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Symbolbild: Juden wollen Verein in der AfD gründen
Symbolbild: Juden wollen Verein in der AfD gründen

07.10.2018

Religionsvertreter kritisieren die Gründung der Gruppe "Juden in der AfD" "Juden sind Mittel zum Zweck"

Protest bei jüdischen Organisationen und Verbänden, Unverständnis bei der AfD. Die Gründung der Gruppe "Juden in der AfD" sorgt für eine heftige Debatte. Kann die AfD eine Alternative - auch - für Juden sein?

Trotz der geplanten Gründung der Gruppe "Juden in der AfD" ist die Partei nach Ansicht der früheren Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, judenfeindlich.

"So wie ein Mensch jüdische Freunde haben und trotzdem ein Antisemit sein kann, so sind jüdische Mitglieder noch längst keine Gewähr dafür, dass eine Partei nicht antisemitische Tendenzen aufweist", sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München dem "Spiegel".

"AfD-Programm macht jüdisches Leben unmöglich"

Die schiere Anwesenheit von Juden sei nicht genug, betonte Knobloch mit Blick auf die Gruppe, die sich am Sonntag in Wiesbaden gründen will.

Die AfD propagiere ein Programm, das jüdisches Leben unmöglich mache. "Diese Partei ist gegen die rituelle Beschneidung und will das Schächten von Tieren verbieten, durch das Fleisch für gläubige Juden erst koscher wird", so Knobloch.

"Stiefmütterlicher Kampf gegen Antisemitismus"

Politik, Sicherheitsbehörden und Bildungseinrichtungen müssten es sich auf die Fahne schreiben, den Antisemitismus zu bekämpfen.

"Aber das geschieht viel zu stiefmütterlich. Wer jetzt allein den Flüchtlingen den Antisemitismus zuordnet, macht sich einen schlanken Fuß. Diese Menschen können, wenn man so will, selber nichts dafür. Sie sind so erzogen worden", sagte die 85-Jährige.

Unverständnis bei der AfD

Der religionspolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Bundestag, Volker Münz, wehrte sich gegen Kritik jüdischer Verbände an seiner Partei.

Es widerspreche der Demokratie, wenn die Organisationen Juden vorschreiben wollten, welcher Partei sie sich anschließen dürften, sagte Münz im Deutschlandfunk. Er verstehe auch nicht, woran die Verbände ihre Behauptungen festmachten, die AfD sei antidemokratisch oder menschenverachtend.

Von Storch: AfD eine "Partei für Religionsfreiheit"

AfD-Fraktionsvize Beatrix von Storch steht der Gründung muslimischer Vereinigungen in ihrer Partei eigenen Angaben zufolge unter bestimmten Bedingungen offen gegenüber. "Wenn es den Wunsch danach gibt, dann mögen sie sich gründen", sagte von Storch der "Welt am Sonntag". Es gebe "viele integrierte Muslime und Migranten bei uns in der Gesellschaft", diese könnten "auch bei uns ein Zuhause finden". Die AfD sei eine "Partei für die Religionsfreiheit". Ähnlich äußerte sich auch der religionspolitische Sprecher der Partei, Volker Münz, am Samstag im Deutschlandfunk.

Von Storch, die auch im Bundesvorstand ihrer Partei sitzt, schränkte zugleich jedoch ein, dass diese Muslime keine "Islamisierung" befürworten dürften. Darunter verstehe sie eine "Zurückdrängung unserer Kultur und das Schließen von Kompromissen mit dem Herrschaftsanspruch, den der Islam in seinen meisten Auslegungen eben besitzt". Das lehne die AfD "ganz klar" ab. Es gebe aber "liberale Muslime, die unter Polizeischutz stehen, eben weil sie einen liberalen Islam vertreten". Diese könnten sich in der AfD wiederfinden.

Reaktionen auf die Gründung

In einer gemeinsamen Reaktion auf die Gründung der Gruppe "Juden in der AfD" hatten insgesamt 17 jüdische Organisationen, darunter der Zentralrat der Juden in Deutschland, die AfD unter anderem als rassistische und antisemitische Partei bezeichnet.

Nach den Worten des Theologen und Autoren Armin Langer kann eine Allianz zwischen Juden und Rechtspopulisten langfristig nicht funktionieren. "Denn Rechtspopulisten setzen sich gegen den Antisemitismus nur dann ein, wenn sie dadurch für ihre migrationsfeindliche Agenda werben können", betonte Langer in einem Gastbeitrag der Deutschen Welle. Für die Abwehr der Judenfeindlichkeit müsste die AfD den Antisemitismus innerhalb der Partei anprangern.

"Mittel zum Zweck"

In der Wirklichkeit ginge es allein um Nichtjuden, die ihre Angst vor einer vermeintlichen "islamischen Landnahme" mit der Angst der Juden vor dem muslimischen Antisemitismus rechtfertigen wollten. "Juden sind hier lediglich Mittel zum Zweck", so der Autor von "Ein Jude in Neukölln - Mein Weg zum Miteinander der Religionen".

Der Vizevorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Stephan Harbarth, nannte die geplante Gründung eine "Heuchelei". "Die AfD redet die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen systematisch klein", sagte Harbarth in der "Bild am Sonntag". "Wer den Holocaust einen 'Vogelschiss' in der deutschen Geschichte nennt, bekämpft nicht den Antisemitismus, sondern verhöhnt dessen Opfer, und er steht ganz sicher nicht an der Seite der Jüdinnen und Juden." Harbarth setzt sich seit Jahren gegen Antisemitismus ein.

Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor bezeichnete die geplante Gründung als ein "Trauerspiel". Sie plädierte in einem Gastbeitrag des Portals t-online zugleich dafür, den Vorgang nicht zu überhöhen und im Gedächtnis zu behalten, "dass die 'Juden in der AfD' nicht 'die' Juden sind".

(KNA)

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