof - Das Berliner Friedhofs-Café finovo
  • Kölner Oper wird UNICEF-Pate
18:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Menschen

19:00 - 20:00 Uhr

DOMRADIO Kopfhörer

20:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Musica

  • "Guter Klang ist alles!" - Interview mit dem Barockgeiger Florian Deuter
  • Geistliche Musik von Christoph Grauper und Max Reger
Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Programmtipps

  • Cluny im Winter 2008.
    18.11.2018 09:20
    Anno Domini

    Odo von Cluny: Eine Größe sein...

  • Feuer
    18.11.2018 09:40
    Kirche2Go

    Ein schwieriger Begriff

  • domradio.de überträgt täglich live aus dem Kölner Dom
    18.11.2018 10:00
    Gottesdienst

    Dreiunddreißigster Sonntag im...

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen