Norbert Blüm
Norbert Blüm

13.07.2018

Norbert Blüm sieht Europa vor "moralischer Insolvenz" "Moralische Insolvenz"

Der frühere Bundesminister und CDU-Politiker Norbert Blüm sieht Europa vor einer "moralischen Insolvenz". "Mich schreckt der kaltschnäuzige Ton, den die CSU in der Asyldebatte angeschlagen hat", schreibt er in einem Zeitungsbeitrag.

"Wir, die Bewohner der Wohlstandsinsel Europa, sind die Hehler und Stehler des Reichtums der sogenannten Dritten Welt", schreibt der 82-Jährige in einem Gastbeitrag für die "Süddeutsche Zeitung" (Freitag). "Auf deren Kosten und Knochen haben wir uns bereichert. Die Bodenschätze Afrikas haben wir ausgeraubt."

Wenn 500 Millionen Europäer "keine fünf Millionen oder mehr verzweifelte Flüchtlinge aufnehmen können, dann schließen wir am besten den Laden 'Europa' wegen moralischer Insolvenz", so Blüm.

Blüm: Asylanten sind keine Kartoffel- oder Mehlsäcke über die man streitet

Die Sprache in der derzeit geführten Asyldebatte erzeuge bei ihm einen "ekelhaften Überdruss", schreibt der frühere CDU-Politiker. "Asyltouristen" sei "ein Wort des kalten Zynismus". Jene Flüchtlinge, die im Kühllaster erstickten und deren Leichen auf der Autobahn zwischen Budapest und Wien gefunden wurden, seien keine "Asyltouristen" gewesen.

"Asylanten" seien "keine Kartoffel- oder Mehlsäcke, über deren sachgemäße Lagerung man streitet". Und "Obergrenzen" seien "nicht die Kapazitätsgrenze eines Kühlhauses für tropische Südfrüchte", so Blüm. "Wir reden über Flüchtlinge wie über Sachen und verstecken den Skandal der Herzlosigkeit in kalten Statistiken."

"Nicht so kaltherzig schwadronieren"

Wer sich "nur einen Funken menschlichen Mitleids bewahrt" habe, könne über die Flüchtlinge "nicht so kaltherzig schwadronieren", wie es an "Stammtisch und neuem rechten Establishment" geschehe, "als handele es sich bei den Flüchtlingen um vergnügte 'Nassauer', die uns auszunutzen versuchen".

Wer sich in Nordafrika in Schlauchboote setze, müsse "viel erlitten haben, um das Risiko einzugehen, im Mittelmeer zu ersaufen".

Ein Einwanderungsgesetz löse weder das Elends- noch das Flüchtlingsproblem, betonte Blüm. Es bietet nur für die Qualifizierten Rettung und raube den armen Herkunftsländern "die letzten Einheimischen, die sie wieder aufbauen könnten".

"Wo, C, bist du geblieben?"

Blüm erinnerte daran, dass die CDU in der Zeit des deutschen Zusammenbruchs gegründet worden sei. Sie sind auch "aus Heimweh nach christlichen Werten" entstanden. Freiheit und Gerechtigkeit seien die Grundlagen der christlichen Soziallehre und das Fundament der CDU/CSU.

"Wo, C, bist du geblieben?", fragt Blüm. "Mich schreckt der kaltschnäuzige Ton, den die CSU in der Asyldebatte angeschlagen hat." Dabei seien die Bayern "das herzlichste Volk beim Empfangen der Flüchtlinge" gewesen. "Die Bayern waren die Vorreiter einer neuen Willkommenskultur, auf die ich stolz war."

Eine Volkspartei sei mehr als eine "Sammlungsbewegung" und "das C im Parteinamen kein Besitzanspruch an Wähler". Es sei eine "Selbstverpflichtung", die eigene Politik "an der Botschaft des Christentums zu messen".

(KNA)

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