Flugblatt der Widerstandsgruppe "Weiße Rose"
Flugblatt der Widerstandsgruppe "Weiße Rose"

13.07.2018

Vor 75 Jahren wurde Kurt Huber hingerichtet Mutiger Bekenner

Mit dem NS-Regime haderte er schon früh, doch erst 1943 schloss er sich der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" an: Kurt Huber, Musikwissenschaftler, Psychologe und Philosoph. Vor 75 Jahren wurde er hingerichtet.

Es war wohl eine spontane Entscheidung: Hans und Sophie Scholl waren in die Münchner Universität gekommen, um dort regimekritische Flugblätter auszulegen. Den letzten Stapel aber verteilte Sophie nicht. Kurzerhand ließ sie die Blätter von der Brüstung in den Lichthof flattern – und dem Hausmeister vor die Füße. Der ließ die Geschwister festnehmen.

Scheute sich nicht, verbotene Denker zu zitieren

Verfasser des Flugblatts war der Philosophieprofessor Kurt Huber. Wenig später wurde auch er verhaftet. Am 13. Juli 1943, vor 75 Jahren, ließen ihn die Nationalsozialisten hinrichten.

Hubers Vorlesungen waren beliebt. Wenn er über "Leibniz und seine Zeit" lehrte, platzte das Auditorium aus allen Nähten. Auch Sophie Scholl war begeistert. Ihr war nicht entgangen, dass Hubers Ausführungen über die staatsbürgerliche Verantwortung der Intellektuellen mehr waren als philosophische Gedankenspiele. Zudem scheute er sich nicht, verbotene jüdische Denker zu zitieren.

Sie lud ihren Bruder ein, mit ihr die Vorlesungen zu besuchen – der dann noch einen Schritt weiter ging. Gemeinsam mit seinem Freund Alexander Schmorell suchte er persönlichen Kontakt zu Huber.

Verfasser des sechsten Flugblatts

Die Flugblätter der "Weißen Rose" waren dem Professor da schon bekannt, auch wenn er nicht wusste, dass Hans Scholl zu den Autoren zählte. Doch Huber war skeptisch. Die Gefährdung der Verfasser sei im Verhältnis zum Ergebnis zu hoch.

Doch Huber änderte seine Meinung. Von der Front heimgekehrte Studenten berichteten ihm von Massenmorden in Polen und der Sowjetunion. Er ließ sich überzeugen, dass man die Deutschen aufrütteln musste. So redigierte er das fünfte Flugblatt der "Weißen Rose".

Nach der Katastrophe von Stalingrad schrieb er selbst das sechste und letzte. "Der deutsche Name bleibt für immer geschändet, wenn nicht die deutsche Jugend endlich aufsteht, rächt und sühnt zugleich, ihre Peiniger zerschmettert und ein neues geistiges Europa aufrichtet", heißt es darin. 

Geprägt durch den katholischen Glauben

Über den Schluss des Flugblatts aber gab es Streit. Huber wollte die Jugend auffordern, sich der "herrlichen Wehrmacht" zu unterstellen, von der er hoffte, dass sie sich nach Stalingrad gegen Hitler wenden würde. Die Studenten, die selbst Fronterfahrung besaßen, lehnten das vehement ab. Sie hatten hautnah erfahren, dass die Armee längst zu einer Stütze des Regimes geworden war.

Für Huber war das unvorstellbar. Am 24. Oktober 1893 im schweizerischen Chur geboren, wuchs er in Stuttgart und München in einer kunstbeflissenen Familie auf. Zu seiner bürgerlich-konservativen Prägung gehörte das Vertrauen in die soldatischen Tugenden ebenso selbstverständlich dazu wie der katholische Glaube.

Der Glaube war es auch, der ihn schon früh am kirchenfeindlich agierenden NS-Regime zweifeln ließ. So schrieb er 1934 in einem Aufsatz über Religion und Volkstum: "Das gewachsene deutsche Volkstum historisch greifbarer Vergangenheit ist seit einem Jahrtausend Volkstum eines im innersten christlichen Volkes. Man zerstört es ins Mark, wenn man es dieser seiner religiösen Grundgestalt entkleiden will."

Er weigerte sich, Kampflieder zu komponieren

Zu diesem Zeitpunkt war Huber längst ein arrivierter Wissenschaftler. In Musikwissenschaft promoviert – seine große Leidenschaft galt zeitlebens der Volksmusik –, in Psychologie habiliert, wandte er sich der Philosophie zu. Seit 1926 führte er den Titel eines außerordentlichen Professors. Eine ordentliche Professur schien nur eine Frage der Zeit – doch die Nazis wussten das zu verhindern.

Finanznöte plagten Huber, der mittlerweile eine Familie gegründet hatte. Kurzzeitig wechselte Huber nach Berlin, wo er ein Volksmusikarchiv aufbaute. Mit der akademischen Karriere aber wurde es nichts, da er sich weigerte, für den NS-Studentenbund Kampflieder zu komponieren. Huber kehrte nach München zurück, wo er sich 1940 doch noch entschloss, in die NSDAP einzutreten – und als außerordentlicher Professor verbeamtet wurde.

Die wissenschaftliche Arbeit beschäftigte Huber bis zum Schluss. Noch im Gefängnis schrieb er an einer Leibnizbiografie. Sein Vermächtnis aber ist die Verteidigungsrede, die er vor dem Volksgerichtshof hielt. Die "innere Würde des offenen, mutigen Bekenners" könne ihm kein Hochverratsverfahren rauben. "Mein Handeln und Wollen wird der eherne Gang der Geschichte rechtfertigen, darauf vertraue ich felsenfest."

Andreas Laska

(KNA)

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