Flüchtlinge in Europa
Flüchtlinge in Europa
Erzbischof Ludwig Schick
Erzbischof Ludwig Schick

29.06.2018

Katholische Kirche zu EU-Beschlüssen zur Flüchtlingspolitik Das Menschliche kommt immer zuerst

Neue Aufnahmelager in Europa, Sammelstellen in Afrika, verstärkter Grenzschutz auf dem Mittelmeer: Die Beschlüsse des EU-Gipfels zur Flüchtlingspolitik stehen fest. Bambergs Erzbischof Ludwig Schick hofft auf eine christlich humane Umsetzung.

DOMRADIO.DE: Die europäischen Regierungschefs haben sich in Sachen Flüchtlingspolitik geeinigt und gemeinsam neue Beschlüsse verabschiedet. So sollen an den europäischen Grenzen unter anderem neue Aufnahmelager eingerichtet werden. Dazu soll es Sammellager in Afrika geben. Und die EU Grenzschutzbehörde Frontex soll gestärkt werden. Wie beurteilen Sie diese Beschlüsse?

Erzbischof Ludwig Schick (Erzbischof von Bamberg und Vorsitzender der Kommission Weltkirche bei der Deutschen Bischofskonferenz): Dass sich die Regierungschefs der EU geeinigt haben, ist natürlich schon mal ein gutes Zeichen für Europa. Dass die Lager jetzt eingerichtet werden, kann sich gegebenenfalls auch positiv auswirken.

Aber als Kirche wollen wir natürlich, dass alle Flüchtlinge gut aufgenommen werden und menschlich mit ihnen umgegangen wird. Und darauf müssen wir drängen und Wert legen und alles tun, dass das in diesen Lagern auch dann der Fall sein wird.

DOMRADIO.DE: Es sind auch neue Sammellager in Afrika beschlossen worden. Noch vor zwei Jahren wäre das Thema Sammelstellen in afrikanischen Ländern eigentlich nicht möglich gewesen. Was würde das denn für die Menschen bedeuten?

Schick: Man muss erst einmal sehen, ob das überhaupt möglich ist. Signale, die auch von afrikanischen Staaten kommen, besagen, dass sie das nicht wollen und dass das auch überhaupt nicht ginge. Da würde ich jetzt erst einmal abwarten. Aber die Bedenken, die ich gerade hinsichtlich der Lage in Europa genannt habe und die sich auch auf die Forderungen beziehen, die wir haben, die gelten natürlich für Afrika noch einmal mehr.

Bei all diesen Sammellagern, ob in Europa oder auch in Afrika, ist es natürlich ganz, ganz wichtig, dass auch humanitäre Organisationen, unter anderem auch die Kirchen, dorthin schauen können, ob es den Menschen gut geht und mitwirken, dass es ihnen tatsächlich gut geht.

DOMRADIO.DE: Nun sollen die Bootsflüchtlinge dann auf alle Länder verteilt werden, heißt es weiter. Obwohl es im Nachsatz dann auch heißt, die Aufnahme von Flüchtlingen solle auf freiwilliger Basis geschehen. Besonders osteuropäische Länder wollen sich ja gar nicht beteiligen. Wie kann das denn aussehen?

Schick: Das weiß ich auch nicht. Aber das wissen wir schon seit geraumer Zeit nicht. Die Forderung, dass diese Quoten der Verteilung jetzt endlich durchgeführt werden, ist ja keine neue Forderung, sondern eine alte und hat bisher nicht funktioniert. Wie das jetzt nach diesem neuerlichen Beschluss funktionieren soll, das müssen die Regierungen und Regierungschef jetzt verabreden und durchführen.

DOMRADIO.DE: Ist für diese Diskussion jetzt nicht auch mehr als Seriosität erforderlich? Man hat das Gefühl, in vielen europäischen Ländern wird das Thema Flüchtlinge immer mehr zum Politikum. Da wird es auch auf dem Rücken dieser Menschen im Wahlkampf benutzt. Bleibt es nicht dabei, dass wir aus Gründen der Nächstenliebe jeden Einzelfall anschauen müssen und ein bisschen diese Polemik aus dieser Diskussion heraushalten müssen?

Schick: Da gebe ich Ihnen völlig Recht. Wir müssen den Menschen sehen. Vom christlichen Menschenbild her gesehen ist der Mensch das Ziel. Papst Johannes Paul II. hat gesagt, der Mensch sei der Weg der Kirche. Für jeden Staat, der sich auf der christlichen Basis entwickelt hat, muss das auch gelten.

Von daher darf weder ein Flüchtling noch irgendein anderer Mensch für politische Kalküle missbraucht werden. Wir als Kirche fordern, dass der Mensch im Mittelpunkt steht und dass er eben die Hilfe bekommt, die er nötig hat und die er dann auch bekommen muss.

DOMRADIO.DE: Der christliche Glaube ist kein Glaube der Abschottung, sondern der offenen Herzen, oder?

Schick: Natürlich ist es so, dass wir auch immer nach Recht und Wahrheit suchen. Nicht alle, die jetzt kommen, sind wirklich Flüchtlinge. Das ist auch mit dem Christentum zu vereinbaren. Aber selbst der, der kein Recht auf den Flüchtlingsstatus und auf ein Asylverfahren hat, muss menschlich behandelt werden und muss auch menschlich dahin zurückgeführt werden, wo er hergekommen ist.

DOMRADIO.DE: Was wünschen Sie sich in dieser Diskussion, in dieser angespannten Situation, für die Zukunft?

Schick: Ich wünsche mir natürlich, dass sich die europäischen Staaten noch besser verabreden und dann auch in der Durchführung Menschenrechtsvereinbarungen einhalten. Ich wünsche mir, dass sie alles dafür tun, dass die Menschenrechtskonvention eingehalten wird und die Flüchtlingskonvention ebenso und dass wir auch ein barmherziger Herz haben, das mit allen Menschen gut umgeht, ob sie hier bleiben können, ob sie als Flüchtlinge anerkannt werden oder auch zurückgeführt werden.

Das Interview führte Johannes Schröer.

(DR)

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