Junge Migranten aus Nordafrika
Junge Migranten aus Nordafrika
Martin Bröckelmann-Simon
Martin Bröckelmann-Simon, Misereor-Geschäftsführer

20.07.2018

Misereor: Migrationsdruck auf Marokko wächst "Es verändern sich nur die Routen"

Marokko sei "Zielland, Transitland und Herkunftsland von Migration", so Misereor-Geschäftsführer Bröckelmann-Simon. Dass die Regierung die Maghreb-Staaten für sicher hält, ist für ihn schwer nachvollziehbar.

In Marokko stranden nach Angaben von Misereor immer mehr Migranten aus Afrika. Zugleich steige die Zahl der Binnenflüchtlinge in dem Land, sagte Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Aachen. Dies sei möglicherweise eine unmittelbare Folge des verstärkten Drucks der marokkanischen Regierung auf die politischen Proteste der Berber-Bevölkerung im Rif-Gebirge.

Bröckelmann-Simon: Routen verändern sich

Bröckelmann-Simon nannte es wenig verwunderlich, dass die Zahl der afrikanischen Flüchtlinge in Marokko zunehme, "nachdem der Weg von Libyen nach Italien so sehr viel schwieriger geworden ist". Es gelte der Grundsatz: "Wenn ein Zugang versperrt wird, verändern sich schlicht nur die Routen, auch wenn die Gefahren dabei zunehmen." Auf der Route von Marokko über das Mittelmeer nach Spanien äußere sich das auch an einer wachsenden Zahl von Toten.

Eigens hob der Geschäftsführer des katholischen Werks für Entwicklungszusammenarbeit die Lage in den an der nordafrikanischen Mittelmeerküste gelegenen spanischen Exklaven Ceuta und Melilla hervor. Dort harrten derzeit rund 40.000 Migranten aus. Um weitere Zuwanderung zu verhindern, gingen marokkanische Sicherheitskräfte in enger Kooperation mit der spanischen Guardia Civil "ziemlich rigoros" gegen Neuankömmlinge vor.

"Marokko als sicheres Herkunftsland nicht plausibel"

Inzwischen sei Marokko gleichermaßen "Zielland, Transitland und Herkunftsland von Migration", betonte Bröckelmann-Simon. Weiter gebe es Menschenrechtsverletzungen zu beklagen. Vor diesem Hintergrund bezeichnete der Misereor-Geschäftsführer die Entscheidung der Bundesregierung, Marokko als sogenanntes sicheres Herkunftsland einzustufen, schwer nachvollziehbar. Der Bundesrat muss dem am Mittwoch beschlossenen Gesetzentwurf noch zustimmen.

Die bereinigte Schutzquote für marokkanische Asylbewerber habe in Deutschland im Jahr 2017 bei 10,6 Prozent gelegen, so Bröckelmann-Simon weiter. Sie lag damit deutlich über der von der Koalition vereinbarten eigentlichen "Schallgrenze" für sichere Herkunftssaaten von 5 Prozent.

Zugleich wies Bröckelmann-Simon darauf hin, dass die absolute Zahl an marokkanischen Schutzsuchenden in Deutschland sehr gering gewesen sei. Es handelte sich demnach im vergangenen Jahr um 2.367 Schutzsuchende; das waren 0,4 Prozent aller Asylanträge 2017.

(KNA)

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