Jair Bolsonaro
Jair Bolsonaro
Bolsonaros Anhänger feiern in Brasilia
Bolsonaros Anhänger feiern in Brasilia

29.10.2018

Brasiliens Bolsonaro-Wahl und die Ursachen Das Zaudern der politischen Basis

Jair Bolsonaro gilt als Frauenhasser, Rassist und Bewunderer der Militärdiktatur. Die Präsidentenwahl im größten Land Lateinamerikas gewinnt er trotzdem. Wie konnte es dazu kommen? Offenbar sind die Gründe vielschichtig.

DOMRADIO.DE: Der Rechtspopulist Jair Bolsonaro hat die Präsidentenwahl in Brasilien gewonnen. Bolsonaro wird ja sogar als "Trump Brasiliens" bezeichnet. Er bewundert die Militärdiktatur und will auch beispielsweise den Zugang zu Waffen erleichtern. Wie ordnen Sie den Sieg des 63-Jährigen ein?

Regina Reinart (Brasilien-Referentin beim Hilfswerk Misereor): Wir, Misereor, unsere Partner und ich persönlich sind sehr beunruhigt. Es war eine lange und harte Nacht. Ich trage Rot in Solidarität mit Haddad (Unterlegener Kandidat der Präsidentschaftsstichwahl, Anm. d. Red.) und all seinen Unterstützern - übrigens 45 Millionen Stimmen. Wir sind sehr beunruhigt bezüglich dessen, was das bedeutet und was auf uns zukommt.

DOMRADIO.DE: Das heißt, Sie haben das Gefühl, auch Ihre Arbeit könnte erschwert werden?

Reinart: Die Arbeit wird sich intensivieren und auch erschweren. Ich war übrigens im vergangenen Monat am Tag der Messerattacke gegen Bolsonaro in Brasilien. Ich habe gleich gedacht, dass dies nichts Gutes bedeutet. Das Ergebnis haben wir heute. Er hat sich seither nie öffentlichen Debatten gestellt, immer nur aus seinem Kämmerlein heraus diese Parolen losgelassen, die vor allem homophob sind, gegen Frauen sind und vor allen Dingen gegen Indigene sind.

Wir haben uns in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten sehr stark um den Schutz der Menschenrechte, vor allen Dingen der indigenen Rechte, gekümmert. Ich glaube, da kommt jetzt sehr viel auf uns zu.

DOMRADIO.DE: Bolsonaro hatte ganz lange niemand so richtig auf der Agenda. Wo kommt er plötzlich her?

Reinart: Er ist schon fast 30 Jahre im Parlament, war eher ein Hinterbänkler, hat aber auch immer wieder Parolen gegen Fernando Henrique Cardoso (Brasilianischer Soziologe und Politiker, von 1995 bis 2003 Präsident Brasiliens, Anm. d. Red.) losgelassen. Ihn müsste man töten, hatte er gefordert. Seine einfachen Antworten geben den Menschen, die sich nach Wandel sehnen, eine schnelle Lösung. Aber das ist nicht die Lösung und wird sie auch nicht werden.

DOMRADIO.DE: Was denken Sie, warum haben die Brasilianer jetzt der traditionellen "Politikerkaste" des Landes diese Ohrfeige verpasst? Was steckt dahinter?

Reinart: Das große Thema war in den letzten Jahren Korruption. 2016 wurde Präsidentin Dilma Rousseff ihres Amtes enthoben, 2017 ihr Vorgänger Lula verurteilt. Seit 7. April 2018 sitzt er im Gefängnis und soll dort auch laut Bolsonaro verrotten. Dieses Grenzüberschreitende ist bei ihm in allen Richtungen zu erkennen.

Ich frage mich aber, warum auch Frauen Bolsonaro wählen. Ich denke, es liegt einfach daran, dass die Frustration im Land so groß und so intensiv ist und dass sich die Menschen nicht genug organisiert haben.

Das sagt übrigens auch einer unserer Partner nach der Stichwahl. In der letzten Woche sei so viel passiert, wie vielleicht in den letzten Monaten oder Jahren nicht. Denn die Basis habe sich organisiert, sie habe sich zusammengetan, sie habe sich getroffen. Er sagte, der Kampf um die Demokratie fange jetzt an und er gehe weiter.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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