Angriff auf jüdisches Restaurant in Chemnitz
Angriff auf jüdisches Restaurant in Chemnitz
Bischof Heinrich Timmerevers
Heinrich Timmerevers, Bischof von Dresden-Meißen
Charlotte Knobloch
Charlotte Knobloch

10.09.2018

Kritik und Entsetzen nach Angriff auf jüdisches Restaurant "Empört jeden von uns"

Religionsvertreter haben mit Entsetzen und Kritik an den Sicherheitsbehörden auf die Attacke auf ein jüdisches Restaurant in Chemnitz reagiert. "Das hat keinen Platz in unserer Gesellschaft", sagte Kardinal Woelki mit Blick auf die Vorfälle.

"Die Berichte vom Angriff von Neonazis auf das koschere Restaurant 'Schalom' in Chemnitz haben mich erschüttert", erklärte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, am Sonntag in Berlin. "Für die Versuche einiger Politiker und Vertreter der Sicherheitsbehörden, die Lage in Chemnitz schönzureden, habe ich kein Verständnis." Schuster erklärte: "Beschwichtigungsversuche und eine mangelnde Distanzierung von Rechtspopulisten spielen genau diesen Kräften in die Hände." Das Problem müsse beim Namen genannt werden.

Woelki: "Das hat kein Platz in unserer Gesellschaft"

Mit Blick auf die Vorfälle verurteilte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki Extremismus und Fremdenfeindlichkeit. "Fremdenfeindlichkeit, Hass, Gewalt, Nazi-Parolen und Hitlergruß - die haben keinen Platz in unserer Demokratie und Gesellschaft", sagte er am Sonntag gegenüber DOMRADIO.DE.

Der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers rief West- und Ostdeutsche zu mehr Dialog auf. Die Demonstrationen seien auch Ausdruck des Gefühls, "abgehängt zu sein", sagte er am Samstag in Dresden.

Restaurantbesitzer vermisst Solidarität der Chemnitzer

Der Wirt des jüdischen Restaurants "Schalom" in Chemnitz beklagt die mangelnde Zivilcourage nach dem Überfall auf sein Lokal. "Zwischen den Rechtsextremen bei der Kundgebung standen Menschen auf der Straße, die mich sonst freundlich grüßen. Wahrscheinlich waren die selbst erschrocken darüber, auf welcher Seite sie auf einmal waren", sagte Uwe Dziuballa dem Magazin der Wochenzeitung "Die Zeit" (Donnerstag). "Ich habe dafür kein Verständnis."

Dziuballa ist Besitzer des einzigen koscheren Restaurants von Chemnitz, dem "Schalom". Am Wochenende wurde bekannt, dass sein Lokal während der rechtsextremen Ausschreitungen Ende August von etwa einem Dutzend Neonazis angegriffen worden ist. Das sächsische Landeskriminalamt bestätigte eine entsprechende Anzeige des Wirts über den Vorfall, der sich am 27. August zugetragen haben soll. Die vermummten Täter hätten das "Schalom" mit Steinen, Flaschen und einem abgesägten Stahlrohr beworfen und "Hau ab aus Deutschland, Du Judensau" gerufen.

Knobloch: "Ein Angriff auf Juden ist niemals nur ein Angriff auf Juden"

Auch der Jüdische Weltkongress verurteilte am Abend den Vorfall als "entsetzlichen Akt". Nazis und Neonazis dürften in Deutschland nicht toleriert werden, erklärte Präsident Ronald S. Lauder. Die Behörden müssten die Täter vor Gericht bringen. Niemand dürfe wegen seiner Religion, seines Glaubens, seiner Hautfarbe oder seines Lebensstils in Angst leben.

Das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) bemängelte am Samstag, dass Sicherheitsbehörden nicht über den Angriff von Ende August informiert hätten. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, erklärte am Sonntag: "Ein Angriff auf Juden ist niemals nur ein Angriff auf Juden." Er sei eine "Kampfansage an die offene Gesellschaft und die freiheitliche Demokratie".

Klein: "Erinnerungen an die dreißiger Jahre"

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, zeigte sich alarmiert. "Sollten die Berichte zutreffen, haben wir es mit dem Überfall auf das jüdische Restaurant in Chemnitz mit einer neuen Qualität antisemitischer Straftaten zu tun. Hier werden die schlimmsten Erinnerungen an die dreißiger Jahre wachgerufen."

Bei Demonstrationen kam es wiederholt zu Zwischenfällen. Hintergrund ist der Tod eines Deutschen, der mutmaßlich von Asylbewerbern erstochen wurde.

(KNA)

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