Ein Marker der Wiedervereinigung: der Berliner Mauerfall 1989
Ein Marker der Wiedervereinigung: der Berliner Mauerfall 1989
Haben sich dem zivilgesellschaftlichen Bündnis gegen die AfD in Sachsen-Anhalt angeschlossen: Bischof Gerhard Feige und
Bischof Gerhard Feige

02.10.2018

Wie Magdeburgs Bischof Feige auf die Wiedervereinigung blickt "Es wird noch viel Ballast mitgeschleppt"

Und auf einmal war man eins. Mit der Vereinigung vor 28 Jahren schmolz auch die katholische Kirche aus Ost und West zusammen. Was zu Beginn noch euphorisch gefeiert wurde, ist mancher Ernüchterung gewichen, so Magdeburgs Bischof Feige.

DOMRADIO.DE: Wenn man auf die Anfänge der deutsch-deutschen Vereinigung zurückschaut, auch auf den Fall der Mauer: Da haben kirchliche Vertreter eine zentrale Rolle gespielt. Wie haben Sie das erlebt?

Bischof Gerhard Feige (Bischof von Magdeburg): Ich selber war damals sehr bewegt von diesen ganzen Ereignissen. Es war für mich fast unvorstellbar, was da in Gang gekommen ist und welche Rolle Kirche dabei gespielt hat. Wenn man sich heute umschaut, muss man natürlich sagen, dass Kirche im allgemeinen Bewusstsein nicht mehr so bedeutsam ist wie damals. Aber sie hat nach wie vor eine wichtige Aufgabe. Vor allem, wenn es um die Würde des Menschen und das Gemeinwohl geht. Da sind wir auch hier im Osten für viele ein wichtiger Partner.

DOMRADIO.DE: Sie leben in einem Bistum mit geschichtlicher Tradition. Das Bistum Magdeburg in seiner heutigen Form ist ja eine Folge von einem Zusammenschluss von Ost und West. Wie haben Sie das erlebt, als sozusagen Osten und Westen in der katholischen Kirche zusammengekommen sind?

Feige: Da gab es unterschiedliche Phasen. Am Anfang war natürlich alles viel euphorischer. Dann setzte aber auch manche Ernüchterung ein. 28 Jahre, das ist ein langer Zeitraum.

Wir sind für alle Unterstützung und Solidarität sehr dankbar, die wir in diesen Jahren erfahren haben. Ohne dies alles könnten wir uns unsere Existenz so, wie wir sie jetzt haben, gar nicht vorstellen. Wir haben von den anderen profitiert und profitieren nach wie vor.

Wir müssen uns aber inzwischen neu orientieren. So sind wir zum Beispiel weniger geworden, als wir damals bei der Deutschen Einheit waren. Wir sind aber dafür vielfältiger und bunter. Das ist für dieses Gebiet typisch, dass wir als Katholiken immer eine Kirche der Zugezogenen und Flüchtlinge waren. Das hat sich jetzt auch noch einmal deutlich gezeigt.

Inzwischen gehören etwa 13 Prozent Ausländer aus 120 Nationen zu uns und auch etwa so viele Katholiken aus den alten Bundesländern sind es. Das heißt, ein Viertel der Katholiken unseres Bistums sind nicht mehr diejenigen, die zu DDR-Zeiten dazugehört haben. Das weitet unseren Blick, tut uns durchaus gut, bringt uns aber auch in neue Herausforderungen hinein.

DOMRADIO.DE: Eine gesellschaftliche Herausforderung für Europa sind die nationalen Interessen, die mehr und mehr in den Vordergrund rücken. Es regiert oft eine Angst vor Zuwanderern und vor dem Fremden. Und es werden neue Mauern und Grenzen wieder hochgezogen. Welche Rolle kann die Kirche da spielen?

Feige: Ohne Zweifel muss die Kirche - gelegen oder ungelegen - ihre Stimme erheben, aber auch selbst solidarisch handeln. Dabei ist es in unserer Situation besonders wichtig, mit anderen in der Gesellschaft zusammenzuarbeiten, die ähnliche Ideale teilen.

Wir haben uns im Bistum als schöpferische Minderheit definiert, die in ökumenischer Gemeinsamkeit voranschreitet und mit anderen in der Gesellschaft kooperiert. Das ist ganz wichtig, weil wir - die evangelische und die katholische Kirche zusammen - eine Minderheit sind.

DOMRADIO.DE: Sie sind ja auch der Vorsitzende der bischöflichen Kommission, die sich um die Ökumene kümmert und der Papst hat Sie in den Rat zur Förderung der Einheit der Christen berufen. Sie wissen also, dass das Zusammenkommen nicht immer so einfach ist. Was braucht es denn, damit die Christen in Ost und West noch besser zusammenfinden?

Feige: Weiterhin ein ehrliches Interesse aneinander. Man sollte nicht so tun, als sei die deutsche Einheit vollendet, man schreite voran und es gebe keine Probleme mehr, sondern vielmehr ist die Bereitschaft gefragt, wirklich aufeinander zu hören. Da wird noch viel Ballast mitgeschleppt, auch Verwundungen und Prägungen. Es ist wichtig, das zu verstehen, um auch besser zusammenleben zu können. Dazu gehört auch, möglichst an den anderen zu denken.

DOMRADIO.DE: Jetzt begehen Sie an diesem Mittwoch den Tag der Deutschen Einheit. Wie wird bei Ihnen im Bistum gefeiert?

Feige: Ich habe ganz einfach eine Firmung in einer kleineren Stadt in der Nähe von Magdeburg.

Es gibt also keine besonderen Feiern. Hier in der Kathedrale wird auch ein Gottesdienst stattfinden. Aber ich bin unterwegs. Es gehört ohnehin zu meinem Bischofsein, viel unterwegs zu sein.

DOMRADIO.DE: Das heißt, es ist für Sie auf der einen Seite ein Tag wie jeder andere. Gleichzeitig kommt die Erinnerung an das Vergangene bestimmt auch dazu am Tag der Deutschen Einheit. Wofür sind Sie da dankbar?

Feige: Ich bin dankbar für die Freiheit, in die Gott uns hineingeführt hat. Ich bin dankbar, in einem demokratischen Staat zu leben - mit allen Problemen und Herausforderungen, die es auch gibt. Und ich bin dankbar für die Vielfalt, die ich inzwischen genießen kann - in allen Bereichen bis zur Internationalität hin.

(DR)

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