Die Berliner Bischöfe Heiner Koch (l.) und Markus Dröge
Die Berliner Bischöfe Heiner Koch (l.) und Markus Dröge

03.10.2018

Einheitsfeiern: Bischöfe erinnern an Lehren des Mauerfalls 28 Jahre Wiedervereinigung

Mit einem ökumenischen Gottesdienst im Berliner Dom haben am Mittwochvormittag die zentralen Feierlichkeiten zum diesjährigen Tag der Deutschen Einheit begonnen. Das Motto: "Nur mit euch".

Auf Einladung der Kirchen standen dabei unter dem Tages-Motto Menschen im Vordergrund, die entweder selbst am Rande der Gesellschaft stehen oder über ihre Arbeit mit Armen, Geflüchteten oder Obdachlosen in besonderer Weise verbunden sind. An dem Gottesdienst wollten mehrere Spitzenvertreter der Verfassungsorgane sowie Gäste aus Kultur, Gesellschaft und Religionsgemeinschaften teilnehmen, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Berliner Bischof Koch predigt

Deutschland blickt in diesem Jahr auf 28 Jahre staatliche Wiedervereinigung zurück. Der Fall der Berliner Mauer vom 9. November 1989 jährt sich im kommenden Jahr zum 30. Mal. Für Mittwochmittag war in der Staatsoper Unter den Linden ein Festakt geplant. Als Redner vorgesehen waren der amtierende Bundesratspräsident, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU). Bereits seit Montag wird der diesjährige Tag der Deutschen Einheit in Berlin mit einem dreitägigen Bürgerfest begangen.

Bei dem ökumenischen Gottesdienst im Berliner Dom mahnte der katholische Erzbischof Heiner Koch, sich "als Lernende zu verstehen": "Wer nicht lernbereit ist, wer nicht die Grenzen seines Wissens, Fühlens und Handelns in aller Bescheidenheit anzuerkennen weiß, wer sich und seine Überzeugung für absolut hält und sich nicht als veränderungsnotwendig wahrnimmt, der ist mitten im Leben tot", sagte der Erzbischof und fügte laut Predigtmanuskript hinzu: "Eine Gesellschaft, die nicht lernfähig ist, erfriert und erstarrt." Lernfortschritte würden dabei oftmals angestoßen und begleitet durch Menschen und Gemeinschaften, die nicht zu den uns vertrauten Kreisen gehörten.

Mauer länger weg als sie gestanden hat

Berlins evangelischer Bischof Markus Dröge erinnerte in seinem Grußwort-Manuskript daran, dass die Mauer inzwischen länger weg sei, als sie gestanden habe. Eine ganze Generation kenne die Mauer nur noch aus den Geschichtsbüchern, Ost- und Westdeutschland seien zusammengewachsen. Trotz der heutigen Selbstverständlichkeit der staatlichen Einheit entstünden jedoch heute wieder "Fliehkräfte, die unsere Gesellschaft auseinandertreiben" wollten. Einheit bedeute daher nicht nur die Einheit von Ost und West, sondern auch die soziale Einheit des Landes. "Nur wenn wir alle mitnehmen, sichern wir den sozialen Frieden in unserm Land", mahnte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und erinnerte an wirtschaftlich Erfolgreiche, auf soziale Unterstützung Angewiesene und Behinderte. Dies schließe auch Menschen ein, "die sich zu uns geflüchtet haben, und die, die hier immer schon sicher wohnen konnten".

(epd)

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